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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Indigene Völker Brasiliens: Missionar verliert Zuständigkeit für Völker in freiwilliger Isolation

Indigene Völker Brasiliens:

  • Missionar verliert Zuständigkeit für Völker in freiwilliger Isolation
  • Zwangskontaktierung durch Missionare endet für Indigene oft tödlich
  • Evangelikale Missionen oft Einfallstor für kriminelle Holzfäller und Goldsucher

Die General-Koordination für isolierte und neu kontaktierte indigene Völker der brasilianischen Indigenen-Schutzbehörde (FUNAI) bekommt eine neue Leitung. Gegen den bisherigen Leiter, den Anthropologen und Missionar Ricardo Lopes Dias, waren indigene Organisationen seit seiner Ernennung vor neun Monaten Sturm gelaufen. Nach längeren gerichtlichen Auseinandersetzungen verkündete das Justizministerium Brasiliens am vergangenen Freitag, den 27. November, im brasilianischen Amtsblatt der Union seine Abberufung.

"Zwischen der Politik des Null-Kontaktes, die die brasilianische Verfassung für diese Völker vorschreibt, und den missionarischen Zielen des Behördenleiters bestand von Anfang an ein Interessenkonflikt", erklärt Juliana Miyazaki, Referentin für indigene Völker bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). "Seine Entlassung ist eine gute Nachricht. Denn seine Position in der FUNAI hatte bei vielen Indigenen für erhebliches Unbehagen besorgt - aus guten Gründen." So habe Lopes Dias Ende August 2020 eine Mission koordiniert, die fast die Quarantänestationen der isolierten Indigenen im Javari-Tal durchbrochen hätte. In diesem Gebiet leben weltweit die meisten indigenen Völker in freiwilliger Isolation.

Diese Völker zwangsweise zu kontaktieren kann katastrophale Auswirkungen auf sie haben. "Ihr Immunsystem ist schon auf bei uns übliche Erreger nicht eingestellt, selbst ohne Pandemie endet der erzwungene Kontakt für sie oft tödlich", berichtet Miyazaki. "Während sich das Coronavirus ausbreitet, ist die Gefahr noch einmal größer. Allein bei den Yanomami und Ye'kwana, Völkern unter der Verantwortung von Lopes Dias, wurde bereits ein Drittel der Indigenen infiziert." Nicht selten seien evangelikale Missionen zudem Einfallstore für Kriminelle. "Eindringlinge wollen die Gebiete zumeist abholzen und brandroden, um dort nach Gold zu suchen oder sie illegal für Soja-Anbau und Rinderzucht zu nutzen", so Miyazaki. "Sie gehen dabei oft gewalttätig vor und tragen zur verheerenden Entwaldung und extremen Waldbränden bei." Das Observatorium für die Menschenrechte isolierter und jüngst kontaktierter indigener Völker, eine Nichtregierungsorganisation, berichtete erst am vergangenen Donnerstag von Plänen der FUNAI, die Fläche des indigenen Gebiets Ituna Itatá zu halbieren. Auch dort leben indigene Völker in freiwilliger Isolation.

Ricardo Lopes Dias wurde im Februar dieses Jahres zur FUNAI berufen. Er unterhält Beziehungen mit Missionsorganisationen, darunter die Missão Novas Tribos do Brasil (Mission der Neuen Stämme Brasiliens). Deren Ziel ist die Evangelisierung der indigenen Völker. Im Mai wurde er vom Landesgericht der 1. Region suspendiert. Im Juni hob der Oberste Gerichtshof die Entscheidung wieder auf. Nach einer Einigung mit dem damaligen Präsidenten des Gerichtshofs, Minister João Otávio de Noronha, konnte er zunächst im Amt bleiben.

Sie erreichen Juliana Miyazaki unter j.miyazaki@gfbv.de oder 0551/49906-23.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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Fax: +49 551 580 28
E-Mail:  info@gfbv.de
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