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16.03.2004 – 09:32

WDR Westdeutscher Rundfunk

WDR-Pressemitteilung: Irak-Umfrage von ARD, ABC, BBC und NHK: Große Mehrheit der Iraker für „starken Führer“ statt Demokratie

Köln (ots)

Knapp ein Jahr nach dem Sturz Saddam Husseins ist
weiterhin eine Mehrheit der Iraker für einen „starken Führer“ statt
für eine demokratische Regierungsform. Das ist ein Ergebnis einer
großen Umfrage von ARD, ABC, BBC und NHK. Für „einen einzelnen
starken irakischen Führer“ sprechen sich demnach 47 % der Iraker aus,
nur 28 % für eine „irakische Demokratie“ und 10 % für eine religiöse
Führung des Landes. Bei der letzten Umfrage im Herbst 2003 lag die
Demokratie noch deutlich vor dem „starken Führer“. Auf Sicht von fünf
Jahren gewinnt die Demokratie allerdings wieder an Zustimmung.
„Offensichtlich halten viele Iraker die Demokratie für ein schönes
Ideal, trauen ihr aber nicht zu, die konkreten Probleme der Menschen
zu lösen“, erläutert Arnd Henze, stellvertretender Auslandschef und
verantwortlicher Redakteur beim WDR.
Das angesehene Institut „Oxford Research International“ hat im
Auftrag der ARD und ihrer Partnersender ABC, BBC und NHK (Japan) im
Februar 2.737 repräsentativ ausgewählte Iraker über 15 Jahre befragt.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
Im Rückblick auf den Krieg sind die Iraker gespalten: 42 % der
Befragten verbinden mit dem Angriff der USA und ihrer Verbündeten die
„Befreiung des Iraks“, 41 % bewerten den Krieg als „Demütigung“. Auf
der Liste der drängendsten Probleme stehen Sicherheit, Arbeitsplätze
und sauberes Wasser ganz oben. Auffallend ist, dass sich die
Befragten eine verbesserte Sicherheit nicht von ausländischen Truppen
erwarten, sondern vorrangig durch die Schaffung von Arbeitsplätzen
und durch die Ausbildung und Stärkung der örtlichen Polizei. Genau
die Hälfte der Befragten erhofft sich auch vom Abzug der
Koalitionstruppen eine Verbesserung der Sicherheit.
Kaum Rückhalt gibt es für politisch motivierte Gewalt im Irak.
Während immerhin noch 17 % der Befragten Unterstützung für Anschläge
gegen Besatzungstruppen zeigen (mit dramatisch höheren Werten in
einzelnen Regionen), werden Attentate auf die irakische Polizei von
97 % der Bevölkerung abgelehnt.
Einig sind sich die Iraker im Bekenntnis zur nationalen Einheit:
Ein politisch vereintes Land mit einer Zentralregierung in Bagdad
wollen 79 %, 14 % bevorzugen einen föderalen Staat und nur 4 %
unterstützen unabhängige Regionalstaaten (z.B. im Kurdengebiet). Die
Umfrage belegt eine große Zufriedenheit der Menschen mit den
Lebensbedingungen im sozialen Nahbereich sowie einen großen
Optimismus gegenüber der Zukunft. Schulen, lokale Verwaltungen und
die neue irakische Polizei bekommen die höchste Zustimmung und
genießen das größte Vertrauen, während alle Institutionen der
Besatzungs- und Übergangseinrichtungen extrem negativ bewertet
werden. „Die Iraker sehen ihre Zukunft in der Stärkung ziviler
Institutionen wie Polizei, Bildung, lokaler Wirtschaft und
Verwaltung. Die Umfrage-Ergebnisse sind in diesem Bereich so
eindeutig, dass sie auch wichtige Hinweise für das ausländische
Engagement beim Wiederaufbau des Landes geben“, fasst Redakteur Arnd
Henze zusammen.
Die Umfrage wurde im Februar nach streng wissenschaftlichen
Maßstäben von irakischen Befragern durchgeführt, die dafür intensiv
vorbereitet und trainiert wurden. Die Interviews konnten trotz der
extrem angespannten Sicherheitslage vollständig durchgeführt und
ausgewertet werden. „Oxford Research International“ hat große
Erfahrung mit Untersuchungen in Übergangsgesellschaften. Die
Kooperation von ARD, ABC, BBC und NHK dokumentiert die politische
Unabhängigkeit der Umfrage: die vier Sender repräsentieren Länder,
die sich im Irakkonflikt unterschiedlich verhalten haben.
Die vollständige Umfrage ist im Internet unter
www.tagesschau.de zu finden. Sie kann unter Verweis auf die ARD
sowie auf „Oxford Research International“ zitiert und interpretiert
werden.
www.ard-foto.de
Rückfragen:
Arnd Henze, WDR-Programmgruppe Ausland, Tel. 0221/220-2382
Alexander Hack, WDR-Pressestelle, Tel. 0221-220 4869
ots-Originaltext: WDR Westdeutscher Rundfunk
Digitale Pressemappe: 
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