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Welt-Aids-Konferenz an Erde: Wir haben ein Problem!

Berlin (ots)

AIDS 2026 war eine aufschlussreiche Konferenz mit einer zwingenden Botschaft. Aber haben die Verantwortlichen sie gehört? Gemeinsame Pressemitteilung des Aktionsbündnis gegen AIDS und der Deutschen Aidshilfe zum Abschluss

Bei der 26. Welt-Aids-Konferenz hat die internationale HIV-Fachwelt deutlich gemacht, was durch Kürzungen und politische motivierte Rückzüge gerade auf dem Spiel steht: die Erfolge der letzten Jahrzehnte und Millionen Menschenleben.

In der schwierigsten Situation seit Jahrzehnten haben Wissenschaftler*innen, zivilgesellschaftliche Organisationen, Vertreter*innen betroffener Communitys und Politiker*innen aus besonders stark betroffenen Ländern kooperativ nach Lösungen gesucht. Die Regierungen solventer Länder sowie die großen Pharmafirmen haben sie geradezu beschworen: Lasst uns jetzt nicht im Stich!

Zum heutigen Abschluss der Konferenz steht jedoch die Frage im Raum: Haben die Angesprochenen das Signal gehört und verstanden?

"Die Welt-Aids-Konferenz hat erneut das einzigartige Potenzial der globalen HIV-Community gezeigt. Den politisch Verantwortlichen scheint aber noch immer nicht bewusst zu sein, welche Gefahr hier droht: das Wiederaufflammen einer Pandemie mit allen Folgen. Diese Entwicklung ist komplett vermeidbar. Es muss klar sein: Wer die Rückschritte jetzt zulässt, trägt die Verantwortung für Millionen Tote und enorme Folgekosten", sagt Sylvia Urban, Mitglied im Vorstand des Aktionsbündnis gegen AIDS und im Vorstand der Deutschen Aidshilfe.

Keine Präsenz der Verantwortlichen

Wo waren bei dieser Welt-Aids-Konferenz die vielfach angesprochenen Regierungen? Es waren Vertreter*innen der Staaten vor Ort, die durch die Kürzungen in Not geraten.

Deutschland hingegen entsandte niemanden.

Die USA, deren Kürzungen fatale Wirkungen entfalten, priesen bei einer Vorkonferenz ihr bilaterales Engagement. Das wird jedoch immer mehr in den Dienst nationaler Interessen gestellt und an Gegenleistungen geknüpft. Bei der Konferenz selbst fehlten hochrangige US-Vertreter*innen.

Frankreich sandte seine Botschafterin für globale Gesundheit und präsentierte sich als eines von wenigen Ländern mit einem Stand, um seine HIV-Strategie vorzustellen. Der zog zurecht eine wütende Demonstration auf sich: Das Land hat gerade seine Beiträge zum Globalen Fonds um 58% gekürzt.

Neue Finanzierungszusagen der reichen Länder im Zuge der Konferenz? Fehlanzeige. Auch aus Deutschland kam keine Korrektur der gekürzten Beiträge (siehe Pressemitteilung). Das Signal der Länder der Welt war unmissverständlich: Das alles interessiert uns nicht besonders.

Ohne Treibstoff kommen wir nicht weit

Die zentrale Frage der Konferenz lautete: Wie kann die Finanzierung und wie können die Versorgungsstrukturen der Zukunft aussehen? Nach einer Phase der Panik hat in Rio die Neuorientierung begonnen.

UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima betonte: Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Communitys stehen bereit, die Erfolge der letzten Jahrzehnte bis zum Ende der Pandemie fortzusetzen. Was zu tun ist, ist klar.

Sylvia Urban unterstreicht: "An Konzepten herrscht kein Mangel. Das Wissen ist vorhanden und reichhaltig. Die im Feld HIV/Aids Engagierten haben längst bewiesen, wozu sie fähig sind. Was fehlt, sind Geld und politischer Wille. Nach Rio müssen wir sagen: Wir haben eine klare Richtung, aber uns fehlt der Treibstoff. Also werden wir nicht weit kommen. Die Pandemie wird uns an vielen Stellen wieder einholen."

