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Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)

Forschung und Innovation als Sicherheitsfaktor für Deutschland
EFI-Gutachten 2026 an Bundeskanzler übergeben

Berlin (ots)

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat heute ihr neues Jahresgutachten an die Bundesregierung übergeben. Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen, die die Politik sowohl in strategischer als auch in technologischer Hinsicht vor neue Herausforderungen stellen, widmet sich die EFI u.a. ausgewählten Aspekten sicherheitsrelevanter Forschung und Innovation.

Sicherheitspolitische Strategiefähigkeit erhöhen

Damit die Politik in einem Umfeld sich wandelnder Bedrohungslagen informiert und strategisch versiert handeln kann, muss sie auf Expertise zu sicherheitsbezogenen Herausforderungen und zu den entsprechenden politischen Handlungsoptionen zurückgreifen können. "In Deutschland sollten die sicherheitspolitisch relevante Forschung und Lehre sowie der damit verbundene Wissenstransfer gestärkt werden", sagt die stellvertretende EFI-Vorsitzende, Prof. Carolin Häussler von der Universität Passau, und ergänzt: "Wir benötigen wissenschaftliche Leuchttürme, die sicherheitspolitisch relevante Themen bearbeiten".

Die EFI schlägt vor, im Bereich der sicherheitspolitisch relevanten Forschung und Lehre eine kleine Anzahl von exzellenten Einrichtungen auf- bzw. auszubauen, die gemeinsam vom Bund und dem jeweiligen Sitzland gefördert werden sollten. Darüber sollte der Wissenstransfer zwischen Forschung und Politik intensiviert werden - etwa über Auftragsforschung oder Dialogformate.

Kreis der Akteure bei sicherheitsrelevanter Forschung und Innovation erweitern

Die EFI-Vorsitzende, Prof. Irene Bertschek vom ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, konstatiert: "Neue technologische Lösungen zur Bewältigung sicherheitspolitischer Herausforderungen werden nicht notwendigerweise von den etablierten Akteuren hervorgebracht. Um neue wissenschaftliche und unternehmerische Potenziale zu erschließen, sollte der Kreis der Akteure, die sicherheitsrelevante Forschung und Innovation betreiben, erweitert werden."

Seitens der Unternehmen besteht durchaus Interesse, sich stärker im Sicherheitsbereich zu engagieren. Eine im September 2025 im Auftrag der EFI durchgeführte Befragung ergab, dass 15,9 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes Produkte oder Dienstleistungen in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung anbieten; gut die Hälfte von ihnen (8,3 Prozent) plant hier eine Intensivierung. Bei 6,1 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe umfasst das Produkt- oder Dienstleistungsportfolio zwar noch nicht die Bereiche Sicherheit oder Verteidigung, aber eine entsprechende Ausweitung des Portfolios ist vorgesehen.

Strukturen für Vernetzungs- und Kooperationsaktivitäten können dazu beitragen, die Potenziale von bisher nicht im Sicherheitsbereich tätigen Akteuren zu erschließen. Das neue Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding z.B. bietet die Möglichkeit, die Kooperation zwischen Forschungs- und Innovationsakteuren und der Bundeswehr zu verbessern. Die Bundeswehr sollte zudem eine Strategie für Gründungen aus der Bundeswehr entwickeln.

Potenziale der innovationsorientierten Beschaffung von Verteidigungsgütern nutzen

"Angesichts sich wandelnder Bedrohungslagen ist es für Abschreckung und Verteidigung von hoher Bedeutung, dass die Beschaffungen für die Bundeswehr sowohl rasch als auch innovationsorientiert erfolgen", betont Häussler. Die EFI begrüßt deshalb, dass das im Januar dieses Jahres beschlossene Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetz nicht nur darauf abzielt, Beschaffungen für die Bundeswehr zu beschleunigen, sondern auch Regelungen zu Innovationspartnerschaften, Markterkundungen, funktionalen Leistungsbeschreibungen und Wettbewerben enthält. "Es gilt nun", so Häussler, "die vergaberechtlichen Möglichkeiten des neuen Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetzes für eine innovationsorientierte Beschaffung aktiv zu nutzen."

Zuständig für die Ausstattung der Bundeswehr ist das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Die EFI spricht sich dafür aus, innerhalb des BAAINBw einen eigenständigen "Arm" aufzubauen, der für die Beschaffung innovativer Produkte und Leistungen zuständig ist und dementsprechend sehr innovationsfördernd agiert - mit hohem Maß an Freiheit und positiver Fehlerkultur.

Um der innovationsorientierten Beschaffung für die Bundeswehr schnell mehr Gewicht zu verleihen, wäre die - ggf. befristete - Einführung einer Quote denkbar. So könnte etwa ein vorab festgelegter Anteil des Budgets für Bundeswehrbeschaffungen im Rahmen innovationsorientierter Beschaffungsinstrumente zu verausgaben sein.

Entstehung von Sprunginnovationen forcieren

Die Entstehung von Sprunginnovationen im Verteidigungsbereich sollte außerhalb der klassischen Beschaffungsstrukturen und -prozesse durch den Ausbau der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND oder durch die Gründung einer eigenständigen Agentur gefördert werden. Diese Agentur kann dann strategische Partnerschaften mit Agenturen sowohl anderer EU-Staaten als auch anderer NATO-Staaten schließen oder zu einer europäischen Agentur ausgebaut werden.

Pressekontakt:

Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
Dr. Helge Dauchert
Leiter der Geschäftsstelle
Pariser Platz 6 | 10117 Berlin
T +49 (0) 30 322 982 562
helge.dauchert@e-fi.de

Original-Content von: Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), übermittelt durch news aktuell

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