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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)

++ Wandel & Widerstand – Der kritische Agrarbericht 2026 | ​Agrarpolitik im Rückwärtsgang: Reformen stocken, Höfe unter Druck ++

Pressemitteilung

15. Januar 2026 | 005 | Gemeinsame Pressemitteilung | Doppelsendungen bitten wir zu entschuldigen

BUND-Pressestelle

Tel.: 030 - 27586 - 109

presse@bund.net

Wandel & Widerstand – Der kritische Agrarbericht 2026

Agrarpolitik im Rückwärtsgang: Reformen stocken, Höfe unter Druck

  • Umfassende Analyse der agrar- und ernährungspolitischen Entwicklungen
  • Zentrale Regeln und Ordnungsrecht werden geschwächt
  • Politik lässt Bäuerinnen und Bauern im Stich

Statt der Agrar- und Ernährungswende droht ein Rückschritt: Unter dem Deckmantel „Bürokratieabbau“ werden zentrale Regeln in Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutz infrage gestellt. Der Kritische Agrarbericht 2026 zeigt, was auf dem Spiel steht – und warum es jetzt politische Mehrheiten für eine gemeinwohlorientierte Agrarförderung braucht.

Berlin. Mit dem Kritischen Agrarbericht 2026 legt das AgrarBündnis gemeinsam mit zahlreichen Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft erneut eine umfassende Analyse der agrar- und ernährungspolitischen Entwicklungen vor.

Die Bilanz ist ernüchternd: Statt die Agrar- und Ernährungswende konsequent umzusetzen, geraten Reformen ins Stocken – und in mehreren Bereichen werden Standards sogar aufgeweicht.

Unter dem Stichwort „Bürokratieabbau“ werden derzeit zentrale Regeln und Instrumente des Ordnungsrechts geschwächt – etwa bei Pestiziden, Düngerecht, Bodenmarkt, Tierschutz und der geplanten Lockerung der Regeln für Neue Gentechnik.

Damit geraten das Vorsorgeprinzip, Umwelt- und Verbraucherschutz sowie faire und verlässliche Rahmenbedingungen für den Agrarmarkt unter Druck.

„Genau dafür müssen Landwirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik in den kommenden Jahren streiten und Mehrheiten organisieren: für eine Agrarförderung, die Geld dorthin lenkt, wo sie Landwirtschaft, Umwelt, Klima und Tierschutz nachweislich stärkt – und damit Betriebe und ländliche Regionen zukunftsfähig macht“, sagt Karin Jürgens, Geschäftsführerin des Agrarbündnis.

Der kritische Agrarbericht 2026 steht unter dem Themenschwerpunkt „Wandel & Widerstand“ und diskutiert, wie Verständigung und Reformfähigkeit unter schwieriger werdenden politischen Bedingungen gelingen können.

Stimmen aus den Mitgliedsverbänden (O-Töne):

Die Podiumsteilnehmer*innen – Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsverbände – warnen vor einem agrarpolitischen Rollback: Statt Reformen voranzutreiben, drohen Rückschritte bei Umwelt-, Klima- und Tierschutz, eine Rückkehr zu pauschalen Flächenprämien sowie ein gefährlicher Kurs bei Neuer Gentechnik. Sie fordern klare Regeln, verlässliche Finanzierung und Transparenz – für den Erhalt bäuerlicher Betriebe und einen zukunftsfähigen Umbau der Tierhaltung.

Olaf Bandt, Vorsitzender, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), erklärt: „Eine zukunftsfähige Landwirtschaft und ein widerstandsfähiges Ernährungssystem brauchen starke bäuerliche Betriebe – egal ob ökologisch oder konventionell. Bäuerinnen und Bauern müssen von ihrer Arbeit leben, und auch mit dem Schutz von Natur, Klima und Tieren ein verlässliches Einkommen erzielen können. Doch dabei lässt sie die aktuelle Politik im Stich. Statt nach vorne zu gehen, wird der Rückwärtsgang eingelegt. Regelungen werden aufgeweicht, Förderungen gestrichen, Kennzeichnungen verschleppt. Die Bundesregierung verwässert das Düngerecht, stoppt die Förderung des Stallumbaus und verschleppt die von Verbraucher*innen und Handel gewollte Tierhaltungskennzeichnung. Auch auf EU-Ebene drohen Rückschritte – beim Schutz vor Gentechnik und Pestiziden und bei der Gemeinsamen Agrarpolitik, die nach Willen der EU-Kommission Steuergeld wieder vor allem nach Fläche verteilen soll. Das zerstört Lebensgrundlagen, ignoriert Verbraucherwünsche und gefährdet Höfe. Schluss mit diesem Rollback. Es braucht verlässliche Lösungen für Natur-, Tier-, Klima- und Umweltschutz und für den Erhalt bäuerlicher Betriebe.“

