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07.09.2020 – 09:58

Medair e.V.

Intelligentes Frühwarnsystem rettet Menschenleben

Intelligentes Frühwarnsystem rettet Menschenleben
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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Madagaskar ist bei deutschen Touristen beliebt. Wenig bekannt ist, dass das Land weltweit zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen gehört. Das dortige Team der Nothilfeorganisation Medair unter Leitung von Evelyn Speich-Baer baut ein intelligentes Frühwarnsystem auf, um Menschen vor Überflutungen und anderen Katastrophen zu bewahren.

Ich freue mich, wenn die untenstehende Pressemitteilung auf Ihr Interesse stößt. Das angehängte Bildmaterial ist frei zur Verwendung mit dem Copyright-Vermerk.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Brand, Pressesprecher

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Madagaskar: Von EU unterstütztes intelligentes Frühwarnsystemrettet Menschenleben bei Naturkatastrophen

  • Vertreter der EU in Madagaskar: "Entscheidender Beitrag um Auswirkungen von Naturkatastrophen zu mildern"
  • Medair koordiniert Zusammenspiel zahlreicher Partner
  • Deutsch-Schweizerin übernimmt Leitung des Nothilfeeinsatzes

(Wiesbaden, 7. September 2020) - Madagaskar, in Deutschland bei Fernreisenden beliebt, ist eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder weltweit: Geringe Niederschläge und steigende Temperaturen verschärfen in südlichen Regionen Madagaskars die extreme Wasserknappheit, zwingen tausende Menschen, in andere Teile der Insel auszuwandern. Im Norden und Westen der "Vanille-Insel" zerstören immer öfter heftige Überschwemmungen Wirtschaft oder Umwelt und gefährden das Leben der Bewohner[1]. Mit einem groß angelegten Projekt hilft die internationale Katastrophenhilfsorganisation Medair nun im Westen des Landes. Das "Frühwarnsystem 930" macht ein komplexes Zusammenspiel aus modernster Technik, aktuellen Wetterdaten und dem Engagement professioneller sowie freiwilliger Helfer möglich. Im Ernstfall kann es viele Menschenleben retten. Die Europäische Union finanziert mit 1,2 Millionen Euro einen großen Teil des Projekts. Insgesamt profitieren über 270.000 Menschen. Das System soll bis 2022 fertiggestellt sein.

Das Medair-Projekt wird von Evelyn Speich-Baer, einer Deutsch-Schweizerin, geleitet. Sie erklärt: "Das Frühwarnsystem verbindet Mensch und Technik sehr effektiv. Auf der einen Seite nutzen wir Satellitentechnologie und neueste Blitzmess-Sensoren. Andererseits besprechen wir mit den Dorfbewohnern Evakuierungswege und zeigen Dorfältesten, Frauen und jungen Erwachsenen, wie sie sich und ihre Gemeinschaft im Falle einer Flutkatastrophe retten können." Möglich ist dieser Erfolg nur, weil Medair die Menschen in den betroffenen Gebieten von Beginn an in das Projekt eingebunden hat. Weit über 5.000 Freiwillige in den betroffenen Regionen arbeiten bei der Notfallvorsorge mit. Sie alle werden in einwöchigen Kursen so geschult, dass sie im Katastrophenfall angemessen reagieren.

"Madagaskar ist ein Land, das besonders stark vom Klimawandel betroffen ist", sagte Franck Porte, Leiter der Delegation der Europäischen Union für Zusammenarbeit mit Madagaskar. "Frühwarnsysteme zu entwickeln und zu unterstützen und nationale sowie lokale Krisenreaktionsteams aufzubauen und zu begleiten ist entscheidend, um Auswirkungen von Naturkatastrophen zu reduzieren. Wenn wir moderne Technologien einsetzen, die richtigen Menschen zusammenbringen und in Katastrophenvorsorge investieren, können wir Menschenleben schützen und mögliche Schäden oder Wiederaufbaukosten vermeiden."

Sicherheit für Anwohner ist gewährleistet

Auf der technischen Seite verbindet das System Daten, die an ganz unterschiedlichen Stellen gesammelt werden, unter anderem mit Drohnen, Wassersensoren und Wettersatelliten. So lassen sich Starkregen, bevorstehende Überschwemmungen und andere Gefahren ziemlich exakt vorhersagen. Bei tatsächlich drohender Gefahr löst die Einsatzzentrale Sirenen in dem betroffenen Gebiet aus. Die Bewohner bringen sich zuverlässig in Sicherheit, weil sie anhand der Vorhersagen wissen, an welcher Stelle des Flusses Gefahren lauern und wo es sicher ist. "Wenn sie Unterstützung benötigen, rufen sie die Notrufnummer 930 an. Dort erhalten sie telefonisch Informationen, wie sie sich selbst helfen können. Das ist nötig, weil viele Orte in Madagaskar für Rettungskräfte kaum erreichbar sind", sagt Evelyn Speich-Baer.

Gleichzeitig übermitteln die Bewohner auf dieser Nummer Details zur tatsächlichen Situation vor Ort an die Einsatzzentrale. Wenn also beispielsweise das Wasser höher steigt, als vorhergesagt, lassen sich die Daten im Computersystem anhand der Rückmeldungen anpassen. "Auch für den Fall von Zerstörungen ist vorgesorgt. Ein Notfallteam verteilt unmittelbar nach dem Ereignis Wasser, Hygieneartikel, Planen, Decken oder Seile zum Bau von Notunterkünften. Dieses Team wurde zusätzlich ausgebildet, Brunnen zu reinigen, damit die Menschen rasch wieder Zugang zu sauberem Wasser haben", sagt die Deutsch-Schweizerin.

Multidisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Partner

Das Projekt, das von Medair federführend koordiniert wird, ließ sich nur umsetzen, weil sich Partner mit verschiedenen Arbeitsschwerpunkten auf eine fächerübergreifende Kooperation eingelassen haben. Neben Experten für Wettervorhersagen sind das zum Beispiel die madegassische Katastrophenschutzbehörde, eine schweizerische Organisation für Entwicklungszusammenarbeit, ein heimischer Mobilfunkanbieter und viele weitere. "Neben diesen unverzichtbaren Partnern ist es uns von Medair immer wichtig, die Betroffenen als Teilhaber in unsere Arbeit und Projekte einzubinden - in Madagaskar ebenso wie in anderen Einsatzländern. Gesellschaftliche Entwicklung in den ländlichen Regionen Madagaskars ist nur möglich, wenn Dorfälteste zur Mitarbeit gewonnen werden können. Das uns das gelungen ist, macht uns sehr zuversichtlich, mit dem Projekt 930 in Zukunft viele Menschen retten zu können", sagt Evelyn Speich-Baer.

[1] 35 Zyklone, acht Überschwemmungen und fünf große Dürreperioden trafen Madagaskar nach Angaben der Vereinten Nationen in den vergangenen 20 Jahren - etwa dreimal so viele, wie in den vorangehenden 20 Jahren.

Madagaskar

Madagaskar gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Laut Angaben der Weltbank leben 75 Prozent der Bevölkerung von weniger als 1.90 US-Dollar am Tag. Zwei Drittel der Menschen leben in Gebieten mit hohem Naturkatastrophenrisiko. Besonders häufig hat der Inselstaat mit Wirbel- und Tropenstürmen, Dürren, Epidemien und Insektenbefall zu kämpfen.

Medair in Madagaskar

Medair arbeitet seit 2002 in Madagaskar. Die Not- und Katastrophenhilfsorganisation reagierte zunächst auf den enormen Hilfsbedarf nach einem Zyklon. Seither unterstützt sie von extremer Armut oder von Naturkatastrophen betroffene Menschen mit sauberem Wasser, Sanitäranlagen und Hygieneleistungen und stellt Unterkünfte bereit. Bei Katastrophen arbeitet Medair eng mit lokalen Gruppierungen zusammen - wie zum Beispiel Pfadfindern und Kirchen. Diese können Bedürftige im ganzen Land schnell mit Hilfe versorgen. Auch die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegen Naturkatastrophen erhöht Medair durch Schulungen und die Vermittlung geeigneter Maßnahmen.

Finanzielle Unterstützung durch die Europäische Union

Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten sind der weltweit führende Geber von humanitärer Hilfe. Nothilfe ist Ausdruck der europäischen Solidarität mit Menschen in Not auf der ganzen Welt. Sie zielt darauf ab, Leben zu retten, menschliches Leid zu verhindern und zu lindern sowie die Unversehrtheit und Menschenwürde der von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Krisen betroffenen Menschen zu schützen.

Über ihre Organisation für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (ECHO) hilft die Europäische Union jedes Jahr Millionen von Opfern von Konflikten und Katastrophen. Mit Hauptsitz in Brüssel und einem weltweiten Netz von Außenstellen leistet die EU den am stärksten gefährdeten Menschen auf der Grundlage humanitärer Bedürfnisse Hilfe.

Für weitere Informationen oder Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:

Organisation für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (ECHO)
Mathias Eick, Mathias.Eick@echofield.eu, Tel.: +254 (0) 7 22 79 16 04
Medair Deutschland e.V.
Thomas Brand, pressestelle@medair.org, Tel.: +49 (0) 611 / 1 72 65-362
Skype: thomas-johannes.brand medair.org

Über Medair

Jedes Leben ist die Extrameile wert. Die internationale Not- und Katastrophenhilfsorganisation Medair ist darauf spezialisiert, besonders in entlegenen, schwer erreichbaren und äußerst bedürftigen Krisen- und Konfliktregionen sowie nach Naturkatastrophen schnelle Hilfe zu leisten. Betroffene Menschen sollen sich in Würde erholen können. Die Mitarbeiter von Medair arbeiten auf Basis des christlichen Menschenbildes. Sie versetzen Menschen in Not in die Lage, kommende Krisen selbst besser meistern zu können. Dabei kommen Sofortmaßnahmen, nachhaltige Wiederaufbauhilfe und Katastrophenvorsorge zum Einsatz. Internationale Fachkräfte vermitteln Fertigkeiten, die den örtlichen Gemeinschaften beim Aufbau einer besseren Zukunft helfen.

Die Hilfe richtet sich an Menschen und Dorfgemeinschaften unabhängig von ihrer Herkunft und Religion, ihrem Geschlecht oder ihrer politischen Einstellung. Im Jahr 2019 erreichte Hilfe in den Bereichen Gesundheit & Ernährung, WASH (Wasser, sanitäre Anlagen, Hygiene) sowie Unterkunft und Infrastruktur nahezu 3,5 Millionen Menschen (2018: 2,6 Mio). Derzeit arbeitet Medair gemeinsam mit lokalen Partnern und den einheimischen Gemeinschaften in Afghanistan, Bangladesch, Jemen, Jordanien, der DR Kongo, Libanon, Madagaskar, Somalia, Südsudan und Syrien. Medair e.V. in Deutschland gehört zum weltweiten Verbund von Medair International mit Hauptsitz in Ecublens/Schweiz. In Deutschland ist der Verein als gemeinnützig anerkannt und beim Amtsgericht Wiesbaden VR 19813 eingetragen. Medair e.V. ist Mitglied im Deutschen Spendenrat e.V. und Träger des Spendenzertifikates.