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Peter Rühmkorf: Für mich ist das Gedicht so etwas wie eine Monstranz

Hamburg (ots) - Für den Lyriker Peter Rühmkorf ist Dichten etwas Erotisches. "Weil der Vers auch eine Kopulation ist", sagt Rühmkorf in einem Gespräch mit der ZEIT. Im Übrigen sei Dichten vor allem ein Handwerk: "Ich merke sofort, werkstattmäßig, wenn einer was hingebogen hat. Was dagegen direkt vom Himmel kommt, die guten Zeilen, die herabregnen wie Sterntaler, erkennst du gleich. Wenn du ein Leben lang dabei bist, dann weißt du aber auch, dass das Selbstgemachte genauso gut aussehen muss wie das vom Himmel Gefallene. Das ist die Kunst, das können die meisten nicht."

Ein gelungenes Gedicht ist für den Lyriker ein ergreifendes. Rühmkorf: "Darüber ist ja viel diskutiert worden. Das Ergriffensein, absolut genommen, fordert natürlich sofort die ironische Brechung heraus." Und Ironie sei schon immer "ein Grundprinzip" bei ihm. Er bedauere, dass Lyrik "eine ökologische Nische" sei, "für die sich nur ein ganz paar Leute interessieren. Es ist nicht mehr wie zu Klopstocks Zeiten, wo ein messianischer Sänger auftaucht, und eine ganze obere Gesellschaftsschicht ist davon angerührt".

Ein positives Weltverhältnis habe der Lyriker immer gehabt: "Ich bin ein Glücksprophet. Deshalb findet man in meinen Gedichten auch immer eine gewisse Kurve, die erst nach unten zieht und noch immer tiefer hinab, dass man sich fragt: Wie kommt er da wieder raus aus der Scheiße?! Und dann gibt es so einen Wums, und sei es ein satirischer, der am Schluss zurückführt ans Licht." Rühmkorf fährt fort: "Ich bin ja ein sehr ungläubiger Mensch, obwohl ich sehr gläubig erzogen wurde. Für mich ist das Gedicht so etwas wie eine Monstranz. Ein Glaubensartikel."

Auflagenzahlen seiner Bücher als Gradmesser seines Erfolges lehnt Rühmdorf ab: "Das Wort Erfolg lehne ich ab. Ich habe gelernt bei den Erfolglosen, die nur Dreihunderter-Auflagen verkaufen. Also muss ich auch mit kleinen Auflagen zufrieden sein ... Bin ich aber nicht."

Peter Rühmkorfs neues Buch "Paradiesvogelschiß. Gedichte" erscheint am 1. April 2008 im Rowohlt Verlag, Reinbek

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Das komplette ZEIT-Interview der ZEIT Nr. 14 vom 27. März 2008 senden
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