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Warum manche Krebspatient:innen auf Immuntherapien ansprechen – und andere nicht
Warum manche Krebspatient:innen auf Immuntherapien ansprechen – und andere nicht
Immuntherapien haben die Krebsbehandlung grundlegend verändert, indem sie das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung von Tumoren nutzen. Während einige Patient:innen sehr gut auf die Therapie ansprechen, bleibt der Erfolg bei anderen aus. Warum das so ist, hat eine aktuelle Studie unter der gemeinsamen Leitung von Prof. Dvir Aran vom Technion (Haifa, Israel) und Prof. Dr. Jürgen C. Becker vom Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen untersucht.
Die Forschenden konnten zeigen, dass Veränderungen im sogenannten Tumormikromilieu, also dem Zusammenspiel von Tumorzellen, Immunzellen und weiteren Zelltypen, in den ersten Wochen der Behandlung eine wichtige Rolle für den Therapieerfolg spielen.
Die Autor:innen betrachten ihre Studienergebnisse als wertvolle Ergänzung zu einer kürzlich erschienenen Zulassungsstudie der Pharmafirmen Merck MSD und Moderna. Dort wurde gezeigt, dass eine personalisierte mRNA-Impfung die Wirkung von Checkpoint-Inhibitoren bei Melanom-Erkrankungen signifikant verstärkt. „Unsere Daten eröffnen neue Perspektiven für eine noch gezieltere, patientenindividuelle Therapieindikation“, so das Forschungsteam.
Veränderungen im Mikromilieu des Tumors
Für ihre Analysen bündelte das Team Daten aus 16 unabhängigen Studien mit knapp 200 Krebspatient:innen und identifizierten vier verschiedene Zustände des Tumormikromilieus. Besonders aufschlussreich waren die Veränderungen dieses Mikromilieus während der Therapie. Bei etwa der Hälfte der Patienten blieb das Tumormikromilieu relativ stabil. Bei der anderen Hälfte wechselte es von einem Zustand in einen anderen – und diese Übergänge erwiesen sich als äußerst aufschlussreich. Einige Veränderungen waren durchweg mit einem erfolgreichen Ansprechen auf die Immuntherapie verbunden, andere Veränderungen standen im Zusammenhang mit einem schlechten Ansprechen, bei dem die Tumorumgebung die Immunantwort dämpfte.
Frühe Veränderungen skizzieren den späteren Verlauf
„Man kann es mit einem Schachspiel vergleichen, bei dem die Eröffnungszüge bereits eine Spielstrategie erkennen lassen. Wir konnten in unserer Studie aus frühen Veränderungen bereits den weiteren Verlauf der Immunantwort vorhersagen. Das eröffnet neue Möglichkeiten, Therapien anzupassen, bevor sich Erfolg oder Misserfolg klinisch zeigen“, erklärt Prof. Becker, Leiter der DKTK-Abteilung „Translational Skin Cancer Research“.
Vertiefende Untersuchungen im Sonderforschungsbereich DYNAMO
Die Ergebnisse eröffnen darüber hinaus einen neuen Ansatz für die Immuntherapie bei Krebs: Die gezielte Beeinflussung früher Veränderungen im Tumormikromilieu. Diese Erkenntnisse und die zugrunde liegenden Mechanismen sollen im Sonderforschungsbereich (SFB 1752) DYNAMO vertieft untersucht werden, der im Oktober 2026 beginnt.
Link zur Originalveröffentlichung:
„Tumor Immune Microenvironment Remodeling Predicts Response to Checkpoint Inhibitor Therapy“
Pressekontakt Dr. Milena Hänisch Wissenschaftsredakteurin Referat für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen E-Mail: milena.haenisch@uk-essen.de Telefon: 0201/723-1615 Internetseite: www.uni-due.de/med Social Media: Instagram | Facebook | LinkedIn
Über die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen Die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) ist auf dem Campus des Universitätsklinikums Essen angesiedelt. Wissenschaftler:innen verschiedener Disziplinen arbeiten hier gemeinsam am medizinischen Fortschritt und geben ihr Wissen an den Nachwuchs weiter. Das Ziel: Forschung auf internationalem Spitzenniveau und eine exzellente Ausbildung zukünftiger Wissenschaftler:innen, Ärzt:innen und Pflegefachpersonen.
Zu den Forschungsschwerpunkten zählen Herz- und Kreislauferkrankungen, Immunologie und Infektiologie, Onkologie, Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften sowie Transplantation. Eine Reihe in Essen entwickelter diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist weltweiter Standard. Die Core Facilities der Medizinischen Fakultät unterstützen die Forschungsarbeiten der rund 1.500 Wissenschaftler:innen im klinischen und grundlagenwissenschaftlichen Bereich.
Das Studium umfasst naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen, klinische Fächer sowie Psychologie und Soziologie. Es verknüpft die Theorie und Anwendung am individuellen Krankheitsfall. Die Medizinische Fakultät der UDE entwickelt die Lehre durch regelmäßige Evaluationen sowie ein strukturiertes Qualitätsmanagement kontinuierlich weiter.
Über die Essener Universitätsmedizin Die Essener Universitätsmedizin (UME) umfasst das Universitätsklinikum Essen sowie 15 Tochterunternehmen, darunter die Ruhrlandklinik, das St. Josef Krankenhaus Werden, die Herzchirurgie Huttrop und das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen. Die UME ist mit etwa 1.700 Betten und rund 11.000 Mitarbeitenden das führende Gesundheitskompetenzzentrum des Ruhrgebiets und deckt die ganze Bandbreite einer umfassenden medizinischen Versorgung ab: von der Geburtshilfe über die Kinderheilkunde bis zum Behandlungsspektrum der inneren Medizin sowie der Unfall- und Notfallversorgung. Wesentliche Grundlage für die klinische Leistungsfähigkeit ist die Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen.