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19.12.2019 – 13:49

dpa-Faktencheck

Deutsche Renten sind nicht die niedrigsten in Europa

Berlin (ots)

Viele Menschen sorgen sich um die Rente - im internationalen Vergleich steht Deutschland aber nicht so schlecht da, wie oft behauptet wird. Jüngst wird wieder ein Artikel aus dem Jahr 2013 in sozialen Netzwerken geteilt (http://dpaq.de/z5eld). In der Überschrift dieses Textes heißt es, deutsche Renten seien die niedrigsten in Europa.

BEWERTUNG: Zwar liegt Deutschland bei dem Verhältnis zwischen Einkommen im Rentenalter und der Zeit davor tatsächlich im internationalen Vergleich unter dem Schnitt - sowohl 2013 als auch 2019. Eine tiefere Quote haben aber unter anderem Großbritannien und Litauen.

FAKTEN: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) errechnet regelmäßig, wie hoch in ihren Mitgliedsländern die Rente im Vergleich zum letzten Einkommen ist. Grundlage für diese sogenannte Nettoersatzquote sind Menschen, die zum Beispiel in Deutschland das Rentenalter von 67 Jahren erreicht und zuvor Durchschnittslohn bekommen haben.

Nach dem jüngsten OECD-Bericht (http://dpaq.de/0gKtK) kann etwa ein Arbeitnehmer (Vollzeit), der 2018 in den Arbeitsmarkt eingetreten ist, später im Rentenalter mit staatlichen Bezügen von knapp 52 Prozent seines letzten Lohns rechnen. Im OECD-Schnitt sind es rund 59 Prozent.

Damit ist Deutschland aber nicht das Schlusslicht der europäischen OECD-Länder: In Großbritannien liegt dieser Wert nur bei reichlich 28, in Litauen bei 31 und in Polen bei rund 35 Prozent. Unter anderem im Vereinigten Königreich gibt es neben dem staatlichen System einen großen freiwilligen privaten Rentensektor.

Auch für Deutschland bedeuten diese Zahlen nicht, dass das Einkommen im Alter hier besonders gering wäre - auch weil die Rente nicht die einzige Einkommensquelle sein muss. Das Durchschnittseinkommen der Über-65-Jährigen liegt in Deutschland bei fast 89 Prozent des Durchschnittseinkommens der Gesamtbevölkerung - im OECD-Schnitt sind es 87 Prozent (http://dpaq.de/Ay50U)

Im Jahr 2013, als der Artikel wohl veröffentlicht wurde (http://dpaq.de/GR1FN), zeichnete sich ein ähnliches Bild ab (http://dpaq.de/Vfvw7): Der OECD-Durchschnittswert für die Nettoersatzquote betrug damals knapp 66 Prozent, Deutschland war mit rund 57 Prozent auf den hinteren Plätzen. Großbritannien belegte auch damals unter den europäischen OECD-Ländern mit rund 42 Prozent den letzten Rang.

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Links:

OECD-Rentenbericht von 2019 (mit Nettoersatzquoten für 2018): https://read.oecd-ilibrary.org/social-issues-migration-health/pensions-at-a-glance-2019_b6d3dcfc-en#page157

OECD-Rentenbericht von 2019 (mit Einkommen der Über-65-Jährigen für 2018): https://read.oecd-ilibrary.org/social-issues-migration-health/pensions-at-a-glance-2019_b6d3dcfc-en#page186

OECD-Rentenbericht 2013: https://read.oecd-ilibrary.org/finance-and-investment/renten-auf-einen-blick-2013-oecd-und-g20-lander-indikatoren_pension_glance-2013-de#page156

Zusammenfassung der OECD zu Deutschland (2019): https://www.oecd.org/germany/PAG2019-DEU_de.pdf

Zusammenfassung der OECD zu Deutschland (2013): https://www.oecd.org/berlin/presse/renten-2013.htm

Zusammenfassung der OECD zu Großbritannien (2019): https://www.oecd.org/els/public-pensions/PAG2019-country-profile-United-Kingdom.pdf

Artikel über Rente auf "wann-in-rente.de": http://www.wann-in-rente.de/deutsche-renten (archiviert im Jahr 2013: http://dpaq.de/GR1FN)

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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