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Neue Presse Hannover: Kommentar zu Seehofer von Claus Lingenauber

Hannover (ots) - Seit Thilo Sarrazin die Integrationsdebatte mit seinen - teils abstrusen - Thesen kräftig angeheizt hat, ist das Thema in Talkshows und Parlamenten rauf und runter diskutiert worden. Dabei wurde manch Sinniges, aber auch viel Unsinniges erzählt. Umso erfreulicher war es daher, als der Bundespräsident vor einer Woche betonte, dass er auch der Präsident der hier lebenden Muslime sei und der Islam inzwischen ebenfalls zur deutschen Kultur gehöre. Für diese Aussagen heimste Wulff anfänglich viel Lob ein, doch immer mehr zeigt sich, dass viele Konservative in diesem Lande noch lange nicht so weit sind. Nicht wenige scheinen die zuletzt auch in der Union gereifte Erkenntnis, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, wieder rückgängig machen zu wollen. Etwa wenn CSU-Chef Seehofer, seines Zeichens Ministerpräsident in München, jetzt fordert, die Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen zu stoppen - um dann ausdrücklich, da ist er ganz nah beim selbsternannten Gentheoretiker Sarrazin, Türken und Araber zu nennen. Mal wieder spielt der Provokateur Seehofer die populistische Karte. Wenn wir aber Zuwanderung brauchen, weil unsere Gesellschaft rapide altert und schon jetzt Fachkräftemangel herrscht, kann es keine Auswahl nach Nationen geben, sondern nur nach Qualifikation. Ein Klima, wie es Seehofer, Sarrazin und Co. erzeugen, wird jedoch keinen indischen Computerexperten nach Deutschland locken. Etwas weniger Stammtisch, Herr Seehofer! Sonst fragt vielleicht noch jemand angesichts der vielen bajuwarischen Eigenarten, wie viel Bayern diese Republik kulturell eigentlich verträgt.

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