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Universität Augsburg

Gemeinsam stärker gegen Krebs - Interview zum Weltkrebstag am 4. Februar

Krebsmedizin ist heute Teamarbeit: von personalisierten Therapien über starke Forschungsverbünde bis hin zur aktiven Einbindung von Patientinnen und Patienten. Anlässlich des Weltkrebstags 2026 gibt Prof. Dr. Martin Trepel einen Ausblick darauf, wie Zusammenarbeit, Innovation und Prävention die Krebsbehandlung nachhaltig verändern und warum Spitzenmedizin nur gemeinsam gelingen kann.

Am 4. Februar ist Weltkrebstag: Der Aktionstag richtet sich an die gesamte Bevölkerung und macht auf die Bedeutung von Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen aufmerksam. Alle drei Jahre wird hierfür ein neues Motto von der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (UICC) ausgerufen, derzeit ist dies: „Gemeinsam einzigartig“ („United by Unique“). Darüber spricht Prof. Dr. Martin Trepel im Interview. Er ist Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie an der Universtität Augsburg, Direktor der II. Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum und Direktor des Comprehensive Cancer Center Augsburg (CCCA).

Was sind Ihrer Meinung nach die zentralen Themen, die die Krebsforschung aktuell bewegen?

Die Krebsforschung entwickelt sich derzeit in vielen Bereichen gleichzeitig und mit hoher Dynamik. Ein zentrales Thema ist das immer bessere Verständnis der molekularen und genetischen Ursachen von Krebserkrankungen. Dieses Wissen ermöglicht es uns, Therapien gezielter, wirksamer und zugleich besser verträglich zu gestalten.

Große Fortschritte sehen wir dabei auch in der personalisierten Medizin. Zielgerichtete Therapien werden heute zunehmend exakt auf die genetischen Eigenschaften eines Tumors zugeschnitten. Dadurch lässt sich die Erkrankung präziser und erfolgsversprechender behandeln, während gesunde Zellen geschont werden. In diesem Zusammenhang haben sich auch Immuntherapien stark weiterentwickelt, nicht nur durch therapeutische Antikörper, die das Immunsystem gegen den Krebs mobilisieren, sondern auch durch den Einsatz gentechnisch veränderter T-Immunzellen, sogenannter CAR-T-Zellen, die das körpereigene Immunsystem befähigen, Krebszellen gezielt zu erkennen und zu bekämpfen.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Digitalisierung in der Krebsmedizin. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz trägt dazu bei, Diagnostik, Früherkennung und auch operative Eingriffe immer präziser zu machen, beispielsweise bei der Auswertung bildgebender Verfahren oder der Planung komplexer Operationen.

Nicht zuletzt rücken auch Prävention und Früherkennung immer stärker in den Fokus der Forschung. Ein erheblicher Teil der Krebserkrankungen wäre durch einen gesunden Lebensstil und die konsequente Nutzung von Vorsorgeangeboten vermeidbar oder frühzeitig behandelbar. In letzter Zeit haben einige große Studien die Vorteile von Bewegung und Sport vor, während und nach einer Krebstherapie untersucht und einen klaren Vorteil für Patientinnen und Patienten gesehen, die entsprechende Aktivitäten haben. Forschung, Versorgung und Aufklärung müssen daher Hand in Hand gehen.

Insgesamt verfolgt die moderne Krebsforschung ein klares Ziel: Krebs immer häufiger zu einer effektiv und gut verträglich behandelbaren oder heilbaren Erkrankung zu machen und dabei den Menschen und seine persönliche Lebenssituation in den Mittelpunkt zu stellen.

Welche Rolle spielen Verbünde und Kooperationspartner dabei, damit diese Innovationen und Ergebnisse aus der Forschung schneller bei Patientinnen und Patienten ankommen?

Um die Fortschritte der Krebsforschung, von der personalisierten Medizin über Immuntherapien bis hin zu Digitalisierung und Prävention tatsächlich wirksam in die Versorgung zu bringen, braucht es eine enge Zusammenarbeit über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg. Krebsforschung ist heute keine Einzelleistung mehr, sondern eine Teamleistung, in der Grundlagenforschung, Klinik und Versorgungsforschung eng miteinander verzahnt sind.

Das CCCA ist Teil der Comprehensive Cancer Center Allianz WERA, einem Verbund der Tumorzentren der Universitätsklinika Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg. Darüber hinaus gibt es das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF), das sämtliche bayernweite universitätsmedizinische Standorte umfasst. Auf deutschlandweiter Ebene sind wir mit WERA auch Teil des Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Dies bedeutet, dass wir gemeinsam daran arbeiten, spitzenmedizinische Versorgung flächendeckend zu etablieren und voranzubringen. Diese Verbünde bündeln Expertise aus unterschiedlichen Disziplinen und Standorten, schaffen gemeinsame Strukturen für experimentelle und klinische Studien und ermöglichen es, neue Erkenntnisse schneller und qualitätsgesichert zu den Patientinnen und Patienten zu bringen.

Ein besonders wichtiger Aspekt ist dabei die frühe und aktive Einbindung von Patientinnen und Patienten. Sie werden zunehmend bereits bei der Entwicklung von Forschungsideen und Studienkonzepten beteiligt. So wird sichergestellt, dass Forschungsfragen, Studiendesigns und Endpunkte tatsächlich relevant für den Alltag der Betroffenen sind und die Ergebnisse später auch in der Versorgung ankommen.

