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Forschungsprojekt der Uni Osnabrück: Was reizt junge Männer an der „Manosphere“?

Forschungsprojekt der Uni Osnabrück: Was reizt junge Männer an der „Manosphere“?
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Was fasziniert insbesondere junge Männer an der sogenannten Manosphere, zu Deutsch: Mannosphäre? Also diesem losen digitalen Netzwerk aus Internetforen, Blogs und Social-Media-Accounts, das sich intensiv mit Männlichkeit auseinandersetzt und oft frauenfeindliche oder verschwörungstheoretische Inhalte verbreitet? Diesen Fragen gehen derzeit Prof. Dr. Kristin J. Anderson und Prof. Dr. Alexander De Juan von der Universität Osnabrück nach; dabei beschäftigen sie sich insbesondere mit den Verbindungen der Manosphere zu rechtsextremen Parteien und Gruppierungen.

Was reizt junge Männer an der „Manosphere“?

Erstmals Hannah-Arendt-Stipendiatin an der Universität Osnabrück

Was fasziniert insbesondere junge Männer an der sogenannten Manosphere, zu Deutsch: Mannosphäre? Also diesem losen digitalen Netzwerk aus Internetforen, Blogs und Social-Media-Accounts, das sich intensiv mit Männlichkeit auseinandersetzt und oft frauenfeindliche oder verschwörungstheoretische Inhalte verbreitet? Diesen Fragen gehen derzeit Prof. Dr. Kristin J. Anderson und Prof. Dr. Alexander De Juan von der Universität Osnabrück nach; dabei beschäftigen sie sich insbesondere mit den Verbindungen der Manosphere zu rechtsextremen Parteien und Gruppierungen.

Kristin J. Anderson ist Professorin für Psychologie und im Rahmen des Hannah Arendt Fellowship von der University of Houston-Downtown in Texas nach Osnabrück gekommen. Hier wird sie sechs Monate lang gemeinsam mit Prof. Dr. Alexander De Juan an dem Forschungsprojekt arbeiten.

Das Hannah Arendt Fellowship ist ein neues Programm, das zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt dazu einlädt, an einer niedersächsischen Universität zum Thema Demokratie zu forschen; Prof. Dr. Kristin J. Anderson ist eine von ihnen.

Obwohl Prof. De Juan Politikwissenschaftler ist und Prof. Anderson aus der Psychologie kommt, passen die Forschungsschwerpunkte der beiden Wissenschaftler gut zusammen: „Ich beschäftige mich mit politischen Einstellungen und Verhaltensweisen – da gibt es immer auch eine psychologische Komponente“, sagt Prof. De Juan, und Prof. Anderson bestätigt: „Die Schnittmenge ist groß.“

Allgemein würden Forschende seit Jahren einen deutlichen gesellschaftlichen Trend beobachten, sagt Prof. Anderson: Junge Männer bewegen sich politisch zunehmend nach rechts, während sich die Einstellungen junger Frauen deutlich weniger verändert haben. „Früher galt die Regel, dass eher ältere Menschen konservativ wählen. Heute erleben wir eine starke Verschiebung bei jungen Männern. Das sehen wir sowohl in Europa als auch in den USA“, erläutert die Psychologieprofessorin. „Uns interessiert, wie Online-Communities jungen Männern Erklärungen für ihre Frustrationen liefern: Wer angeblich schuld ist, worauf sich ihre Wut richten soll – und wie rechte Parteien das politisch nutzen.“

Tatsächlich gebe es viele ideologische Überschneidungen zwischen den „Manfluencern“ und rechtspopulistischer Programmatik, sagt Prof. Alexander De Juan: „Manfluencer übernehmen die Rekrutierungsarbeit. Sie vermitteln das Gefühl einer männlichen kollektiven Identität und einer gemeinsamen Benachteiligung. Rechtsradikale Akteure greifen das auf und verknüpfen es mit ihrer eigenen politischen Agenda.“

Um diese Mechanismen genauer zu untersuchen, wollen die beiden Forschenden eine Umfrage unter jungen deutschen Männern durchführen. Teilnehmern der Studie werden kurze Videos gezeigt, die typische Inhalte der Manosphere wiedergeben. Zudem sollen ihnen verschiedene Formen von Gegenbotschaften gezeigt werden, die darauf abzielen, die mobilisierende Wirkung der Videos abzuschwächen. „Wir wollen zum einen wissen, wie sehr junge Männer auf diese Inhalte anspringen, zum anderen, welche Arten von Gegen-Framing tatsächlich dagegenwirken“, erläutert Prof. De Juan.

Den Auswirkungen der durch die antifeministischen Online-Communities beflügelten MAGA-Bewegung begegnet Prof. Dr. Kristin J. Anderson in den USA täglich: „Gerade in Texas ist es extrem“, sagt die Wissenschaftlerin, die in Kalifornien aufgewachsen ist. Die Repressionen der US-Regierung gegen Universitäten machten international Schlagzeilen. „Meine Forschung ist davon bislang noch nicht betroffen – die Lehre ist es aber schon.“ Bestimmte Inhalte und Seminare könnten nicht mehr angeboten werden, und viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler würden derzeit ihre Optionen jenseits der USA prüfen.

Doch erst einmal genießt Prof. Anderson ihre Zeit in Deutschland, das sie bislang nur von einer kurzen Reise in ihrer Jugend und von Vortragsaufenthalten in Berlin kannte. Ihr bisheriger Eindruck? „Ich finde es großartig. Ich wohne nur zwei Minuten von der Universität entfernt, und hier gibt es so wenige Autos und so viele Fahrradfahrer“, sagt sie. Und noch eine Sache sei ihr aufgefallen: „Ich weiß ja, was andere sagen – aber das Bahnfahren fand ich bislang auch sehr unkompliziert und zuverlässig.“

Nun – sie ist ja erst seit Kurzem in Deutschland.

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Alexander De Juan, Universität Osnabrück

Institut für Sozialwissenschaften

E-Mail: alexander.dejuan@uni-osnabrueck.de

Cornelia Achenbach, Universität Osnabrück
Kommunikation und Marketing / Redakteurin
Neuer Graben 29/Schloss, 49074 Osnabrück

E-Mail: cornelia.achenbach@uni-osnabrueck.de

Weiteres Material zum Download

Dokument:  074_PM_Manosphere_Juni_2026.docx