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Fliegende Hummeln brechen nicht die Gesetze der Aerodynamik

Berlin (ots)

In sozialen Netzwerken wird zusammen mit der Abbildung einer Hummel die Behauptung verbreitet, dass das Tier wegen seines Körperbaus eigentlich flugunfähig sein müsste (http://dpaq.de/tTj5P). Wörtlich heißt es dort: "Ich kann nicht!!! Wer das sagt, setzt sich selbst Grenzen." Es wird behauptet, eine Hummel habe "0.7 qcm Flügelfläche bei 1,2 Gramm Gewicht". Daher sei es ihr "nach den bekannten Gesetzen der Aerodynamik" nicht möglich zu fliegen. "Die Hummel weiß das aber nicht und fliegt einfach."

BEWERTUNG: Die Behauptung, die seit Jahren als Motivationsspruch verbreitet wird, ist falsch. Durch ihre Flügelbewegung erzeugen Hummeln den zum Fliegen nötigen Auftrieb.

FAKTEN: Es gibt verschiedene Versionen über die Entstehungsgeschichte der Behauptung. Nach Angaben des kanadischen Wissenschafts-Journalisten Ivars Peterson geht sie auf Studenten des deutschen Physikers Ludwig Prandtl (1875-1953) zurück (http://dpaq.de/lPLrO).

Demnach erzählten die Studenten von einer Begegnung eines bekannten Aerodynamikers und eines Biologen, bei der die Frage nach der Flugfähigkeit der Hummel aufkam. Der Aerodynamiker habe das Gewicht und die Flügelfläche der Hummel berechnet und festgestellt, dass der Auftrieb zum Fliegen nicht ausreiche.

Peterson erwähnt in seinem Bericht eine zweite Version der Geschichte, die auch von der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft" aufgegriffen wird: Der französische Insektenforscher Antoine Magnan verwies in seinem Buch "Der Flug der Insekten" auf Berechnungen des Mathematikers Andre Sainte-Laguë. Demzufolge könnte ein Flugzeug nicht fliegen, dessen Tragflächen und Rumpf dasselbe Flächen- und Gewichtsverhältnis zueinander hätten wie die Flügel und der Körper einer Hummel (http://archive.vn/uOCzD).

Falsch sei hingegen die Gleichsetzung von Flugzeugen und Hummeln. Ein bedeutender Unterschied etwa sei die Tatsache, dass die Hummelflügel sich bewegen, drehen und krümmen. Durch die Flügelbewegung entstehe an der Vorderkante des Flügels ein sogenannter "Vorderkantenwirbel", der einen Auftrieb erzeugt und die Hummel fliegen lässt.

Der Auftrieb wird ausgelöst durch den "Bernoulli-Effekt", benannt nach dem Schweizer Physiker Daniel Bernoulli (http://archive.vn/NMyzM): Der Vorderkantenwirbel krümmt den Luftstrom auf der Oberseite des Flügels, wodurch der Luftdruck dort abnimmt. Weil der Luftdruck auf der Unterseite nun höher ist, entsteht der Auftrieb, der den Flug ermöglicht.

Dieser wird verstärkt durch die kleinen Hinterflügel der Hummel (http://archive.vn/uOCzD). Die Flugfähigkeit der Hummel beruht also auf physikalischen Gesetzen.

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Links:

Facebook-Beitrag: https://www.facebook.com/photo/?fbid=261313445124130&;set=a.113897486532394 (archiviert: http://dpaq.de/tTj5P)

Beitrag von Ivars Peterson in Science News: https://web.archive.org/web/20120120081148/http://www.sciencenews.org:80/view/generic/id/5400/title/Math_Trek__Flight_of_the_Bumblebee (archiviert: http://dpaq.de/lPLrO)

Artikel auf Spektrum.de: https://www.spektrum.de/frage/sind-hummeln-wirklich-zu-dick-zum-fliegen/1335685 (archiviert: http://archive.vn/uOCzD)

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt zum Bernoulli-Effekt: https://www.dlr.de/next/desktopdefault.aspx/tabid-6621/10878_read-24681/ (archiviert: http://archive.vn/NMyzM)

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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