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Junge starb in Portugal - zwei der drei Texte erwähnen ihn

Berlin (ots)

Das gleiche Foto eines Jungen, der im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben ist, taucht anscheinend in Beiträgen über verschiedene Todesopfer auf. Im Netz wird anhand von drei Screenshots behauptet: "Derselbe Junge stirbt in GB, in Portugal und in Belgien!" (http://dpaq.de/lyMRR). Im Post dazu werden die "Qualitätsmedien" kritisiert: "Wir werden von vorn bis hinten verarscht".

BEWERTUNG: Der Junge auf dem Bild wird in zwei der gezeigten Texte erwähnt. Einer der Screenshots stammt von einem privaten Social-Media-Account und hat keinen inhaltlichen Bezug zu dem Jungen.

FAKTEN: Die Aufnahme zeigt einen 14-jährigen Portugiesen. Er starb, nachdem er positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden war.

Auf dem mittleren Screenshot sind die ersten Sätze eines Artikels der britischen "Daily Mail" zu sehen, die am 29. März über den Tod des 14-Jährigen berichtete (http://dpaq.de/TYebT).

Das rechte Bild zeigt die Vorschau auf einen Online-Artikel des britischen "Express" vom 31. März über eine 12-Jährige, die in Belgien im Zusammenhang mit dem Coronavirus starb (http://dpaq.de/ZVegi). In dem Text wird allerdings auch der 14-jährige Portugiese erwähnt.

Weil sein Foto auf den Websites eingebunden ist, wird dieses bei einer Google-Suche neben der Überschrift des Artikels angezeigt - und hat nur scheinbar keinen Bezug (http://dpaq.de/CZOdi).

Allein aus Suchergebnissen lässt sich jedoch nicht sicher schließen, dass Überschriften und Bilder auf der jeweiligen Internetseite in einem Zusammenhang stehen. Ein Grund dafür kann zum Beispiel sein, dass das Foto gar nicht den Hauptartikel bebildert, sondern über dem Teaser für einen anderen Artikel steht - und die können sich natürlich von Tag zu Tag ändern.

Zum Beispiel erschien bei einer Suche mit dem Foto des portugiesischen Jungen in der Trefferliste auch der Text über eine 39-Jährige Frau (http://dpaq.de/PV7YR). Wenn man jedoch den betreffenden Artikel aufruft (http://dpaq.de/PkiOa), sucht man dort vergeblich nach dem Foto des Jungen.

Der linke Screenshot stammt von einem Social-Media-Beitrag, möglicherweise von diesem: http://dpaq.de/Ircvf. Hier wird der falsche Eindruck erweckt, das Foto zeige den im Text genannten 13-Jährigen, der im britischen Brixton nach einer Coronavirus-Infektion starb. Möglicherweise kam es zu der Verwechslung auf diesem privaten Facebook-Account, weil auch in Artikeln über den dort beschriebenen Todesfall das Foto des portugiesischen Jungen auftaucht (http://dpaq.de/U1tMD).

Zuvor kursierte bereits ein nahezu identischer Facebook-Beitrag mit einem anderen, ebenfalls aus dem Kontext gerissenen Foto, wie die Faktenprüfer von AFP dokumentierten (http://dpaq.de/UevMj).

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Links:

Beitrag: https://www.facebook.com/frieden.rockt/photos/a.1620619544826314/2671747609713497/?type=1&;theater (archiviert: http://dpaq.de/lyMRR)

Artikel in der "Daily Mail": https://www.dailymail.co.uk/news/article-8164787/14-year-old-boy-Portugals-youngest-coronavirus-victim-Ovar-near-Porto.html (archiviert: http://dpaq.de/TYebT)

Artikel im "Express": https://www.express.co.uk/news/world/1262741/Belgium-coronavirus-12-year-old-girl-death-youngest-victim-europe (archiviert: http://dpaq.de/Z0ibf)

Google-Suchergebnis zu Foto des Jungen (archiviert): http://dpaq.de/PV7YR

Google-Suchergebnis zu Foto des Jungen auf "Daily Express"-Seite (archiviert): http://dpaq.de/CZOdi

Artikel über 39-Jährige: https://presstories.com/2020/03/23/healthy-39-year-old-woman-dies-while-awaiting-coronavirus-test-results/ (archiviert: http://dpaq.de/PkiOa)

Facebook-Post: https://www.facebook.com/mohsan.minhas.798/posts/535481290684813 (archiviert: http://dpaq.de/Ircvf)

Artikel in der "Daily Mail": https://www.dailymail.co.uk/news/article-8173253/Boy-13-dies-testing-positive-coronavirus-London-hospital-fundraiser-says.html (archiviert: http://dpaq.de/kkSpi)

Faktencheck von AFP: https://factcheck.afp.com/photo-has-circulated-reports-about-irish-teenager-who-died-2017 (archiviert: http://dpaq.de/UevMj)

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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