IPSOS-Umfrage: 95 % der Deutschen befürworten Maßnahmen gegen Unterwasserlärm
95 % der Deutschen befürworten Maßnahmen gegen Unterwasserlärm
Hamburg, 20. Mai 2026 – Eine aktuelle IPSOS-Umfrage im Auftrag der Tier- und Artenschutzorganisation IFAW (International Fund for Animal Welfare) zeigt eine breite Zustimmung in Europa für Maßnahmen zur Verringerung von Unterwasserlärm. Ziel ist es, negative Auswirkungen auf Meeresökosysteme zu begrenzen. Der Erhebung in fünf europäischen Ländern zufolge halten 98 Prozent der Befragten den Schutz von Meeresfauna und ‑flora für wichtig. Gleichzeitig wird Unterwasserlärm als Umweltproblem bislang unterschätzt: Nur 14 Prozent der Befragten sehen darin eine Bedrohung für die biologische Vielfalt der Meere. In Deutschland geben 39 Prozent an, noch nie von Unterwasserlärm als Umweltbelastung gehört zu haben. Die Ergebnisse werden zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, an dem die Europäische Union zentrale Rechtsvorschriften zum Meeresschutz überprüft und überarbeitet.
Trotz bislang geringer Bekanntheit wächst das Problembewusstsein deutlich, sobald über die Auswirkungen informiert wird: 95 Prozent der Befragten in Deutschland halten entschlossenes Handeln für notwendig, wenn sie erfahren, dass Schiffslärm Kommunikation, Navigation und Nahrungsaufnahme vieler Meereslebewesen beeinträchtigt.
Entsprechend hoch ist die Zustimmung zu konkreten Maßnahmen:
- 84 Prozent der Befragten in Deutschland befürworten eine Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeiten, um Meereslebewesen besser vor Unterwasserlärm zu schützen.
- 74 Prozent sprechen sich für verbindliche Vorschriften zur Geschwindigkeitsdrosselung aus und lehnen rein freiwillige Selbstverpflichtungen ab.
Auch auf persönlicher Ebene besteht eine hohe Bereitschaft zu Veränderungen: 72 Prozent der Befragten in Deutschland würden längere Lieferzeiten für Waren und Pakete akzeptieren, wenn dies zur Verringerung von Unterwasserlärm beiträgt.
„Unterwasserlärm ist eine unsichtbare, aber reale Bedrohung für die Artenvielfalt der Ozeane“, sagt Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW in Deutschland. „Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Bevölkerung Maßnahmen zur Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeiten klar unterstützt – und sogar bereit ist, längere Lieferzeiten in Kauf zu nehmen, um Wale und andere Meerestiere besser zu schützen.“
Aus Sicht des IFAW unterstreichen die Umfrageergebnisse die dringende Notwendigkeit, „Blue Speeds“ einzuführen – eine Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeiten um etwa zehn Prozent. Diese Maßnahme zählt zu den einfachsten und zugleich wirksamsten Ansätzen, um den durch die Schifffahrt verursachten Unterwasserlärm deutlich zu verringern. Weltweit könnte eine solche Geschwindigkeitsanpassung den Unterwasserlärm unmittelbar um bis zu 40 Prozent senken. Gleichzeitig ließe sich das Risiko von Kollisionen mit Großwalen halbieren und die Treibhausgasemissionen der internationalen Schifffahrt um rund 13 Prozent reduzieren.
„Die EU hat jetzt die Chance, international voranzugehen“, sagt Andreas Dinkelmeyer. „Maßnahmen wie geringere Schiffsgeschwindigkeiten würden von den Bürgerinnen und Bürgern nicht als zusätzliche Regulierung empfunden, sondern als sichtbarer Fortschritt – und als Grund für Zuversicht und Stolz.“
Die Veröffentlichung der Umfrage fällt in eine Phase, in der die Europäische Union ihre Meeresschutzpolitik verstärkt und die Meeresstrategie‑Rahmenrichtlinie (MSRL) derzeit überarbeitet. Ziel der Richtlinie ist es, einen „guten Umweltzustand“ der europäischen Meere zu erreichen – ein Ziel, das bis zur ursprünglich gesetzten Frist im Jahr 2020 verfehlt wurde. Besonders gering sind bislang die Fortschritte bei der Verringerung der Unterwasserlärmbelastung, die zur Hälfte auf den Seeverkehr zurückzuführen ist.
Die Überarbeitung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie wird eng mit der Ausarbeitung des künftigen Ocean Acts verzahnt. Die Europäische Kommission hat dazu am 23. April eine öffentliche Konsultation gestartet. Ziel ist es, die Ausgestaltung des Europäischen Meeresgesetzes gemeinsam weiterzuentwickeln. Der Ocean Act ist ein zentraler Legislativvorschlag im Rahmen des Europäischen Meerespakts und soll 2026 verabschiedet werden.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen eine breite öffentliche Unterstützung in ganz Europa für wirksame Maßnahmen gegen Unterwasserlärm, darunter konkrete und praktikable Ansätze wie die Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeit. Der IFAW fordert daher die nationalen Regierungen sowie die EU‑Institutionen auf, diese gesellschaftliche Rückendeckung aufzugreifen und eine verbindliche Geschwindigkeitsreduzierung im Rahmen der Überarbeitung der MSRL zu verankern, um den Schutz der Meeresfauna wirksam zu stärken.
Bildmaterial und Visuals finden Sie hier: https://spaces.hightail.com/space/PxT4ZtQAGn
Download IPSOS Report unter diesem Link
Über die Umfrage:
Die Umfrage zum Thema Unterwasserlärm wurde von Ipsos bva im Auftrag des IFAW (International Fund for Animal Welfare) vom 11. bis 26. Februar 2026 in fünf europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Niederlande, Spanien und Schweden) durchgeführt. In jedem Land wurde eine repräsentative Stichprobe von jeweils 1000 Befragten im Alter von 18 Jahren und älter ausgewählt. Die Umfrage wurde von KRESK 4 OCEANS unterstützt.
Für weitere Informationen oder Interviews kontaktieren Sie bitte:
Christina Eckel
Communications Manager
t: +49 (172) 4047999
Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) ist eine weltweit aktive gemeinnützige Organisation für die bessere Koexistenz von Tieren und Menschen. Wir sind in mehr als 40 Ländern der Welt und auf den Meeren im Einsatz. Wir retten und pflegen Tiere, wildern sie wieder aus und bewahren und schützen ihre natürlichen Lebensräume. Die Probleme, denen wir uns stellen, sind drängend und komplex. Um sie zu lösen, brauchen wir mutiges Handeln und kluges Denken. Wir arbeiten mit Gemeinden, Regierungen, anderen NGOs und Unternehmen zusammen. Gemeinsam finden wir neue und innovative Wege, damit sich alle Arten in ihrem Lebensraum entwickeln können. So geht’s: www.ifaw.org
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