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Börsen-Zeitung: Schaefflers Coup, Kommentar von Gottfried Mehner zur Einigung zwischen der Schaeffler Gruppe und ihren Banken auf eine Umfinanzierung

    Frankfurt (ots) - Jetzt muss Continental der Schaeffler Gruppe fast schon dankbar sein. Schaeffler hat ihr Schuldenpaket von 12 Mrd. Euro umgepackt, was den Hannoveranern einen Kurssprung von 17% auf 26,10 Euro bescherte. Dadurch könnte fast in Vergessenheit geraten, dass die Ratingagenturen Continental kurz zuvor weiter abgestuft haben - wegen des in der Personalie Degenhart zum Ausdruck kommenden stärkeren Schaeffler-Einflusses. Das aktuelle Rating liegt inzwischen um vier Stufen unter Investment Grade. Recht stimmungsbelastend ist zudem, dass der Ausblick negativ bleibt.

    Continentals Zinslasten steigen durch die Ratingverschlechterung um 30 Mill. bis 40 Mill. Euro, oder, so hat Oppenheim Research errechnet, um 0,13 bis 0,18 Euro je Aktie. In diesen Zeiten ist das alles andere als ein Pappenstiel. Im dritten Quartal wird es sowieso noch einmal ganz eng. Zu eng, erwarten einige, sodass erneut mit den Banken verhandelt werden muss. Wenn es so kommen sollte - das ist erprobtes und berechenbares Conti-Verhalten -, wird frühzeitig der Kontakt zu den Banken gesucht werden.

    Bei den extrem mit Schulden gehebelten Schaefflers läuft das ganz anders. Nichts Genaues weiß man nicht. Aber man hätte langsam erwarten können - es ist nur ein Bauchgefühl -, dass die Gruppe beim Staat wegen milliardenschwerer Hilfen einen Brief ins Eingangskörbchen legt. Das ist jedoch bislang unterblieben. Wäre das unvereinbar mit irgendwelchen überzogenen Steueroptimierungen in den Vorjahren?

    Was passiert stattdessen: Den Banken - davon gibt es fünf mit der unglücklichen Commerzbank an der Spitze - wird bei dem Coup ein neuerlicher Beitrag in Form einer kräftigen Kreditverlängerung abgerungen. Von Debt-to-Equity-Swaps ist keine Rede mehr. Auf eine merkwürdige Weise scheint sich Schaeffler - für den Rest der Welt eine reine Black Box - gegen eine Insolvenz imprägniert zu fühlen.

    Falls es dem Kurs auf die Beine hilft, kann Conti das alles egal sein. Allerdings zeichnet sich ab, dass Schaeffler durch eine kreditmäßige Entlastung des operativen Geschäfts Vorbereitungen für die angestrebte Fusion trifft. Es scheint die bemerkenswerte Logik zu gelten, dass die Banken Schaeffler schon allein nicht fallen lassen können - und ein Konglomerat aus Schaeffler und Continental gleich zweimal nicht.

    (Börsen-Zeitung, 19.8.2009)

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