Wo steht der deutsche Maschinenbau bei der nachhaltigen Transformation?
Studie zur aktuellen Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Produktentwicklung und Produktion vorgestellt
München, 14. September 2026 – Neue Gesetze verlangen von Unternehmen, den ökologischen Fußabdruck ihrer Produkte genau zu kennen. Für viele Maschinenbaufirmen ist das eine Herausforderung. Das zeigt eine gemeinsame Studie von Prof. Dr.-Ing. Markus Klein von der Hochschule München (HM) und Prof. Dr.-Ing. Arthur Seibel von der Leuphana Universität Lüneburg. Befragt wurden 18 Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen, mehrheitlich aus dem Maschinenbau, der Automobilbranche sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie. Das Ergebnis: Nachhaltigkeit wird meist durch externe Anforderungen wie Regulatorik und Kundenwünsche vorangetrieben. Und zur Bewertung kommen in den meisten Firmen weiterhin überwiegend einfache Excel-Lösungen zum Einsatz.
Zwei Befragungsrunden mit 18 Unternehmen
Für die Studie befragten Klein und Seibel Nachhaltigkeitsbeauftrage aus 18 Unternehmen, die überwiegend in den Regionen München und Lüneburg lokalisiert sind. Zunächst wurde mithilfe eines Online-Fragebogens der aktuelle Stand der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Produktentwicklung und Produktion abgefragt, anschließend vertieften persönliche Interviews die Ergebnisse. Untersucht wurde, wie stark Nachhaltigkeit bereits in Produktentwicklung und Produktion verankert ist, welche Methoden und Werkzeuge dabei zum Einsatz kommen und wo weiterer Entwicklungsbedarf besteht.
Excel-Tabellen bleiben das wichtigste Werkzeug
Fast alle befragten Firmen berücksichtigen Vorgaben zur Nachhaltigkeit: Große Konzerne verankern Nachhaltigkeit dabei häufig bereits fest in ihren Prozessen und Strukturen, während kleinere und mittlere Unternehmen meist erst reagieren, wenn Kunden oder Gesetze es verlangen. Konkret: 89 Prozent nennen Anforderungen zur Material-Compliance, also zur Einhaltung von Stoffvorschriften wie der EU-Chemikalienverordnung REACH, als wichtigsten externen Treiber. 78 Prozent handeln vor allem wegen konkreter Kundenwünsche, 72 Prozent aufgrund der EU-Taxonomie. Vor allem inhabergeführte Unternehmen agieren aber auch aus eigenem Antrieb.
Berücksichtigt wird Nachhaltigkeit am häufigsten bei der Auswahl von Materialien und in der Konstruktion, seltener bei der Industrialisierung und der Serienproduktion. Zur Bewertung setzen 83 Prozent der Unternehmen auf selbst gebaute Excel-Tabellen, deutlich mehr als auf spezialisierte Software oder Systeme zur Planung von Unternehmensressourcen. Verständlichkeit und Praxistauglichkeit dieser Werkzeuge schätzen die Befragten selbst als eher gering ein, den nötigen Aufwand – insbesondere für das Datenmanagement – dagegen als hoch. Besonders groß sind die Datenlücken bei der Berücksichtigung der Nutzungsphase und des Lebensendes von Produkten, dem sogenannten End-of-Life: Hier fehlen oft belastbare Zahlen, sodass Unternehmen auf Schätzungen zurückgreifen müssen. Markus Klein stellt fest: „Viele Unternehmen stoßen mit ihren bisherigen Methoden und Tools an Grenzen, weil der Aufwand hoch und die Verfügbarkeit relevanter Daten gering ist.“
Kreislauffähige Produkte als größte Baustelle
Für die Praxis empfehlen die Studienautoren einfachere, KI-gestützte Werkzeuge zur Nachhaltigkeitsbewertung, die sich schon in frühen Entwicklungsphasen einsetzen lassen, sowie eine bessere Vernetzung der Daten aus Lieferkette, Konstruktion und Produktion. Zudem sollten Unternehmen ihre Bewertungsmethoden und den Datenaustausch stärker vereinheitlichen, um den Aufwand zu senken. Als wichtigsten weiteren Forschungsschritt nennt die Studie die Weiterentwicklung von Ansätzen für zirkuläres Design, bei dem Produkte von Anfang an auf Wiederverwendung und Recycling ausgelegt werden – aus Sicht der Befragten der Bereich mit dem größten Entwicklungsbedarf.
Nachhaltige Transformation im deutschen Maschinenbau
Die Studie „Nachhaltige Transformation im deutschen Maschinenbau“ entstand als Kooperation der HM und der Leuphana Universität Lüneburg. Federführend waren Prof. Dr.-Ing. Markus Klein, Leiter des Bachelorstudiengangs Sustainable Engineering an der Fakultät für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Flugzeugtechnik der HM und Prof. Dr.-Ing. Arthur Seibel vom Institut für Produktionstechnik und -systeme der Leuphana Universität Lüneburg. Ziel war es, den aktuellen Stand der Nachhaltigkeitsintegration in Produktentwicklung und Produktion im deutschen Maschinenbau zu erfassen und Forschungsbedarf zu identifizieren.
Interviewangebot
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Kontakt: Ralf Kastner unter T 089 1265-1922 oder per Mail.
Hochschule München Die Hochschule München ist mit über 500 Professorinnen und Professoren, 820 Lehrbeauftragten und über 19.000 Studierenden eine der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften Deutschlands. In den Bereichen Technik, Wirtschaft, Soziales und Design bietet sie rund 100 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Exzellent vernetzt am Wirtschaftsstandort München, arbeitet sie eng mit Unternehmen und Institutionen zusammen und engagiert sich in praxisnaher Lehre und anwendungsorientierter Forschung. Die HM belegt im Gründungsradar des Stifterverbands deutschlandweit erneut den ersten Platz unter den großen Hochschulen und Universitäten. Neben Fachkompetenzen vermittelt sie ihren Studierenden unternehmerisches und nachhaltiges Denken und Handeln. Ausgebildet im interdisziplinären Arbeiten und interkulturellen Denken gestalten ihre Absolventinnen und Absolventen eine digital und international vernetzte Arbeitswelt mit. In Rankings zählen sie bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern zu den Gefragtesten in ganz Deutschland. hm.edu