Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.
VNW-Direktor Andreas Breitner: „Wohngeldkürzungen von mehr als 40 Prozent beschleunigen den sozialen Abstieg.“
43/2026
Bisherige Empfänger von Wohngeld müssen wegen der Sparpläne der Bundesregierung künftig mit Einbußen rechnen, einige könnten sogar leer ausgehen. Das kündigte Bundesbauministerin Verena Hubertz an. Ein Gesetzesentwurf sieht Einschnitte in Höhe von insgesamt zwei Milliarden Euro vor. Bislang stellen Bund und Länder jährlich rund fünf Milliarden Euro für das Wohngeld zur Verfügung.
Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):
„Die Pläne der Bundesregierung, die Wohngeldausgaben um mehr als 40 Prozent zu kürzen, beschleunigen den sozialen Abstieg viele Menschen im Norden.
Ja, Bund und Länder müssen sparen. Warum das aber auf Kosten der Schwachen in unserer Gesellschaft passieren muss, verstehe, wer will. Als Verband der Vermieter mit Werten, dessen Mitgliedsunternehmen seit mehr als 150 Jahren für das bezahlbare Wohnen im Norden Deutschlands stehen, lehnen wir die Pläne ab.
Das Wohngeld ist ein Zeichen gesellschaftlicher Solidarität und ermöglicht vielen Menschen – vor allem Rentnerinnen und Rentnern - ein bezahlbares Wohnen. Seit die Wohngeldreform Anfang 2023 in Kraft getreten ist, stieg die Zahl der Empfänger in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern deutlich.
Menschen, die es nötig haben, wird direkt geholfen
Das kam nicht überraschend, da die Zahl der Anspruchsberechtigten erheblich ausgeweitet wurde. Das war jedoch eine richtige Entscheidung der damaligen Ampel-Regierung. Sie belegte, dass der deutsche Sozialstaat nach wie vor leistungsfähig ist. Vor allem zeigte das Wohngeld, wie den Menschen, die es wirklich nötig haben, direkt geholfen werden kann.
Das Wohngeld ist vor allem deshalb eine gute Lösung, weil es die Wohnkosten als Ganzes betrachtet, also auch die stark steigenden Nebenkosten ‚einpreist‘. Während Wohnungsgenossenschaften und am Gemeinwohl orientierte Gesellschaften ihre Mieten – wenn überhaupt – nur moderat erhöhen, werden die Menschen derzeit in erster Linie mit deutlich erhöhten Fernwärme- und Strompreisen konfrontiert. Auch bei den Gebühren langen Kommunen gern und kräftig zu.
Rund 115.000 Haushalte im Norden erhalten Wohngeld
Dem Statistikamt Nord zufolge beziehen in Hamburg derzeit rund 26.000 Haushalte Wohngeld. In Schleswig-Holstein sind es rund 45.000 und in Mecklenburg-Vorpommern rund 46.000 Haushalte. Mit 5,5 Prozent an allen Haushalten liegt Mecklenburg-Vorpommern bundesweit an der Spitze. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil Empfängerhaushalte bei 2,8 Prozent.
Mit ihrem Plan, diese sozialpolitische Leistung zu schleifen, geht die schwarz-rote Bundesregierung den ‚Weg des geringsten Widerstands‘. Anstatt ernsthaft Sparpotenziale zu heben, zum Beispiel die Zahl der Bauvorschriften zu reduzieren oder die Baugenehmigungsverfahren zu verkürzen – wird an der falschen Stelle gekürzt.
Politik muss sicherstellen, dass Menschen sich das Wohnen leisten können
Für die gestiegenen Baupreise und die hohen Zinsen kann die Politik nichts. Aber sie kann und muss sicherstellen, dass in diesem Land die Menschen sich das Wohnen leisten können. Unternehmen, die heute neu bauen, müssen – um kostendeckend zu arbeiten – eine Nettokaltmiete verlangen, die zwischen 18 und 20 Euro liegt, wenn die Wohnung nicht öffentlich gefördert wird. Das ist für viele Haushalte zu viel.
Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg haben in den vergangenen Jahren die öffentliche Förderung des Wohnungsbaus deutlich erhöht und damit sichergestellt, dass günstiger Wohnraum auf den Markt kommt. Das ist aller Ehren wert, aber nur ein Element, Wohnen im Norden bezahlbar zu halten.
Zur Wahrheit gehört, dass der Bau von Sozialwohnungen allein den weiteren Anstieg der Mieten infolge von Inflation, hohen Baukosten und gestiegenen Zinsen nicht aufhalten wird. Deshalb ist das Wohngeld so wichtig – und für viele letztlich unverzichtbar.
Überzogener Klimaschutz verteuert das Wohnen
Umso unverständlicher ist es, dass Bundesländer wie Hamburg und Schleswig-Holstein an dem Ziel festhalten, Klimaneutralität bereits 2040 erreichen zu wollen – und damit sehenden Auges das Wohnen weiter verteuern. Unsere Mitgliedsunternehmen haben es ausgerechnet: das Vorziehen von Klimaneutralität um fünf Jahre wird die Mieten – zusätzlich zu den ohnehin nötigen Erhöhungen – um mindestens einen Euro Quadratmeter verteuern.
Das Wohngeld mit Verweis auf Haushaltszwänge zu kürzen und zugleich an das Wohnen verteuernde, überzogene Klimaschutzziele festhalten – das geht nicht zusammen. Hier muss die Politik sich ehrlich machen.“
21/06/2026
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 491 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 760.000 Wohnungen leben rund zwei Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 7,69 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.
V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de