Deutsch-polnische Studierendengruppe entwickelt KI-basiertes System zur Schiffsüberwachung
Eine internationale Studierendengruppe der Hochschule Bremerhaven und der polnischen Partneruniversität in Gdynia hat ein innovatives System zur Daten-Analyse von Schiffsbewegungen entwickelt. Mit Hilfe von GPS und AIS-Daten und künstlicher Intelligenz erkennt das System Manöver, Standort und Aktivitäten von Schiffen und visualisiert diese. Die Lösung kann bald bei der Berechnung von Schiffsemissionen eingesetzt werden und richtet sich an Hafenbehörden, Versicherungen und maritime Dienstleister. Sie wurde im Rahmen einer internationalen KI-Konferenz vorgestellt.
"Herausgekommen ist so etwas wie ein Google-Maps für Schiffsrouten“
Beinahe täglich berichten Reporter:innen über die Wasserstraße von Hormus, eine Meerenge, die den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman im Osten verbindet. Sie ist derzeit Schauplatz des Konflikts zwischen dem Iran, Israel und den USA. Da sie aus politischen Gründen gesperrt ist, stecken zahlreiche Schiffe und Erdöltanker in ihr fest – symbolisch oft visualisiert durch rote und grüne Dreiecke auf einer geografischen Karte. Auch im Schwarzen Meer haben sich die Schiffsbewegungen seit Kriegsbeginn und dem Embargo von russischem Öl stark verändert.
Doch welche Auswirkungen auf Schiffsrouten, Ausweichmanövern und Liegezeiten in Häfen hat dies eigentlich? Für Reedereien, Behörden und Versicherungsgesellschaften sind das wichtige Informationen, „insbesondere angesichts zunehmender geopolitischer Konflikte“, sagt Prof. Dr. Jens Hündling, der an der Hochschule Bremerhaven Wirtschaftsinformatik lehrt und die deutsch-polnische Studierendengruppe bei der Projektarbeit betreut hat.
Das System bereinigt Datenfehler, modelliert und visualisiert
Diese wertvollen Informationen kann ein internationales Studierendenteam der Hochschule Bremerhaven und deren polnischer Partneruniversität in Gdynia jetzt liefern: Die angehenden Informatiker:innen Daria, Kasem, Olivier, Tjark, Jakub und Juliusz haben ein System entwickelt, das GPS-Daten von Schiffen in auswertbare und aussagekräftige Angaben über Standort, etwaige Manöver und möglichen Emissionen von Schiffen übersetzt. Mit mathematischer Daten-Analyse und mit Hilfe künstlicher Intelligenz. „Es geht uns darum, zu bestimmen, was ein bestimmtes Schiff tut – ist es in der Nähe eines Hafens, liegt es vor Anker oder manövriert es“, erklärt Kasem. „Herausgekommen ist so etwas wie ein Google-Maps für Schiffsrouten“, ergänzt Tjark. Die Studierenden verarbeiten von Reedereien und Versicherungsgesellschaften bereitgestellte GPS-Daten, bereinigen Fehler, modellieren und visualisieren die Informationen und machen sie so für Nutzer:innen zugänglich.
Interkulturelle Zusammenarbeit bringt großen Gewinn
Das Projekt entstand im Rahmen des jährlichen deutsch-polnischen Gemeinschaftsseminars, kofinanziert von der EU im Rahmen des Erasmus+ Programms. Die Zusammenarbeit war nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch eine interkulturelle Herausforderung: Die Studierenden arbeiteten über mehrere Wochen in virtuellen und persönlichen Treffen zusammen. Besonders die Kommunikation auf Englisch und die Vermittlung wissenschaftlicher Vorgehensweisen in einer Fremdsprache machten das Projekt spannend: „Die größte Herausforderung war nicht das Problem selbst, sondern die Rahmenbedingungen: Wie richtet man eine Arbeitsumgebung ein? Wie kommuniziert und dokumentiert man auf Englisch? Wie teilt man die Arbeit auf? Das war sogar noch wertvoller als die eigentliche Problemstellung“, betont Jakub.
Präsentiert haben die Sechs ihr fertiges System bei einer polnischen Fachtagung per Liveschalte vor Vertreter:innen aus maritimer Wirtschaft und Wissenschaft. Mit Erfolg: Es soll bald bei der Ermittlung von Schiffsemissionen zum Einsatz kommen. Trotz anfänglicher Nervosität überwog schon vor der Präsentation die Vorfreude: „Es wird stressig, aber selbst, wenn wir die schlechteste Präsentation unseres Lebens abliefern – es bleibt eine großartige Erfahrung“, sagt Jakub. Juliusz hebt den Mehrwert für Unternehmen hervor: „Die Firmen erhalten frische, innovative Ideen von Studierenden mit neuen Perspektiven. In der IT arbeitet man immer in internationalen Teams – das ist ein großer Vorteil für uns.“
Weitere Problemstellungen können kommen
Wenn es nach den sechs Studierenden geht, ist das Projekt erst der Anfang. Die Studierenden hoffen auf weitere Problemstellungen mit mehr Zeit und weiteren Teilnehmenden. „Vielleicht bewerben wir uns für ein europäisches Forschungsprojekt. Wenn ein Unternehmen oder eine Behörde an unseren Ergebnissen interessiert ist, könnten wir die Zusammenarbeit vertiefen“, blickt Juliusz in die Zukunft. Neben den fachlichen Erfolgen steht auch der neue persönliche Kontakt im Fokus: „Die Welt ist klein. Auch wenn die Distanz zwischen Bremerhaven und Gdynia groß ist – vielleicht trifft man sich wieder und sagt: Ich kenne dich! Lass uns zusammenarbeiten!“
Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.
Pressekontakt: Hochschule Bremerhaven Isabelle Epplé An der Karlstadt 8 27568 Bremerhaven +49 471 4823-342 iepple@hs-bremerhaven.de presse@hs-bremerhaven.de