FREIE WÄHLER Bundesvereinigung
FREIE WÄHLER: Auswirkungen des Most-Favoured-Nation-Modells auf Innovation, Markteinführung und Versorgungssicherheit in Deutschland berücksichtigen
Die FREIE WÄHLER warnen vor den Auswirkungen der von Trump im letzten Jahr eingeführten Meistbegünstigungsklausel für Arzneimittelpreise (Most-Favoured-Nation-Modell, kurz MFN). Durch die Kopplung der Arzneimittelpreise auf dem lukrativen US-Markt an die Preise in vergleichbar wohlhabenden Ländern – insbesondere Deutschland – droht eine Versorgungslücke mit innovativen Medikamenten in Europa. Bereits jetzt erreicht ein signifikanter Anteil neuer Arzneimittel Deutschland nicht mehr. Um auch in Zukunft eine optimale Versorgung deutscher Patienten zu gewährleisten, fordern die FREIE WÄHLER eine schnelle europäische Antwort sowie gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Attraktivität Europas als Entwicklungs-, Zulassungs- und Launch-Raum.
Gregor Voht, Generalsekretär FREIE WÄHLER, warnt vor den Folgen der neuen US-amerikanischen Preispolitik: „Das Most-Favoured-Nation-Modell muss endlich als systemisches Risiko in der Arzneimittelpolitik mitgedacht werden. Bereits jetzt entgeht Deutschland jedes dritte in den USA zugelassene neue Arzneimittel. Mit den zunehmenden Auswirkungen des MFN auf den europäischen Markt droht eine gefährliche Versorgungslücke im Bereich der Krebstherapie und bei seltenen Krankheiten. Hier müssen wir unbedingt die Stärken des Forschungsstandorts Deutschland zu unserem Vorteil nutzen, um wieder als First-Launch-Region attraktiv zu werden. Pauschale Preiskürzungen für Arzneimittel, wie sie im GKV-Beitragsstabilitätsgesetz vorgesehen sind, müssen vor diesem Hintergrund dringend überdacht werden.“
Die ersten Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit sind bereits jetzt zu spüren. So sind Medikamente zur Behandlung von schwer behandelbarem Pankreaskrebs und neue Antibiotika nur auf dem US-Markt verfügbar. Besonders kritisch ist der Trend zu bewerten, dass Zulassungsanträge für innovative Arzneimittel gar nicht erst bei der Europäischen Arzneimittelagentur eingereicht werden. Dies betrifft vor allem kleinere Therapiebereiche, sodass Arzneimittel für seltene Krankheiten, sogenannte Orphan Drugs, Europa deutlich später erreichen.
„Die langsame und unkoordinierte Reaktion auf die Meistbegünstigungsklausel bedroht nicht nur die Versorgungssicherheit der Patienten, sondern auch den Pharmastandort Deutschland. Die pharmazeutische Industrie leistet einen bedeutenden Beitrag zur deutschen Wirtschaftsleistung. Durch verbesserte Rahmenbedingungen wollen wir diese zukunftsträchtige Branche im Sinne wirtschafts- und gesundheitspolitischer Ziele weiterentwickeln und fördern. Insbesondere für Forschung und Entwicklung sind qualifizierte Fachkräfte und exzellente, öffentlich geförderte Grundlagenforschung entscheidende Wettbewerbsfaktoren. Leider besteht aus unserer Sicht insbesondere beim Tempo, mit dem klinische Studien in Deutschland genehmigt und durchgeführt werden können, deutlicher Verbesserungsbedarf. Als Gegengewicht zum MFN setzen wir deshalb unter anderem auf den Ausbau einer vernetzten, digitalen Forschungsdateninfrastruktur“, so Voht weiter.
Eike Jan Brandau Beauftragter für Presse und Öffentlichkeitsarbeit FREIE WÄHLER - Bundesvereinigung Mühlenstraße 13 27777 Ganderkesee Fon: 04222-9659330 Fax: 04222-9659319 http://freiewaehler.eu www.facebook.com/freie.waehler.bundesvereinigung