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Kein soziales Netz für Waisenkinder: 37°-Doku über das Schicksal junger Vollwaisen in Deutschland

Mainz (ots) - In Deutschland gibt es kaum professionelle Hilfe für Waisenkinder. Mit der Volljährigkeit sind sie auf sich allein gestellt. Was es für junge Menschen bedeutet, neben dem traumatischen Verlust der Eltern oft auch noch existenzielle materielle Probleme verkraften zu müssen, zeigt die 37°-Dokumentation "Waisenkinder" von Norbert Buse, die das ZDF am Dienstag, 6. Dezember 2005, 22.15 Uhr ausstrahlt.

Der Autor begleitet vier junge Mädchen und Frauen, zwei Schwesternpaare aus Kiel und Berlin, bei dem schweren Versuch, den Verlust der Eltern zu verarbeiten und sich ein neues Leben aufzubauen. Seine erschreckende Bilanz: Es ist nicht möglich, allein mit diesem Schicksal fertig zu werden, doch es gibt in Deutschland kein soziales Netz, das solche Kinder und Jugendliche auffängt.

Die Berliner Studentin Stephanie (24) hat vor zwei Jahren ihre Mutter verloren. Gehirntumor, 42 Jahre alt. Der Vater starb kurz zuvor. Seither kämpft sie, um wieder zu funktionieren. Aber es klappt nicht. Monate verbrachte sie ausschließlich in der Wohnung, Alkohol und Drogen wurden ihre Begleiter. Zu dem seelischen Trauma kommen noch handfeste finanzielle Probleme: Ihre Eltern haben nur Schulden hinterlassen. Da die Ämter mit den Zahlungen nicht nachkommen, muss Stephanie aus der Wohnung raus. Um die größte Not zu lindern, geht sie Blut spenden. Ihre Schwester Franziska (20) sucht dringend nach einem Bürgen für ihr Schulgeld - bisher erfolglos. Doch damit nicht genug. Vom Arbeitsamt bekam die Berlinerin die Mitteilung, dass ihr die Gelder rückwirkend gestrichen werden: "Wovon soll ich dann leben?" fragt sie resigniert.

Wenn Minderjährige Vollwaisen werden, kommen sie meist zu Verwandten. So wie Rike aus Kiel, die mit 13 Jahren nach dem Herztod des Vaters zusammen mit ihrer Schwester Gesche zu ihrer Tante kam. Die Mutter der Mädchen war zuvor an Brustkrebs gestorben. Weil in der Pflegefamilie über den Tod der Eltern nicht gesprochen wurde, folgten Jahre der inneren Immigration. Die Angst vor Abschiebung in ein Heim dominierte lange ihr Leben. Bis heute kämpft die 23-Jährige mit dem Gefühl, kein Recht auf eine Heimat zu haben.

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