Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.
VNW-Direktor Andreas Breitner über Klimaneutralität 2040: Die Debatte kommt zur rechten Zeit.
22/2026
Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ulf Kämpfer ist auf Distanz zu den Klimaschutzzielen der schwarz-grünen Landesregierung gegangen. Er fürchte, dass die im Landesgesetz festgelegte Klimaneutralität des Landes bis zum Jahr 2040 viele Menschen im Norden überfordern werde, sagte der Politiker dem Hamburger Abendblatt (Dienstagausgabe) „Stand heute können sich viele Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner diese Klimaziele nicht leisten.“ Er sei zum jetzigen Zeitpunkt zwar nicht für eine Verschiebung, aber er schließe diese auch nicht aus. „Man ist kein schlechterer Klimaschützer, nur weil man einen Realitätscheck macht.“
Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):
„Die Debatte über die ambitionierten Klimaschutzziele der schwarz-grünen Landesregierung in Kiel ist überfällig. In Brüssel wird laut darüber nachgedacht, das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2050 abzuschwächen. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche unterstützt diese Überlegungen.
Die Kieler Landesregierung hingegen tut so, als sei in den vergangenen Monaten nichts geschehen und will schlauer als alle anderen sein. Ihr Festhalten an dem Ziel, die Klimaneutralität des Landes bereits im Jahr 2040 erreichen zu wollen, nimmt dabei in Kauf, dass niemand mehr durchblickt und nationales Recht ausgehebelt wird. Dieser Ökoeifer führt, ähnlich wie beim sogenannten Heizungsgesetz, in ein großes Durcheinander und schafft Misstrauen.
Notwendig ist eine Umweltpolitik des Machbaren
Es wird genau das Gegenteil erreicht werden: Solange die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht verstehen, wird gar nichts gemacht und abgewartet. Statt mit dem Kopf durch Wand, sollte die Landesregierung klug regieren und die starren Ziele pragmatisch der Realität anpassen. Es ist einfach realitätsfern, sich auf das Jahr 2040 festzulegen. Manches Wohnungsunternehmen wird schon vorher klimaneutral sein, andere Unternehmen hingegen benötigen (etwas) mehr Zeit.
Es geht – und da stimme ich Ulf Kämpfer zu – nicht darum, das Ziel der Klimaneutralität aufzugeben. Wir brauchen aber eine Politik des Machbaren. Machbar für die Unternehmen, damit sie die notwendigen Investitionen stemmen können. Machbar für die Mieterinnen und Mieter, damit diese nicht von den umlagefähigen Transformationskosten überfordert werden. Der Preis der vorgezogenen Klimaneutralität für die Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner ist unverantwortlich hoch.
Enorme Mietsteigerungen befürchtet
Ich fürchte, dass die Mieten erheblich steigen werden, wenn an dem Ziel der Klimaneutralität 2040 festgehalten wird. Experten haben ausgerechnet, dass die Energiewende allein zu Mietsteigerungen von drei Euro pro Quadratmeter führen wird. Durch das Ziel ‚Klimaneutralität 2040‘ kommen 1,50 Euro pro Quadratmeter hinzu.
Soziale Vermieter, die den Menschen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen wollen und derart hohe Mietsteigerungen nicht einfach weitergeben wollen, kämen in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das kann nicht Ziel einer sozial-orientierten Wohnungspolitik sein. Zumindest, wenn man das ganze Land im Blick hat.
Stromnetze zügig ausbauen
Zudem sollte das Land endlich seine politischen Hausaufgaben erledigen und die Stromnetze zügig ausbauen. Immer mehr Wohnungsunternehmen setzen auf die Wärmepumpe und erleben, dass diese zwar bestellt und geliefert, aber nicht angeschlossen werden können. Sie kommen nicht ans Netz, weil diese sie nicht aufnehmen können. Nun liegen sie rum und die fossile Gasheizung muss weiterarbeiten. Irre. Hier ist dringender Nachholbedarf, wenn die Energiewende nicht ins Stocken geraten soll.
Die Kieler Landesregierung sollte ihren Sonderweg in Sachen Klimaneutralität aufgeben. Dieser verursacht hohe Kosten und treibt Wählerinnen und Wähler in die Arme von Populisten. Damit aber wäre dem Klimaschutz am wenigsten gedient. Ministerpräsident Daniel Günther sollte endlich vom toten Pferd der Klimaneutralität 2040 absteigen und es nicht weiter reiten.“
31-03-2026
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 484 Wohnungsgenossenschaften, Wohnungsgesellschaften und Partnerunternehmen. In den von ihnen verwalteten 760.000 Wohnungen leben rund zwei Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 7,69 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.
V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de