Tödliche Klicks - Soziale Medien befeuern illegalen Wildtierhandel
Hamburg (ots)
Die Mehrheit der Europäer:innen lehnt den Handel mit Wildtieren klar ab - doch Social-Media-Trends tragen gleichzeitig dazu bei, genau diesen Markt weiter anzukurbeln. Das zeigt eine neue, unabhängige Studie im Auftrag des IFAW (International Fund for Animal Welfare), die eine deutliche Diskrepanz zwischen Sorge und Handeln offenlegt: Während 82 Prozent den Wildtierhandel als ernstes globales Problem einschätzen, glaubt nur etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent), selbst etwas dagegen bewirken zu können.
Videos, die Wildtiere als vermeintlich geeignete Haustiere inszenieren - etwa sprechende Afrikanische Graupapageien oder in Wohnungen gehaltene Servale - erzielen millionenfache Reichweiten und normalisieren ihre Haltung. Das Liken und Teilen solcher Inhalte auf Plattformen wie Instagram, YouTube oder TikTok trägt zu einer digitalen Dynamik bei, die reale Konsequenzen für Tiere und Ökosysteme weltweit hat.
"Kriminelle Strukturen schlagen aus der viralen Verbreitung von Wildtier-Videos gezielt Kapital. Inhalte, die harmlos oder 'niedlich' erscheinen, befeuern in Wirklichkeit Tierleid und illegalen Wildtierhandel", erklärt Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW in Deutschland. Mit der Kampagne "Liked to death" macht der IFAW auf den direkten Zusammenhang zwischen Social-Media-Trends und dem illegalen Wildtierhandel aufmerksam.
Eine unabhängige Umfrage im Auftrag des IFAW, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Sapience, unter mehr als 3.700 Menschen in Frankreich, Deutschland, Spanien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich zeigt ein deutliches Spannungsfeld: Zwar sind 70 Prozent überzeugt, dass Wildtiere keine Haustiere sind, und 84 Prozent fordern strengere EU-Gesetze. Gleichzeitig wissen drei von vier Befragten wenig oder nichts über den Wildtierhandel, und nur rund ein Drittel ist sich der zentralen Rolle Europas bewusst.
Der weltweite Wildtierhandel zählt mit einem geschätzten Volumen von sieben bis 23 Milliarden US-Dollar pro Jahr zu den größten illegalen Märkten weltweit. Millionen Wildtiere werden jedes Jahr gefangen oder gezüchtet - viele sterben bereits beim Fang und Transport, andere leiden dauerhaft unter nicht artgerechter Haltung.
Der IFAW fordert daher strengere gesetzliche Regelungen in der EU, darunter klar definierte Positivlisten für erlaubte Haustierarten, eine konsequentere Strafverfolgung sowie eine bessere Überwachung des Wildtierhandels. Zugleich richtet sich ein klarer Appell an die Öffentlichkeit: keine entsprechenden Inhalte zu konsumieren oder zu verbreiten, keine Wildtiere als Haustiere zu kaufen und verdächtige Online-Angebote zu melden.
Über die Kampagne
Liked to death ist eine europaweite Aufklärungskampagne des IFAW. Sie basiert auf Erkenntnissen aus der globalen Arbeit des IFAW zur Bekämpfung von Wildtierkriminalität sowie auf einer aktuellen europäischen Studie zu als exotischen Haustieren gehaltenen Wildtieren und einer Umfrage unter Halter:innen von solchen "exotischen Haustieren" im Vereinigten Königreich. Zum Kampagnenstart wird die breite Öffentlichkeit im Vereinigten Königreich, in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich über Social Media, Out-of-Home-Werbung und Kinospots angesprochen. Einzelne Materialien sind derzeit nur auf Englisch verfügbar, weitere Sprachen folgen. Mehr erfahren Sie hier.
Über die Studie
Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Sapience in Frankreich, Deutschland, Spanien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich aus dem Jahr 2025, an der mehr als 3.700 Personen in fünf europäischen Ländern teilnahmen, untersucht die Einstellungen der europäischen Bevölkerung zum illegalen Wildtierhandel sowie zur Wirksamkeit von Aufklärungskampagnen. Link zur Studie hier.
Ergänzend befragte YouGov im Auftrag des IFAW im Jahr 2025 620 Halter:innen "exotischer Haustiere" im Vereinigten Königreich zu Regulierung, Herkunft der Tiere und zum Zusammenhang mit illegalem Wildtierhandel. Weitere Informationen finden Sie hier.
Über den IFAW
Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) ist eine weltweit aktive gemeinnützige Organisation für die bessere Koexistenz von Tieren und Menschen. Wir sind in mehr als 40 Ländern der Welt und auf den Meeren im Einsatz. Wir retten und pflegen Tiere, wildern sie wieder aus und bewahren und schützen ihre natürlichen Lebensräume. Die Probleme, denen wir uns stellen, sind drängend und komplex. Um sie zu lösen, brauchen wir mutiges Handeln und kluges Denken. Wir arbeiten mit Gemeinden, Regierungen, anderen NGOs und Unternehmen zusammen. Gemeinsam finden wir neue und innovative Wege, damit sich alle Arten in ihrem Lebensraum entwickeln können. So geht's: www.ifaw.org
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