Warum Weberknechte im Dunkeln leuchten
Ein Forschungsteam der Hochschule München (HM), der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) und der LMU München hat untersucht, warum Weberknechte im Regenwald fluoreszieren. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, wie Tiere visuelle Signale zur Artenerkennung nutzen.
München, 13. August 2026 – Im dichten Regenwald Perus zeigen Weberknechte ein auffälliges Naturphänomen: Sie leuchten. Ein Forschungsteam der Hochschule München (HM), der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) und der LMU München hat bei nächtlichen Exkursionen mehrere Weberknechtarten entdeckt, deren Rücken bei schwachem Licht bläulich-grün fluoresziert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht und liefern Hinweise darauf, dass das Leuchten den Tieren bei der Arterkennung helfen könnte.
Lichtverhältnisse im Regenwald untersucht
Einen zentralen Beitrag zur Studie leistete HM-Professorin Martina Schwager. Sie untersuchte mit Fluoreszenzspektroskopie, wie Licht mit den Körperstrukturen der Weberknechte wechselwirkt. Bei diesem analytischen Verfahren der Lichtmikroskopie wird vereinfacht gesagt gemessen, welches Licht eine Struktur zum Fluoreszieren bringt und welches Licht sie anschließend abgibt. Dafür analysierte Schwager zuerst die natürlichen Lichtverhältnisse im Lebensraum der Tiere – also Mond- und Dämmerungslicht unter den spezifischen Bedingungen des tropischen Regenwalds nahe dem Äquator. Anschließend untersuchte sie, welche Anteile dieses Lichts die Fluoreszenz der charakteristischen Rückenmuster auslösen.
Optimal an den Lebensraum angepasst
Die Ergebnisse zeigen: Genau die Lichtanteile, die im Regenwald vorkommen, regen das Leuchten der Weberknechte besonders effektiv an. Die Tiere sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Darüber hinaus konnte Schwager nachweisen, dass der mehrschichtige Aufbau des Rückens die Fluoreszenz verstärkt, ähnlich wie bei technischen optischen Materialien. Weitere Untersuchungen legen nahe, dass das Leuchten für die Weberknechte selbst gut sichtbar ist.
Kommunikation im Dunkeln
Das Forschungsteam vermutet, dass die fluoreszierenden Muster eine wichtige biologische Funktion erfüllen. Weberknechte könnten sich damit auch bei schlechten Lichtverhältnissen erkennen – ein entscheidender Vorteil für die Partnersuche, da die Tiere vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind.
Das Phänomen der Biofluoreszenz ist im Tierreich weit verbreitet, seine Funktion jedoch oft ungeklärt. Die aktuelle Studie liefert nun konkrete Hinweise darauf, wie solche Signale zur Kommunikation innerhalb einer Art beitragen können.
Prof. Dr. Martina Schwager
Schwager ist Professorin für Physikalische Chemie an der HM und leitet an der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik die Betriebseinheit Chemie.
Gerne vermitteln wir einen Interviewtermin mit Prof. Dr. Martina Schwager.
Kontakt: Lisa Miethke unter T 089 1265-1929 oder per Mail.
Publikationen
Friedrich, S., Schwager, M., Heß, M., Glaw, F. & Lehmann, T. Evidence for fluorescence-supported species recognition in syntopic harvestmen. Sci Rep 16, 2631 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-36335-2
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