Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Syrien: Aufwertung von US-Diplomat Tom Barrack verschärft Lage der Minderheiten
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisiert die Aufwertung des US-Diplomaten Tom Barrack zum Sondergesandten von Präsident Donald Trump für Syrien und den Irak. Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation verschärft die Entscheidung die Lage der Minderheiten in Syrien. Diese werden weiterhin durch das neue Regime in Damaskus verfolgt.
Barrack war bislang US-Sonderbeauftragter für Syrien und ist zugleich US-Botschafter in der Türkei. US-Außenminister Marco Rubio hatte zunächst das Auslaufen seiner Funktion als Syrien-Beauftragter verkündet. Kurze Zeit später gab US-Präsident Trump seine neue Rolle bekannt.
„Viele Angehörige von Minderheiten machen Tom Barrack maßgeblich für ihre katastrophale Lage mitverantwortlich. Er schützt die neuen islamistischen Machthaber in Syrien und verharmlost ihre Verbrechen an Minderheiten und demokratischen Kräften“, sagt Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV. „Barracks Äußerung, dass Demokratie für diese Region nicht geeignet sei, ist besorgniserregend und abwertend gegenüber den Menschen in der gesamten Region. Sie wirft ein Licht auf den Umgang der westlichen Politik mit den Menschen in Syrien und im gesamten Nahen Osten und zeigt, dass demokratische Bestrebungen nicht ernst genommen werden.“
„Diese Politik führt dazu, dass die Menschen in Syrien den Glauben an Demokratie und Menschenrechte zunehmend verlieren. Die neuen Machthaber in Syrien werden politisch immer weiter normalisiert, während sie weiterhin Verbrechen an den syrischen Minderheiten begehen“, kritisiert Sido.
In der Drusenprovinz al-Suwaida können die vertriebenen Menschen immer noch nicht in ihre verlassenen Dörfer zurückkehren. Bei den Massakern an der drusischen Bevölkerung im Süden Syriens im Juli 2025 wurden Tausende Häuser niedergebrannt. Selbst das syrische Regime spricht mittlerweile von 7.144 niedergebrannten Häusern. Viele Menschen wurden bei den Angriffen getötet. Die drusischen Gebiete, die nicht unter der Kontrolle des islamistischen Regimes in Damaskus stehen, sind weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten. Auf den Zufahrtsstraßen nach Damaskus werden weiterhin Drusen ermordet. Auch in den alawitischen Gebieten an der syrischen Mittelmeerküste dauern die Morde und Vergewaltigungen an der alawitischen Bevölkerung weiter an.
Im sogenannten Gebiet „Wadi an-Nasara“ (Tal der Christen) im westlichen Syrien werden die rund 150.000 überwiegend christlichen Bewohner immer stärker bedrängt. „Bewaffnete islamistische Gruppen fahren nachts durch die Dörfer und verbreiten Angst unter den Christen“, berichtet der Menschenrechtler.
In den kurdischen Gebieten Nordsyriens werden die kurdische und die aramäische Sprache systematisch verdrängt. Immer mehr Schilder auf Kurdisch und Aramäisch verschwinden von den Straßen und staatlichen Gebäuden, obwohl sie Amtssprachen in der Autonomen Region sind. „Viele Kurden befürchten, dass die getroffenen Vereinbarungen vom Regime in Damaskus nicht eingehalten werden“, sagt Sido. Tausende Kurden, darunter viele Frauen, die jahrelang als Mitglieder der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gegen den „Islamischen Staat“ (IS) gekämpft haben, befinden sich weiterhin in den Gefängnissen des Regimes in Damaskus.
„Deutschland und die EU dürfen Syrien und den Nahen Osten nicht der chaotischen Politik Trumps überlassen. Europa hat ein unmittelbares Interesse daran, in Syrien Stabilität, Demokratie und Menschenrechte zu fördern. Instabilität und Diktaturen führen zu mehr Konflikten, Kriegen und letztendlich auch zu Fluchtbewegungen nach Europa“, betont Sido.
Sie erreichen Dr. Kamal Sido unter k.sido@gfbv.de">k.sido@gfbv.de oder 0173/6733980.
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