Alle Storys
Folgen
Keine Story von Whale & Dolphin Conservation gGmbH mehr verpassen.

Whale & Dolphin Conservation gGmbH

Neuer WDC-Bericht: Norwegischer Walfang verursacht erhebliches Tierleid

Neuer WDC-Bericht: Norwegischer Walfang verursacht erhebliches Tierleid
  • Bild-Infos
  • Download

Ein Dokument

Bis zu 20 Minuten Todeskampf: Was offizielle Daten über Norwegens Walfang zeigen

Norwegen tötet derzeit mehr Wale als Japan und Island zusammen, steht aber selten im Fokus der Berichterstattung. Ein neuer WDC-Bericht, basierend auf offiziellen norwegischen Fangdaten, dokumentiert lange Todeskämpfe, Hunderte Fehlschüsse und den regelmäßigen Abschuss schwangerer Weibchen. Die Analyse stellt die zentralen Argumente für einen angeblich "humanen" und "nachhaltigen" Walfang grundlegend infrage.

Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDC (Whale and Dolphin Conservation) veröffentlicht heute den Bericht Beneath the Surface, der den kommerziellen Walfang in Norwegen erstmals umfassend anhand offizieller norwegischer Daten bewertet.

Während die internationale Kritik meist Japan gilt, bleibt Norwegen als weltweit führende Walfangnation oft unter dem Radar. Der neue WDC-Bericht analysiert offizielle Fangdaten und deckt erhebliche Tierschutzprobleme, mangelnde unabhängige Kontrolle und Zweifel an der Nachhaltigkeit des Walfangs auf. Die Ergebnisse liefern starke Anknüpfungspunkte für Umwelt-, Wissenschafts- und Politikberichterstattung.

Die Untersuchung der Daten durch WDC dokumentiert lange Todeskämpfe nach Harpunentreffern, zahlreiche Fehlschüsse sowie den regelmäßigen Abschuss schwangerer Weibchen. Zudem kritisiert WDC die fehlende unabhängige Kontrolle und die geringe Transparenz der von der Industrie selbst gemeldeten Daten.

Im Detail:

Die Analyse zeigt, dass Wale nach dem ersten Harpunentreffer häufig über längere Zeit leiden. In den untersuchten Daten dauerte der Todeskampf in Einzelfällen bis zu 20 Minuten. Fast 20 Prozent der getöteten Wale starben nicht sofort, sondern erst nach durchschnittlich sechs Minuten.

Während dieser Zeit erlitten die Wale:

  • schwere innere Verletzungen durch die Explosionsharpune,
  • massive Blutungen, Kreislaufversagen und einen physiologischen Schock,
  • anhaltende Bewegungsfähigkeit trotz schwerster Verletzungen
  • immensen Stress bis hin zu Todesangst

Darüber hinaus dokumentieren die ausgewerteten Fangprotokolle Hunderte fehlgeschlagene Harpunenschüsse sowie regelmäßig den Abschuss schwangerer Weibchen: Zwischen 2021 und 2025 waren 68 bis 79 Prozent der getöteten Wale weiblich; 41 bis 62 Prozent dieser Weibchen waren schwanger.

Fehlende unabhängige Kontrolle

Im Gegensatz zu Island, wo eine behördliche Untersuchung 2023 zu einer vorübergehenden Aussetzung des Walfangs führte, fehlt für Norwegen bislang eine vergleichbare unabhängige Bewertung der Tierschutzstandards.

Zudem zeigt der Bericht, dass sich die offiziellen Darstellungen weitgehend auf von der Walfangindustrie selbst gemeldete Daten stützen. Nach Auffassung von WDC schränkt dies die Transparenz erheblich ein und wirft Zweifel an der Glaubwürdigkeit offizieller Tierschutzbehauptungen auf.

Auch die Nachhaltigkeit steht infrage

Obwohl die Nachfrage nach Walfleisch seit Jahren zurückgeht und die tatsächlichen Fangzahlen unter den zulässigen Quoten liegen, steigen die Fangquoten weiter an. Ursache ist unter anderem ein System, das nicht ausgeschöpfte Fangquoten auf Folgejahre überträgt.

Gleichzeitig werden die Auswirkungen des regelmäßigen Abschusses schwangerer Weibchen in den Berechnungen der Fangquoten nach Einschätzung von WDC nur unzureichend berücksichtigt.

„Die Ergebnisse unseres Berichts zeigen deutlich, dass der kommerzielle Walfang in Norwegen weder als human noch als nachhaltig bezeichnet werden kann. Die dokumentierten Leiden der Wale, die fehlende unabhängige Kontrolle und die wissenschaftlichen Defizite bei der Berechnung der Fangzahlen machen deutlich, dass diese Jagd nicht länger zu rechtfertigen ist.“

Lottie Pearson, Koordinatorin des Bereichs „Walfang beenden“ in Norwegen bei WDC

Nach Einschätzung von WDC widerlegt der Bericht die wesentlichen Argumente, mit denen Norwegen den kommerziellen Walfang rechtfertigt. Die Organisation fordert die norwegische Regierung auf, den kommerziellen Walfang zu beenden und stattdessen den Schutz lebender Wale sowie eine nachhaltige Nutzung der Meere zu fördern.

Whale and Dolphin Conservation (WDC) ist die weltweit führende gemein­nützige Organi­sation, die sich ausschließlich dem Schutz von Walen und Delfinen widmet. Im Rahmen von Kampagnen, politischer Überzeugungsarbeit, Bildung, Beratung, Forschung, Rettungs- und Schutzprojekten sowie Mitmach-Aktionen verteidigt WDC Wale und Delfine gegen die zahlreichen Gefahren, denen sie heute ausgesetzt sind. Das kommt auch dem Klima zugute, da Wale unsere Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel sind und eine wichtige Rolle im Ökosystem Meer spielen. WDC-Expert:innen arbeiten in nationalen, europäischen und internationalen Arbeitsgruppen, sind in allen relevanten internationalen Foren vertreten und haben direkten Einfluss auf maßgebliche Entscheidungen zur Zukunft von Walen und Delfinen. Wir sind Ansprechpartner:innen für Medien, Öffentlichkeit und Entscheidungsträger:innen.

WDC arbeitet als gemeinnützig anerkannte Körperschaft politisch unabhängig und finanziert sich über Spenden und Stiftungsmittel.

Unsere Vision: Eine Welt, in der alle Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben.

www.whales.org

Bianca König
Leiterin Kommunikation
WDC Deutschland
Telefon: +49 179 6787 186 oder +49 89 6100 2393

Whale and Dolphin Conservation (WDC)
Implerstraße 55, 81371 München
whales.org