Was zurzeit geschieht

Wer wollte, konnte in Rio sehr deutlich sehen, was zurzeit passiert. Die drastische Schwächung globaler Finanzierungsmechanismen hat unter anderem folgende Auswirkungen:

  • Ärmere Länder müssen ihre HIV-Maßnahmen stärker selbst finanzieren - können das aber so kurzfristig nicht. Viele benötigen dringend Schuldenerlasse.
  • Versorgungsstrukturen und ihr Fachpersonal brechen weg. Menschen verlieren ihre medizinische Versorgung.
  • Den meisten Ländern gelingt es noch, die Behandlung für Menschen mit HIV einigermaßen aufrecht zu erhalten. Doch dann fehlen die Mittel für Prävention, etwa die HIV-Prophylaxe PrEP, Kondome und unverzichtbare Aufklärung.
  • Wenn internationale Finanzierung über den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria schwindet, verliert die Welt auch den Einfluss auf die HIV-Programme in den Ländern. Dort werden dann unliebsame Minderheiten wie schwule Männer, trans Menschen, Drogen konsumierende Menschen und Menschen in Haft teils nicht mehr versorgt.

Auch Pharmafirmen stehen in der Verantwortung

Deutlich wie lange nicht mehr wurde artikuliert, dass auch Pharmafirmen noch mehr zu den globalen HIV-Maßnahmen beitragen müssen. Das gilt insbesondere für Gilead, den Hersteller des Medikaments Lenacapavir, das per Injektion einen langanhaltenden Schutz vor einer HIV-Infektion bietet. 20 Millionen Menschen müssten es erhalten, damit es die Pandemie nachhaltig beeinflussen könnte, erklärte Winnie Byanyima.

Gilead verhandelt mit Ländern bilateral über Lizenzen für billigere Generika. Zu langsam und zu wenig, war die fast einhellige Meinung außerhalb der Pharmawelt. So ist das Medikament in vielen Ländern Lateinamerikas, wo es maßgeblich erprobt wurde, in absehbarer Zeit nicht verfügbar. Ein aussagekräftiges Beispiel für Ungleichheit, die bei HIV/Aids immer wieder über Leben und Tod entscheidet.

Der häufigste Satz der Konferenz war daher vermutlich: "Innovation ohne Zugang ist keine Innovation - sondern Ungerechtigkeit." Er stammt von Winnie Byanyima und wurde oft zitiert, so etwa vom brasilianischen Gesundheitsminister Alexandre Padilha bei der Eröffnung.

Gleichgültigkeit ist inakzeptabel

"Shame!", riefen immer wieder demonstrierende Aktivist*innen auf dem Konferenzgelände angesichts von fehlenden Zugängen zur HIV-Versorgung für viele Menschen, und "Pharma greed kills!".

"Menschen mit HIV und die stark betroffenen Gruppen haben in Rio de Janeiro kraftvoll für ihre Rechte gekämpft", stellt Sylvia Urban fest. "Wir dürfen sie jetzt nicht im Stich lassen. Ihre Kraft und Ungeduld muss die Zivilgesellschaft sich jetzt zu eigen machen, bis die Politik handelt. Gleichgültigkeit dürfen wir nicht akzeptieren. Wir haben in der Geschichte dieser Pandemie schon oft gekämpft und viel erreicht. Das müssen wir nun alle gemeinsam wieder tun", sagt Sylvia Urban.

Pressekontakt:

Achtung, geänderte Kontaktinformationen:

Deutsche Aidshilfe
Holger Wicht (Pressesprecher)
0171 274 95 11 (Messenger-Calls via WhatsApp, Signal, Telegram)
+55 21 97617 5128 (Brasilianische Mobilfunknummer)
holger.wicht@dah.aidshilfe.de

Aktionsbündnis gegen AIDS e.V.
Peter Wiessner
wiessner@aktionsbuendnis-aids.de
Tel: +49 176 82 188 269 (WhatsApp)

Original-Content von: Deutsche Aidshilfe, übermittelt durch news aktuell

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