PRESSEPORTAL Presseportal Logo
Alle Storys
Folgen
Keine Story von dpa-Faktencheck mehr verpassen.

24.10.2019 – 14:16

dpa-Faktencheck

Studie zum Klimawandel ist nicht überprüft und ordentlich veröffentlicht

Hamburg (ots)

Der «Mythos des menschengemachten Klimawandels» soll «an allen Ecken und Enden» zusammenbrechen, wird in einem Artikel auf der Internetseite «sciencefiles.org» behauptet. Als Grundlage für die Behauptung wird eine neue Studie zweier finnischer Wissenschaftler angeführt (http://dpaq.de/iB8YA).

BEWERTUNG: Die Studie hält wissenschaftlichen Standards nicht stand: Sie wurde weder von unabhängigen Gutachtern geprüft noch in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.

FAKTEN: Die zitierte Studie von Jyrki Kauppinen und Pekka Malmi mit dem Titel «No Experimental Evidence for the Significant Anthropogenic Climate Change» wurde 2019 auf der Plattform «arXiv.org» veröffentlicht (http://dpaq.de/ShFmo).

Dieses Forum unterzieht eingesendete Arbeiten jedoch keinem Peer-Review-Verfahren, bei dem unabhängige Gutachter die Forschungsergebnisse bewerten. Dieses Verfahren dient der Qualitätssicherung in wissenschaftlichen Fachpublikationen (http://dpaq.de/63hw7).

Genauer unter die Lupe genommen wurde der Artikel jedoch von der gemeinnützigen Faktencheck-Organisation «Science Feedback», die die Seite «climatefeedback.org» betreibt (http://dpaq.de/6OKGc).

Hier haben acht Wissenschaftler verschiedener Institute den Artikel bewertet. Jeder der Gutachter spricht dem Artikel wissenschaftliche Glaubwürdigkeit ab, es werden eklatante Fehler aufgezeigt und teilweise sogar die Kompetenz der beiden Wissenschaftler im Fachgebiet der Klimawissenschaft in Frage gestellt.

So sagt Timothy Osborn (Professor an der University of East Anglia und Director of Research der Climatic Research Unit) über die Studie von Kauppinen und Malmi: «Ihr neues Klimamodell ist nicht validiert. Es basiert auf Datensätzen von Wolken und Luftfeuchtigkeit, zu denen keine Quellen angegeben wurden und die nicht aktuell sind.» Die Autoren «lassen die gesamten Ergebnisse der Klimawissenschaften außer Acht [...] und verweisen stattdessen auf ihre eigenen Arbeiten.»

Richard Betts (Professor am Met Office Hadley Centre und der University of Exeter) ist sich sicher, dass das Dokument «keinem Peer-Review-Verfahren einer akademischen Zeitschrift standhalten» würde. «In diesem Dokument werden nur sechs Referenzen genannt, von denen vier von Autoren selbst stammen und davon zwei gar nicht veröffentlicht wurden. Daher würde ich diesem Dokument keine wissenschaftlich Glaubwürdigkeit zuschreiben.»

«Dieser Text mag für einen Laien wie ein wissenschaftlicher Artikel aussehen», räumt Victor Venema von der Universität Bonn ein. Er würde ihn jedoch nicht als Bachelorarbeit akzeptieren, da weder Quellen genannt noch Unsicherheiten in den Daten diskutiert werden.

   ---

Links:

Artikel auf «sciencefiles.org»: https://sciencefiles.org/2019/07/14/neue-studie-der-mythos-des-menschengemachten-klimawandels-bricht-an-allen-ecken-und-enden-zusammen/ (Archiviert: http://dpaq.de/iB8YA)

Artikel «No Experimental Evidence for the Significant Anthropogenic Climate Change»: https://arxiv.org/pdf/1907.00165.pdf (archiviert: http://dpaq.de/ShFmo)

Artikel bei «climatefeedback.org»: https://climatefeedback.org/claimreview/non-peer-reviewed-manuscript-falsely-claims-natural-cloud-changes-can-explain-global-warming/

Weiterer Faktencheck zum Artikel: https://hoax-alert.leadstories.com/3470689-fake-news-no-bombshell-claim-scientists-do-not-find-man-made-climate-change-doesnt-exist.html

   ---

Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

© dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH. Die vorstehenden Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Jegliche Nutzung von Texten, Grafiken und Bildern ohne vertragliche Vereinbarung oder sonstige ausdrückliche Zustimmung der dpa ist unzulässig. Dies gilt insbesondere für die Verbreitung, Vervielfältigung und öffentliche Wiedergabe sowie Speicherung, Bearbeitung oder Veränderung. Alle Rechte bleiben vorbehalten.

Weitere Storys: dpa-Faktencheck
Weitere Storys: dpa-Faktencheck