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Schwäbische Zeitung: Über das Militär reden

Ravensburg (ots) - Als 2009 eine Air France-Maschine vor der Küste Brasiliens in den Atlantik stürzte, brauchte die brasilianische Marine Tage, um den Jet zu orten. Hauptentschuldigung für das Versagen der Rettungskräfte: Die meisten der Schiffe seien wegen hohen Alters nicht einsatzbereit und lägen wegen schwerer technischer Mängel fest vertäut im Hafen. Für die Regionalmacht Brasilien, die einen Ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat fordert, ist der desolate technische Zustand seiner Streitkräfte eine internationale Blamage.

Deutschland bewegt sich auf dem Niveau des Schwellenlandes aus Südamerika. Auch die Bundesrepublik will bei den Vereinten Nationen mehr Mitsprache und Einfluss. Und gerade über die Betriebsbereitschaft der deutschen Luftwaffe wird international die Stirn gerunzelt. Die Mängelliste ist lang. Die Waffenlieferungen in den Irak verzögerten sich wegen Defekten an den uralten Transall-Transportmaschinen. Zahlreiche Kampfmaschinen vom Typ Eurofighter müssen am Boden bleiben, für die meisten Marine-Hubschrauber soll das gleiche gelten. Auch aus der Armee sind Klagen über das militärische Gerät zu hören.

Bundespräsident Gauck, Außenminister Steinmeier, Verteidigungsministerin von der Leyen plädieren für mehr internationale Verantwortung. Das ist richtig, aber wahrscheinlich sind das nur Lippenbekenntnisse, denn real fehlen die Möglichkeiten. Nach dem Fall der Mauer 1989 wurde viel von einer Friedensdividende gesprochen. Die Investitionen in die Bundeswehr wurden vernachlässigt. Es muss zugegeben werden, dass damals die Politiker, die modernere Waffen und Neuanschaffungen verlangten, gegen die Gesamtstimmung in Europa nicht ankamen. Wenige Menschen wollten von leistungsfähigen Streitkräften und den Kosten dafür etwas hören. Bis heute gelten - siehe die aktuelle Diskussion über die Rüstungsindustrie - hohe Wehretats bei einer Mehrheit der Bevölkerung als inakzeptabel. Deutschland braucht dringend eine Debatte über seine Rolle in der Welt.

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