Claudia Gerster, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), warnt mit Blick auf die laufenden Debatten zur GAP: „Wenn es nach der Europäischen Kommission geht, sind in der GAP ab 2028 keine Gelder mehr für die Leistungen von Bäuerinnen und Bauern im Umwelt-, Klima- und Tierschutz reserviert. Landwirtschaftliche Betriebe sollen den Hauptteil der rund 300 Milliarden Euro an EU-Geld stattdessen wieder als Flächenprämien erhalten. Sollte das so kommen, werden gerade die Landwirtinnen und Landwirte systematisch wirtschaftlich geschwächt, die bereits heute besonders ressourcenschonend wirtschaften. Das ist eine weitere Rolle rückwärts in der Agrarpolitik, die auch die Legitimation der GAP als Ganzes massiv gefährdet. Minister Rainer und die Abgeordneten im Europaparlament müssen dafür sorgen, dass die bereits existierenden Mindestbudgets der Öko-Regelungen und Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen in der GAP erhalten bleiben und ausgebaut werden. Alles andere würde die Industrialisierung der Landwirtschaft abermals massiv vorantreiben.“

Carolin Pagel, Vorstandsmitglied im AgrarBündnis und Leiterin Agrarpolitik Bioland e.V. ordnet das Motto „Wandel und Widerstand“ mit Blick auf das hochaktuelle Thema Neue Gentechnik ein: „Neue Gentechnik wird als Innovation und Fortschritt beworben, doch bislang fehlen belastbare, breit wirksame Erfolge im Pflanzenbau. Gleichzeitig wachsen Risiken wie Abhängigkeiten, zunehmende Konzernmacht sowie der Verlust von Wahlfreiheit, Transparenz und somit der Ernährungssouveränität. Der Ökolandbau hält dagegen, denn er steht für einen zukunftsfähigen Innovationspfad, der auf Vielfalt, frei zugängliches Saatgut und Ganzheitlichkeit setzt. Wir fordern die Politik, insbesondere das EU-Parlament, auf, sich nicht von vagen Versprechen täuschen zu lassen, sondern die Notbremse zu ziehen. Wir brauchen eine klare Kennzeichnung zum Schutz der Verbraucher sowie wirksame Patentbegrenzung zum Schutz der Landwirte. Im Ökolandbau arbeiten wir auch künftig ohne Gentechnik - für die Zukunft einer Landwirtschaft, die Wandel gestaltet, ohne ihre Prinzipien zu verraten.“

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kritisiert die aktuelle Ausrichtung der Bundesregierung deutlich: „Dem Bundeslandwirtschaftsminister fehlt der Weitblick - es gibt kein strategisches Ziel, wie die Tierhaltung in Deutschland künftig aussehen soll. Stattdessen setzt man weiter auf Instrumente wie das staatliche Tierhaltungskennzeichen. Das ist, als würde man ein Haus bauen, bevor man das Grundstück gekauft hat: Man gestaltet Details, ohne das Fundament zu planen. Diese plan- und ziellose Agrarpolitik lässt tierschutzwidrige Haltungsformen unangetastet, beschleunigt das Höfesterben und lässt den Frust größer werden. Die Bundesregierung muss den Stillstand beenden. Nur mit verbindlichen Maßnahmen, klaren Zielen, konkreten Zeitplänen und ausreichender Finanzierung kann sie das Staatsziel Tierschutz erfüllen und die landwirtschaftliche Tierhaltung zukunftsfähig machen. Der Wandel muss jetzt kommen. Tierschutz darf kein Lippenbekenntnis bleiben.“

Hintergrund:

  • 10 x 5 Kernforderungen an die Politik: Das AgrarBündnis bietet mit dem jährlich erscheinenden Kritischen Agrarbericht eine Informations- und Diskussionsplattform für die nachhaltige Transformation von Landwirtschaft und Ernährung – in Deutschland, Europa und weltweit. Die Autorinnen und Autoren der Jahresrückblicke (Entwicklungen & Trends) zu den zehn Themenschwerpunkten haben auch in diesem Jahr jeweils fünf zentrale politische Forderungen formuliert. Diese 10 × 5 Kernforderungen richten sich vor allem an die neue Bundesregierung sowie an weitere politische Entscheidungsträger*innen und Akteurinnen und Akteure der Zivilgesellschaft.

Mehr Informationen:

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit über 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.

Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Nicole Anton (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin

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