Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
++ Baustelle Wolfsburg: Verbändebündnis kritisiert Volkswagen AG vor Hauptversammlung I Stellenabbau, E-Autos und falsches Personal im Aufsichtsrat – neue Strategie ist überfällig ++
Pressemitteilung
17. Juni 2026 | 095 | Gemeinsame Pressemitteilung I Doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen
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Baustelle Wolfsburg: Verbändebündnis kritisiert Volkswagen AG vor Hauptversammlung
Stellenabbau, E-Autos und falsches Personal im Aufsichtsrat – neue Strategie ist überfällig
- Kritik an hoher Dividende bei gleichzeitigem Stellenabbau
- Arbeitsplatzerhalt durch kleine E-Autos und Fahrzeuge für den ÖPNV möglich
- Personalwechsel im Aufsichtsrat dringend nötig
Berlin/Köln. Im Vorfeld der morgen stattfindenden virtuellen Hauptversammlung der Volkswagen Group kritisieren der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre die Strategie des Konzerns. Beide Organisationen bewerten die zu hohe Dividende bei gleichzeitigem Stellenabbau in Stammwerken negativ und fordern den Konzern auf, seine Kräfte zu bündeln und vermehrt kleine, sparsame E-Autos aus Europa auf den Markt zu bringen.
Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND und Vorstandsmitglied des Dachverbands: „Volkswagen muss verstärkt in die Produktion kleiner, sparsamer E-Fahrzeuge ’Made in Europe’ investieren. Dafür müssen Finanzmittel im Unternehmen gehalten werden, statt sie durch vergleichsweise hohe Dividenden abfließen zu lassen. Es ist höchste Zeit, dass ID Polo, ID.1 und kleine, sparsame E-Fahrzeuge endlich auf die Straße kommen.“
Strategische Entscheidungen der Konzernspitze, wie der Export von in China statt in Europa entwickelten und gebauten Modelle für den Weltmarkt oder der Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten in den USA, sind kein gutes Zeichen für den Standort Europa.
Hilgenberg: „Ziel des Konzerns muss es sein, die europäischen Werke mit der Produktion gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch sinnvoller Fahrzeuge auszulasten und so Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Hier wären neben kleinen, sparsamen E-Autos auch Fahrzeuge für einen modernen ÖPNV denkbar. Volkswagen muss seine weitreichende soziale und ökologische Verantwortung in Deutschland und Europa stärker wahrnehmen.“
Dieselskandal und Wiederwahl Aufsichtsrat
Ursächlich für den Gewinneinbruch des Konzerns ist auch ein Strategiewechsel bei Porsche und Scout und damit verbundene, hohe Investitionen erneut in Verbrennertechnologie. Dabei wirft der Diesel-Abgasskandal noch immer weite Schatten auf den Konzern.
Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre verweist in diesem Zusammenhang auf die Rolle des wieder zur Wahl stehenden Aufsichtsratschefs: „Die vorgeschlagene Wiederwahl von Hans Dieter Pötsch widerspricht den Grundsätzen einer guten, transparenten und verantwortungsvollen Konzernführung. Pötschs langjährige Rolle bei Volkswagen ist untrennbar mit einer mangelhaften Aufarbeitung des Diesel-Abgasskandals verbunden. Das hat den Konzern neben Glaubwürdigkeit und Renommee bisher weit über 30 Milliarden Euro gekostet.“ Der Dachverband fordert im Namen zahlreicher Kleinaktionären personelle Veränderungen im Aufsichtsrat.
Daten und Fakten zum Geschäftsjahr 2025 der Volkswagen Group:
- Dividende: Obwohl sich der Gewinn vor Steuern 2025 (9,3 Milliarden Euro) im Vergleich zu 2024 (16,8 Milliarden Euro) deutlich reduziert hat, soll die Dividende nur gering sinken. (Dividendenempfehlung 2025: 5,20 Euro, Dividende 2024: 6,36 Euro) Die Gesamtsumme der geplanten Dividendenauszahlung liegt somit bei rund 2,6 Milliarden Euro. (Quelle: Geschäftsbericht 2025 der Volkswagen Group und eigene Berechnungen)
- Fahrzeuge: Fahrzeugabsatz Volkswagen Group: 9,02 Millionen Fahrzeuge. Davon Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor: 8,03 Millionen Fahrzeuge (89 Prozent).
- VW ist mit E-Autos in Westeuropa recht gut aufgestellt, rund jedes fünfte Auto ist hier ein E-Auto. Weltweit haben rund 89 Prozent der 2025 verkauften Fahrzeugen noch immer einen Verbrennungsmotor, im Bereich Asien-Pazifik sogar rund 95 Prozent. Das zeigt, wie schlecht VW in Sachen E-Autos weltweit und insbesondere auf dem boomenden Markt China aktuell aufgestellt ist.
- Die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Neuwagenflotte Pkw in der EU sind merklich gesunken: 100 g/km CO2 2025 nach 118 g/km CO2 in 2004 (vorbehaltlich der Bestätigung im Rahmen der offiziellen Veröffentlichung der EU-Kommission).
Mehr Informationen:
- Gegenanträge des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
- Kontakt: Jens Hilgenberg, BUND Leiter Verkehrspolitik, Tel. + 49 30 27586 467, E-Mail: jens.hilgenberg(at)bund.net Markus Dufner, Geschäftsführer, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Tel. + 49 221 5995647, E-Mail: dachverband(at)kritischeaktionaere.de
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