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31.03.2004 – 10:00

medico international e.V.

Afghanistan-Konferenz in Berlin: Die Macht der Warlords ist ungebrochen
medico international: Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzung in Afghanistan müssen juristisch verfolgt werden

Frankfurt/Main (ots)

Im Zusammenhang mit der in Berlin tagenden
Afghanistan-Konferenz kritisiert die Frankfurter Hilfsorganisation
medico international die Politik der USA und ihrer Verbündeten
gegenüber Afghanistan. So gefährde die unzulässige Vermischung von
ziviler Hilfe und militärischen Operationen wie sie sich unter
anderem im Konzept der PRTs (Provincial Reconstruction Teams)
widerspiegelt, die Sicherheit und Unabhängigkeit der Mitarbeiter von
Hilfsorganisationen. Außerdem führten die geostrategischen Interessen
im sogenannten "Anti-Terror-Krieg" in Afghanistan zu einer unheiligen
Allianz mit den Warlords.
Im Kampf gegen Al Quaida werden solche Schreckensregime wie das
von Ismail Khan in Herat geduldet, das in Fragen der
Menschenrechtsverletzungen den Taliban in Nichts nachsteht. Die für
September anvisierten Wahlen, die offenbar auf Wunsch der
US-Regierung um jeden Preis vor den Präsidentschaftswahlen in den USA
durchgeführt werden sollen, drohen zu einem Fiasko für die
demokratischen Wiederaufbaubemühungen zu werden. Die Gefahr, dass die
Macht der alten Kriegsherren nun auch noch durch Wahlen legitimiert
wird, ist unter den gegebenen Bedingungen nicht von der Hand zu
weisen.
Während die Afghanistan-Konferenz in Berlin tagt, spitzt sich die
Lage im Land selbst immer weiter zu. Ein Zeichen für die prekäre
Sicherheitssituation sind die  jüngsten militärischen
Auseinandersetzung in der westafghanischen Stadt Herat, bei denen
u.a. der Sohn des dortigen Warlords Ismail Khan ums Leben kam.
Aufgrund der anhaltenden Auseinandersetzungen hat nun die
Entminungsorganisation Mine Dog Center, ein Partner der Frankfurter
Hilfsorganisation medico international, aus Sicherheitsgründen seine
Tätigkeiten in der Region vorerst eingestellt. Bereits im Februar
waren vier Mitglieder eines Entminungsteams des medico-Partners OMAR
(Organisation for Mine Clearance and Afghan Rehabilitation) in einem
Hinterhalt kaltblütig erschossen worden. Vier von insgesamt 11
Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, die allein im Februar dieses
Jahres ums Leben kamen.
Die Macht der Warlords ist nach wie vor ungebrochen. Das ist eine
der Gründe für die gefährliche Sicherheitslage. Afghanische
medico-Partner äußern deshalb immer wieder die Forderung nach einer
juristischen Aufarbeitung der Kriegsverbrechen und
Menschenrechtsverletzungen. Für die Entwicklung der Demokratie in
Afghanistan sei dies unerlässlich. Das Thema steht auf der Konferenz
in Berlin leider nicht auf der Agenda.
* medico international ist Mitbegründer der Kampagne gegen
Landminen und arbeitet in diesem Kontext seit vielen Jahren mit der
afghanischen Kampagne gegen Landminen zusammen. medico unterstützt
derzeit mehrere Programme afghanischer Partner im Bereich des
humanitären Minenräumens, der Minenaufklärung für die Bevölkerung in
gefährdeten Regionen sowie der Kriegsopfer-Rehabilitation.
Für Nachfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:
Katja Maurer 
Pressesprecherin  
Tel.: 069 9443829 
0171 122 1261

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