Solche Verbünde schaffen damit die Voraussetzung für eine patientenzentrierte, innovative und zukunftsfähige Krebsmedizin, bei der Forschung und Versorgung eng miteinander verbunden sind.

Wie können Patientinnen und Patienten ihre persönlichen Erfahrungen explizit in die Forschungsentwicklung einfließen lassen, um so die gegenwärtige und zukünftige Versorgung und Forschung mitzugestalten?

Nicht nur aber auch in den erwähnten Verbünden ist es ausdrücklich erwünscht, dass Patientinnen und Patienten Forschung aktiv mitgestalten. Beispielsweise wurde der BZKF-Patienten-Experten-Pool und der NCT-Forschungsrat eingerichtet, damit Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven beratend und unterstützend in die Zentren und (Forschungs-)Verbünde einfließen lassen können, um die Forschung und Therapien bedürfnisorientierter auszurichten. Es kann aber auch die konkrete Teilnahme an Studien sein, in denen Patientenerfahrungen hinsichtlich ihrer eigenen Therapie oder diesbezügliches Arzt-Patienten-Verhältnis erforscht und optimiert werden. Ein Beispiel ist die WAVES Studie, ein gemeinsam von Patientinnen, Patienten und Ärzten initiiertes Projekt. Hierbei steht der wechselseitige Patienten-Arzt-Austausch in der Brustkrebsversorgung im Vordergrund, wobei die Ergebnisse dieser Studie die Grundlage für patientenorientierte Strukturen legen werden.

Ist der akute Bezug zur Erkrankung maßgeblich oder ist auch eine Teilnahme nach der Erkrankung oder gar als Angehörige oder Angehöriger vorstellbar?

Auch der retrospektive Blick auf die eigene Behandlung ist selbstverständlich ein wertvoller Beitrag für Innovation. Manchmal bietet einem die abgeschlossene Behandlung sogar erst den Weitblick und die Kapazitäten, sich über den eigenen Patientenweg hinaus zu engagieren. Wir haben neben dem eben im Verbundkontext beschriebenen eher forschungsnah arbeitenden Expertenpool zudem verschiedene Patientenbeiräte, beispielsweise den Beirat des Comprehensive Cancer Center Augsburg, der bewusst als Patienten- und Angehörigenbeirat etabliert wurde. Er ist in alle wichtigen Entscheidungsprozesse involviert und wird im CCCA-Direktorium durch zwei Personen vertreten, um auf diese Weise Transparenz und Austausch zu generieren. Von all diesem Engagement und Blickwinkeln profitieren Forschung und Versorgung langfristig, weil sie helfen, Versorgungs- und Forschungsinfrastrukturen nachhaltig zu verbessern. Darüber hinaus gibt es auch in diesem Bereich einzelne Programme und Studien, die das Thema „Leben nach einer Krebserkrankung“ (Survivorship Programm) oder die Herausforderungen von Angehörigen ins Zentrum rücken.

Welche Möglichkeit gibt es für Patientinnen, Patienten oder Angehörige einen aktuellen Wissensüberblick zu erlangen?

Eine gute Informationsmöglichkeit ist die Teilnahme an den jährlich stattfindenden Informationsveranstaltungen anlässlich des Weltkrebstages. Dieses Jahr ist in dieser Hinsicht gleich doppelt etwas geboten: In Form eines standortübergreifenden Onlineformates der WERA-Allianz sowie des CCCA Patientenforums im Großen Hörsaal im Universitätsklinikum Augsburg.

Der Vorteil des digitalen Themennachmittags mit CCC-WERA und NCT-WERA ist die formatimmanente Vernetzung mit den anderen Standorten Würzburg, Regensburg und Erlangen. Dadurch kann man virtuell einer thematisch und personell vielfältigen Veranstaltung folgen, welche neben Online-Talkrunden zu Themen wie Patientenvertretung und Studienteilnahme auch interaktive Webinare zu Bewegung, Fatigue oder Ernährung anbietet. Das CCC Augsburg ist hierbei mit einem Mitmach-Workshop zu Bewegung und mehr Energie bei Krebs vertreten.

Der große Vorteil und Grund, warum wir auf das bewährte Format des CCCA-Patientenforums nicht verzichten wollen, ist der Mehrwert der unmittelbaren Begegnung mit Betroffenen: Das Thema „Bewegung“ ist ein großartiges Beispiel für die selbstbestimmte Aktion, eigene Therapie- und Gesundheitsfortschritte proaktiv mitzusteuern und mit in die Hand zu nehmen – in jeder Lebenslage. Wir möchten Ihnen dafür am 4. Februar das Forum bieten, sich mit unseren fachübergreifenden Expertenteams persönlich auszutauschen und zu informieren – im unmittelbaren Gespräch, an Informationsständen und Publikumsdiskussionen.

Verantwortlich:
Pressestelle der Universität Augsburg
Dr. Manuela Rutsatz / Michael Hallermayer / Corina Härning
Tel: 0821/598-2094 
info@presse.uni-augsburg.de
www.uni-augsburg.de
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