Whale & Dolphin Conservation gGmbH
Verbleib von Buckelwal ungeklärt: WDC fordert Transparenz und rechtliche Klarheit
Trotz Vereinbarungen mit der privaten Initiative, die den gestrandeten Buckelwal „Timmy“ („Hope“) per Barge in die Nordsee verbracht hat, liegen dem Umweltministerium Mecklenburg‑Vorpommern bis heute keine belastbaren Informationen über den Verbleib des Wals vor. Weder Trackingdaten noch verlässliche Angaben zum Zustand des Buckelwals wurden übermittelt. Whale and Dolphin Conservation (WDC) fordert die Aufklärung zum Einsatzhergang.
Vereinbart war mit der privaten Initiative, dass ein Peilsender angebracht wird, um mit Hilfe der Trackingdaten den weiteren Aufenthalt des Wals zu dokumentieren und den Erfolg der Maßnahme bewerten zu können. Die mangelnde Informationslage wirft grundlegende Fragen auf – zum Zustand des Wals, zur Verantwortlichkeit der beteiligten Akteure und zu den rechtlichen Rahmenbedingungen für Eingriffe in das Leben von Wildtieren auf See.
„Für WDC ist dieser Fall kein isoliertes Ereignis, sondern Ausdruck struktureller Defizite im Umgang mit Meeressäugern in Ausnahmesituationen. Wenn Rettungsaktionen ohne Regeln durchgeführt werden, besteht die reale Gefahr, dass gut gemeinte Maßnahmen Tierleid verlängern, statt verhindern. Einsätze wie dieser brauchen klare Abläufe, wissenschaftsbasierte Entscheidungen und vor allem Transparenz.“ − Franziska Walter, Geschäftsführerin WDC Deutschland
Vor diesem Hintergrund fordert WDC :
1. Vollständige Transparenz und uneingeschränkter Zugang für Behörden und Fachinstitutionen
Alle im Rahmen der Rettungs- und Freisetzungsaktion erhobenen Daten – insbesondere zu Gesundheitszustand, Transportverlauf und Aufenthaltsort des Wals – müssen zeitnah und vollständig veröffentlicht werden. Die zuständigen Behörden auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene müssen umfassenden Zugang erhalten zu:
- sämtlichen Einsatzprotokollen,
- Entscheidungsgrundlagen und Risikoabwägungen,
- allen erhobenen Trackingdaten und Videoaufnahmen.
Nur durch transparente Datenlage lässt sich bewerten, ob die Maßnahme im Sinne des Tierwohls und auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgt ist.
2. Konsequente Aufklärung möglicher Verstöße
Sollten im Zuge des Einsatzes gegen Tier- oder Naturschutzrecht verstoßen worden sein, müssen diese Verstöße umfassend untersucht und entsprechend geahndet werden. Der Schutz von Walen und Delfinen darf nicht von Einzelentscheidungen oder öffentlichem Druck abhängen, sondern muss sich an klaren rechtlichen und wissenschaftlichen Standards orientieren.
3. Klare rechtliche Rahmenbedingungen für zukünftige Eingriffe
Der Fall zeigt deutlich: Eingriffe privater Akteure in hochkomplexe Wildtiersituationen dürfen nicht in rechtlichen Grauzonen stattfinden. WDC fordert von den zuständigen staatlichen Stellen daher:
- verbindliche Genehmigungs- und Kontrollverfahren für vergleichbare Maßnahmen,
- eindeutig geregelte Zuständigkeiten über nationale Grenzen hinweg,
- verpflichtende Transparenz und Berichtspflichten für alle beteiligten Akteure.
4. Wissenschaft und Tierwohl müssen im Mittelpunkt stehen
Bei allen Maßnahmen im Umgang mit gestrandeten oder geschwächten Meeressäugern gilt: Nicht jedes Individuum kann gerettet werden – entscheidend ist, unnötiges Leid zu vermeiden und verantwortungsvoll zu handeln. Der Fall „Timmy“ macht deutlich, wie wichtig es ist, Entscheidungen auf fundierte wissenschaftliche Einschätzungen zu stützen und das Tierwohl konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.
„Timmy steht stellvertretend für viele Meeressäuger, deren Schicksal oft im Verborgenen bleibt. Der Umgang mit diesem Fall wird darüber entscheiden, ob wir aus solchen Situationen lernen – oder weiterhin riskieren, dass Einzelaktionen ohne ausreichende Kontrolle und Transparenz stattfinden. Der Schutz von Walen und Delfinen braucht klare Zuständigkeiten, wissenschaftliche Standards und internationale Zusammenarbeit. WDC wird sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass ein offiziell festgelegtes Verfahren etabliert wird, damit im Falle einer weiteren Strandung in Deutschland schneller und koordinierter vorgegangen werden kann.“ − Franziska Walter, Geschäftsführerin WDC Deutschland
Whale and Dolphin Conservation (WDC) ist die weltweit führende gemeinnützige Organisation, die sich ausschließlich dem Schutz von Walen und Delfinen widmet. Im Rahmen von Kampagnen, politischer Überzeugungsarbeit, Bildung, Beratung, Forschung, Rettungs- und Schutzprojekten sowie Mitmach-Aktionen verteidigt WDC Wale und Delfine gegen die zahlreichen Gefahren, denen sie heute ausgesetzt sind. Das kommt auch dem Klima zugute, da Wale unsere Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel sind und eine wichtige Rolle im Ökosystem Meer spielen. WDC-Expert:innen arbeiten in nationalen, europäischen und internationalen Arbeitsgruppen, sind in allen relevanten internationalen Foren vertreten und haben direkten Einfluss auf maßgebliche Entscheidungen zur Zukunft von Walen und Delfinen. Wir sind Ansprechpartner:innen für Medien, Öffentlichkeit und Entscheidungsträger:innen.
WDC arbeitet als gemeinnützig anerkannte Körperschaft politisch unabhängig und finanziert sich über Spenden und Stiftungsmittel.
Unsere Vision: Eine Welt, in der alle Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben.
Bianca König Leiterin Kommunikation WDC Deutschland Telefon: +49 179 6787 186 oder +49 89 6100 2393 Whale and Dolphin Conservation (WDC) Implerstraße 55, 81371 München whales.org