Braucht es heute noch Bildung? – Gedanken zum Schulstart
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Ist der Tag X bald gekommen? An dem es überflüssig geworden ist, sich anzustrengen? Sich darum zu bemühen, ein gebildeter Mensch zu werden?
Ist dieser Tag sogar längst da? Schließlich ist das Wissen dieser Welt doch stets nur einen Mausklick oder den nächsten Scroll am Handy weit entfernt und dank Künstlicher Intelligenz ruckzuck sortiert und portioniert. Wozu bedarf es dann noch einer langen Schullaufbahn mit unzähligen Abschlüssen, die es mühsam zu erlangen gilt? Weshalb noch elendiges Pauken und quälende Prüfungen? Bekommen wir unser Wissen nicht ohnehin bald, in Mikrochips verpackt, implantiert?
Vor kurzer Zeit weckte ein ZEIT-Artikel mit dem Titel „Bildung? Wozu?“ mein Interesse, der sich intensiv mit dem Wert von Bildung befasst und eine treffende und mehrdimensionale Beschreibung des IST-Zustandes unserer Gesellschaft bietet.
Zunächst steht die Frage im Raum, wie es aktuell um das Bildungssystem und die Kompetenzen und das Wissen der jungen Heranwachsenden bestellt ist. Tatsächlich gibt es in dieser Hinsicht überraschend positive Meldungen zu verkünden. Demnach ist die formale Bildung der Deutschen besser als jemals zuvor. Etwa fünfzig Prozent eines Jahrgangs absolvieren das Abitur. Der Besuch einer Hochschule oder Universität ist längst kein Privileg der Wohlhabenden oder einiger weniger Auserwählter mehr. Derzeit studieren fast drei Millionen Menschen in Deutschland (1950 waren es in Westdeutschland weniger als 150000). Gleichzeitig steigen die Akademiker- und Doktorandenquoten. Der Zugang zu Bildung hat sich ein Stück weit demokratisiert. Diese Bildungsexpansion war auch dank der Leitidee „Aufstieg durch Bildung“ in der Regierungszeit Willy Brandts möglich. Die Ausgaben für Bildung haben sich von 2023 auf 2024 um satte 13 Milliarden erhöht, ihr Anteil am BIP stieg von 4,4 auf 4,6 Prozent. Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben liegen über dem Durchschnitt von OECD und EU. Dies sogar über alle Altersbereiche hinweg. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Das ist es leider auch, spiegelt es doch nur die eine Hälfte der Medaille wider.
Demgegenüber stehen Entwicklungen, die in mehrfacher Hinsicht besorgniserregend sind. Die Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten junger Lerner haben sich weiter verschlechtert. Die Zahl derer, die nicht einmal Mindeststandards erfüllen, hat stetig zugenommen. Die Statistiken zeichnen ein erschreckendes Bild, denn die erfassten Kompetenzen sind noch weiter abgesackt als beim Pisa-Schock vor einem Vierteljahrhundert. Gleichzeitig bestimmt die soziale Herkunft, insbesondere im Vergleich zu anderen Ländern, noch viel zu sehr über schulischen Erfolg oder Misserfolg. Bildungsministerin Karin Prien sprach in diesem Zusammenhang bereits von einer „Schicksalsfrage“. Der erhoffte „Aufstieg durch Bildung“ für jedermann – er scheint ausgeträumt. Hinzu kommen die rasanten Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz, die viele komplexe Denkprozesse scheinbar überflüssig machen und den Jobmarkt revolutionieren, gepaart mit einer sehr hohen Bildschirmzeit bei Kindern und Jugendlichen, deren negative Auswirkungen hinlänglich bewiesen wurden. Auch vor der Erwachsenenbildung machen die Negativmeldungen keinen Halt. Die Klagen über das zunehmend schlechte Vorwissen und die mangelnden wissenschaftlichen Fähigkeiten der Studierenden nehmen zu. Statt aufwendige akademische Recherche zu betreiben, griffen viele zu Chat GPT, Google und Co., um schnell und ohne großen Aufwand zu Ergebnissen zu gelangen.
Wo führt uns all das hin? Bringt es einen wirtschaftlichen Rückschritt mit sich, der unseren Wohlstand gefährdet (der ohnehin aus rein demographischer Perspektive bereits in den Krisenmodus schaltet)?
Fest steht, dass Bildung, in globalem Maßstab betrachtet, immer weniger mit reinem Fachwissen zu tun hat. Der Wissenskanon unterscheidet sich bisweilen aufgrund nationaler und sogar regionaler Unterschiede. Statt purer Fakten, Zahlen und Daten bedarf es heutzutage der Fähigkeit zum kompetenzorientierten Lernen.
Wie werden Zusammenhänge aus einer Fülle an Informationen (z.B. einem Text) entnommen und in einen Zusammenhang gebracht? Wie erfolgt die Verknüpfung zu bereits vorhandenem Vorwissen? Mehr denn je stehen heute persönliche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten im Fokus, um in Zeiten von KI und allgemeiner Schnelllebigkeit bestehen zu können. Wie resilient ist ein Mensch und wie schnell kann eine Anpassung an neue Umstände erfolgen? Dennoch plädieren die meisten Bildungsexperten weiterhin für einen grundlegenden Wissenskanon aus allen Fächern, empfehlen aber eine Entzerrung des Lernstoffes zugunsten projektbasierter und anwendungsbezogener Unterrichtseinheiten.
In diesem Zusammenhang arbeitet das Kinderbuchautorenduo rund um Autor Felix Walk und Illustratorin Marie Reimann seit mittlerweile 10 Jahren aktiv in der Vermittlung von Kinderliteratur. Ihr Erstlingswerk „Die kleine Eins“ wird deutschlandweit und sogar in der Schweiz und in Österreich im Vorschulbereich sowie im mathematischen Anfangsunterricht eingesetzt. Die Geschichten verpacken mathematisches Grundwissen über die ersten Zahlen, Mengen- und Größenordnungen, geometrische Grundformen oder Grundlagen des Rechnens in liebevolle Kinderbuchgeschichten, die zugleich um zentrale Themen wie Freundschaft, Identität und Herausforderungen kreisen. Besonders im Rahmen von Lesungen, so berichtet es das Duo, zeigen sich der enorme Einfallsreichtum und die Wissbegierde der jungen Lerner und Leser.
Als umso wichtiger bestätigt sich in diesem Zusammenhang die Bedeutung des regelmäßigen Vorlesens für die kindliche Entwicklung auf kognitiver und sprachlicher Ebene. Es regt die Fantasie an, fördert die Empathiefähigkeit, das kritische Denken und unterstützt die aktive Vernetzung von Hirnstrukturen. Zwar mag es zukünftig vieles geben, dass durch KI ersetzt werden kann. Die Interaktion zwischen Menschen über das geschriebene Wort und der damit verbundene Austausch von Wissen und Emotionen wird aber – so ist zu hoffen – auch das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz überdauern.
Haben Sie Lust mit mir darüber in einen Diskurs treten? Kontaktieren Sie uns einfach, gerne auch mich direkt unter
Herzlichst
Ihr Felix Walk
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