Hohes Risiko für tödlichen Verlauf bei schwerer "Blutvergiftung"
Frühe Diagnose und gezielte Therapie können Leben retten
UKGM in Gießen zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September
Gießen (ots)
Rund 230.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einer Sepsis. Davon sterben nach Angaben der Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis 85.000, also durchschnittlich alle 6 Minuten ein Mensch. Damit gehört die Sepsis zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Ein Teil der Todesfälle wäre durch eine frühzeitige Erkennung und schnelle, gezielte Behandlung vermeidbar. Viele Überlebende leiden zudem langfristig unter den Folgen der Erkrankung. Eine möglichst frühe Diagnose und eine rasche, gezielte Behandlung sind deshalb entscheidend.
"In der Öffentlichkeit wird eine Sepsis häufig als "Blutvergiftung" bezeichnet. Medizinisch handelt es sich dabei jedoch nicht um eine Vergiftung des Blutes, sondern um eine lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Besonders schwerwiegend ist der sogenannte septische Schock. Dabei kommt es unter anderem zu anhaltenden Kreislaufstörungen und einer unzureichenden Durchblutung der Organe. In der Folge können mehrere Organe versagen, im schlimmsten Fall mit tödlichem Ausgang", erklärt Prof. Istvan Vadasz, stellv. Direktor der Medizinischen Klinik II und Leiter des internistischen Intensivbereichs.
Auslöser einer Sepsis ist immer eine Infektion. Häufig sind Bakterien die Ursache, grundsätzlich können aber auch Viren, Pilze oder andere Erreger eine Sepsis auslösen. Zu den möglichen Ausgangserkrankungen gehören beispielsweise Lungenentzündungen, Infektionen der Harnwege und Nieren, infizierte Wunden oder eine Hirnhautentzündung. Prof. Vadasz: "Eine Sepsis entsteht, wenn der Körper auf eine Infektion mit einer fehlregulierten Abwehrreaktion reagiert und dadurch lebensbedrohliche Organdysfunktionen entstehen. Um ein Fortschreiten der Erkrankung und ein mögliches Multiorganversagen zu verhindern, ist eine schnelle medizinische Behandlung erforderlich. Dazu gehören unter anderem die rasche Behandlung der Infektionsursache, eine geeignete antimikrobielle Therapie sowie die Stabilisierung und Unterstützung der betroffenen Organe." Bei schwer erkrankten Patientinnen und Patienten kann eine intensivmedizinische Behandlung mit verschiedenen Organersatzverfahren notwendig werden. "Als vom Land Hessen offiziell ausgewiesenes Intensivzentrum mit den verschiedenen operativen, internistischen und neurologischen Intensivbereichen können wir hier je nach Krankheitsbild Organersatzverfahren unter anderem für Lunge, Herz, Niere und Leber einsetzen. Ziel ist es, die Organfunktionen während der akuten Erkrankungsphase zu unterstützen, den Erreger gezielt zu bekämpfen und den Organen die Möglichkeit zur Erholung zu geben", so der Intensivmediziner.
Eine Sepsis beginnt häufig mit zunächst unspezifischen Beschwerden, die beispielsweise einer Erkältung oder Grippe ähneln können. Gerade deshalb ist es wichtig, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und, die Schwere der Erkrankung einzuschätzen und unmittelbar die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen einzuleiten. Prof. Vadasz: "Eine Sepsis ist immer ein medizinischer Notfall und hier gilt: Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen, schwere Komplikationen und langfristige Folgen zu vermeiden."
Mit der Früherkennung einer Sepsis, der Therapie und entsprechenden Forschungsschwerpunkten beschäftig sich am Gießener Universitätsklinikum auch eine infektiologische Arbeitsgruppe.
Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) mit seinen 86 Kliniken und Instituten an den beiden Standorten Gießen und Marburg ist das drittgrößte Universitätsklinikum Deutschlands. Seit Februar 2006 trägt die RHÖN-KLINIKUM AG zu 95 Prozent die Verantwortung als Betreiber dieses privatisierten Universitätsklinikums. www.ukgm.de
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