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WDR/SZ: Neues Ermittlungsverfahren gegen früheren Top-Manager Thomas Middelhoff

Köln (ots)

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat nach Recherchen von WDR und SZ 
ein neues Verfahren gegen den früheren Top-Manager und seinen 
Rechtsanwalt eingeleitet. Der Verdacht: Die beiden sollen Middelhoffs
Gläubigern rechtswidrig Millionen vorenthalten haben. 

Nach Recherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung hat die 
Staatsanwaltschaft Bielefeld ein neues Ermittlungsverfahren gegen ihn
und seinen langjährigen Rechtsanwalt und Vertrauten, Hartmut Fromm, 
eingeleitet. Wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte, geht 
es um Millionensummen, die Middelhoff trotz der drohenden Pleite 
verschoben haben und damit die wartenden Gläubiger betrogen haben 
soll. Fromm soll ihn dabei unterstützt haben.

Zu der neuen Ermittlung erklärte Middelhoff heute, ihm sei das 
Verfahren nicht bekannt, der Vorwurf des Bankrotts sei bereits 
abschließend durch die Staatsanwaltschaft Bochum geprüft und 
eingestellt worden, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld
würden seines Erachtens zu demselben Ergebnis führen. "Sollte ich 
trotz rechtlicher Beratung einen Beurteilungs- oder Ermessensfehler 
begangen haben, - den ich wirklich nicht erkennen kann - werde ich 
natürlich zu meiner Verantwortung stehen." In einer früheren Antwort 
zu den Vorgängen hatte Middelhoff gesagt, dass er zum Zeitpunkt der 
jetzt infrage stehenden Überweisungen noch gar nicht insolvent 
gewesen sei. "Asset Protection", also Schutzmaßnahmen für sein 
Vermögen, habe er  nur innerhalb des gesetzlich zulässigen Rahmens 
betrieben. Diese Maßnahmen seien jedoch wirkungslos geblieben. Er 
habe sein gesamtes Vermögen verloren.

Auch Hartmut Fromm ließ über seine Anwälte ausrichten,  die neuen 
Ermittlungen seien ihm nicht bekannt. Auch er verwies auf die 
eingestellten Ermittlungen der Bochumer.  
Tatsächlich ging die Staatsanwaltschaft Bochum dem Verdacht bereits 
2015 nach und stellte das Verfahren ein. Allerdings nur vorerst. Nun 
nehmen die Ermittler aus Bielefeld die Fährte wieder auf. Denn es 
gibt neue Hinweise. 

Die Informationen stammen von Middelhoffs Insolvenzverwalter Thorsten
Fuest. Nach Informationen von WDR und SZ hat Fuest in der vergangenen
Woche eine Zivilklage gegen Rechtsanwalt Fromm und dessen Kanzlei 
Buse Heberer Fromm eingereicht. Das Landgericht Bielefeld bestätigte 
den Eingang der Klage. Fuest verlangt darin rund 5,1 Millionen Euro 
zurück. Für Fuests Recherchen interessiert sich nun offenbar auch die
Staatsanwaltschaft.

Die Grundlage der Fuest-Klage ist  ein umfangreiches Gutachten der 
renommierten Wirtschaftskanzlei TaylorWessing. Ein Experte 
durchleuchtete darin Middelhoffs Vermögenstransfers in den Jahren 
2011 bis 2015. Den Insolvenzzeitpunkt setzt das Gutachten auf das 
Jahr 2011 fest. Danach  habe der einstige Top-Manager, der als Chef 
des Medienriesen Bertelsmann, Partner der Investmentfirma Investcorp 
und später an der Spitze der Karstadt-Mutter Arcandor Millionensummen
verdiente, gemeinsam mit seinem Anwalt Hartmut Fromm "systematisch" 
wesentliche Vermögensgegenstände auf Dritte übertragen, so die 
Einschätzung des Gutachters. Im Zentrum der Vorwürfe steht eine 
Hypothek. Über die Grundschuld auf die einstige Ferienvilla "Aldea" 
der Middelhoffs in St. Tropez sollen Millionen an eine Fromm 
nahestehende Firma geflossen sein, während die Gläubiger vergebens 
auf ihr Geld warteten. 

Ob eine "Bankrott"-Straftat vorliegt, hängt davon ab, wann dem 
einstigen Top-Manager de facto die Insolvenz drohte. Im März 2015 
meldete Middelhoff beim Amtsgericht Bielefeld seine Insolvenz an. 
Doch laut des Insolvenzgutachtens soll Middelhoff spätestens im 
Dezember 2011 zahlungsunfähig gewesen sein. Middelhoff bestreitet 
dies: Er sei fest vom Erfolg einer Schadensersatzklage gegen seine 
frühere Hausbank Sal. Oppenheim ausgegangen, habe eine 
Privatinsolvenz nicht kommen sehen.

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