Fahrgastverband PRO BAHN e. V.
„Next-Level-ICE“ nur ohne Reservierungspflicht
„Next-Level-ICE“ nur ohne Reservierungspflicht
Fahrgastverband PRO BAHN zieht vor der Vorstellung des neuen ICE-Konzepts eine klare Grenze
München, 13. September 2026 – Der Fahrgastverband PRO BAHN lehnt eine Reservierungspflicht im deutschen Fernverkehr ohne Ausnahme ab. DB-Chefin Evelyn Palla will den ICE „auf ein neues Level“ heben, hat sich dafür Konzepte in anderen Ländern angeschaut und kündigt ihren Plan für die kommenden Wochen an. In Frankreich, Italien und Spanien fährt in Hochgeschwindigkeitszügen nur mit, wer einen Platz reserviert hat. Dieses Element darf das neue ICE-Konzept nicht übernehmen.
„Frau Palla hat erkannt, dass sich im Fernverkehr etwas ändern muss, und sie will den ICE zu Recht zum Aushängeschild der Bahn machen“, erklärt Prof. Dr. Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN. „Ein Aushängeschild bleibt der ICE aber nur, solange jeder mit gültiger Fahrkarte einsteigen kann. Einen Reservierungszwang lehnen wir auf jeder Strecke ab.“
Im ersten Halbjahr 2026 kamen nur 58,7 Prozent der Fernzüge pünktlich an. Eine Reservierung im Anschlusszug hält bei dieser Quote nur im Ausnahmefall. Wer umsteigt, müsste unter einer Reservierungspflicht fast immer umbuchen, und das nur, solange im nächsten Zug noch Plätze frei sind. „Ist der letzte ICE am Abend ausreserviert, bleibt der Fahrgast aus dem verspäteten Zubringer am Bahnsteig stehen und kommt an diesem Tag nicht mehr an“, warnt Iffländer. „Die Pflicht schiebt den Fahrgästen den schwarzen Peter für die Unpünktlichkeit der Bahn zu, ausgerechnet denen, die umsteigen müssen.“
Der Deutschlandtakt lebt als offenes System davon, dass Fahrgäste mit Flexpreis, BahnCard 100 oder Zeitkarte im Knotenbahnhof den nächsten passenden Zug nehmen. Ein Reservierungszwang macht aus jedem Umstieg eine Buchungsfrage.
Auch wirtschaftlich geht die Rechnung nicht auf. Viele Fahrgäste stehen heute freiwillig ein Stück im vollen ICE, statt eine Stunde später zu fahren, und zahlen dafür den vollen Fahrpreis. Mit einer Pflichtreservierung endet die Kapazität jedes Zuges bei der Zahl seiner Sitzplätze. „Die Bahn will 2026 wieder Gewinn schreiben. Dann ist es unverständlich, ausgerechnet auf das Geld der Fahrgäste zu verzichten, die für eine spontane Reise auch einen Stehplatz in Kauf nehmen“, erläutert Iffländer. Ob jemand lieber steht oder wartet, soll der Fahrgast selbst entscheiden.
Volle Züge sind ein Kapazitätsproblem, und die Antwort darauf sind mehr und längere Züge. Vom Reservierungssystem selbst erwartet der Fahrgastverband PRO BAHN eine Weiterentwicklung. Wer einen Anschluss verpasst, muss seine Reservierung ohne neue Zahlung und ohne Erstattungsantrag auf den nächsten Zug übertragen können. Umgekehrt müssen Plätze, die sicher nicht mehr genutzt werden, etwa nach einem verpassten Anschluss, freigegeben werden. Hinzu kommen ein größeres Kontingent für kurzfristige Reservierungen und eine Anzeige im DB Navigator und am Bahnsteig, wie voll jeder Wagen ist.
Mit Italo und einem größeren Flixtrain-Angebot ab 2028 braucht es zudem ein Bundesgesetz nach Artikel 87e Grundgesetz mit Dachtarif, Netzkarten und anbieterübergreifender Weiterfahrt im Störungsfall. Maßstab dafür ist der offene ICE.
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