Studie: Strategische Verantwortung von General Counsels wächst /// Sanktionen prägen Agenda europäischer Rechtsabteilungen
Studie: Strategische Verantwortung von General Counsels wächst /// Sanktionen prägen Agenda europäischer Rechtsabteilungen
Die Bedeutung der Chef-Juristen in Unternehmen hat weltweit spürbar zugenommen. An nahezu vier von fünf Vorstandssitzungen (79 Prozent) haben die Leiter der Rechtsabteilungen zuletzt persönlich teilgenommen, im Vorjahr waren es zwei Drittel (65 Prozent) der Sitzungen. 70 Prozent berichten, dass Führungskräfte sie „fast immer“ aktiv in operative Themen mit einbeziehen. 62 Prozent werden grundsätzlich bei strategischen Entscheidungen hinzugezogen. Das ist das Ergebnis des Chief Legal Officer (CLO) Survey 2026 der Association of Corporate Counsel (ACC) und der Unternehmensberatung FTI Consulting. Weltweit wurden 1.049 Leiter von Rechtsabteilungen in 43 Ländern befragt.
- Datenschutz, M&A und geopolitische Risiken sind für den Vorstand die relevantesten Rechtsthemen
- 69 Prozent planen verstärkte Investitionen in Generative Künstliche Intelligenz (KI) in ihren Rechtsbereichen
- Vor allem europäische Unternehmen zeigen sich mit ersten KI-Experimenten zufrieden
84 Prozent der Befragten berichten direkt an den Chief Executive Officer (CEO), 42 Prozent ausschließlich oder zusätzlich an den Chief Financial Officer (CFO) und 17 Prozent an den Chief Operating Officer (COO). Während mehr als die Hälfte (55 Prozent) angegeben hat, im eigenen Unternehmen als „General Counsel“ bezeichnet zu werden, trägt jeder Dritte (34 Prozent) weltweit den Titel „Chief Legal Officer“. In Europa ist das heute bereits bei jedem Fünften (21 Prozent) der Fall.
„Die Zahlen zeigen, dass Rechtsabteilungen heute systematisch früher und enger in unternehmerische Entscheidungen eingebunden sind“, sagt Stefan Heissner, Leiter des Bereichs Forensic & Litigation bei FTI Consulting DACH. „Strategische Projekte – etwa Markteintritte, größere Investitionen oder M&A-Transaktionen – werden von Beginn an rechtlich mitgedacht. Das erfordert von General Counsel ein ausgeprägtes Verständnis für Geschäftsmodelle und Wertschöpfung sowie die Fähigkeit, nicht nur juristisch, sondern auch in der Sprache des Managements zu argumentieren.“
Jeder dritte europäische Chefjurist benennt Sanktionen als Priorität
Während die formale Einbindung zunimmt, verschiebt sich zugleich der inhaltliche Schwerpunkt der Arbeit. In Europa berichten 61 Prozent der Chefjuristen, dass ihre Expertise insbesondere im Bereich Datenschutz auf Vorstandsebene gefragt ist. Ebenso relevant sind Merger & Acquisitions (M&A) sowie geopolitische Risiken (jeweils 57 Prozent). Für 48 Prozent spielt auch ESG weiterhin eine zentrale Rolle – deutlich mehr als im globalen Durchschnitt (26 Prozent).
Ein besonders ausgeprägter Unterschied zeigt sich beim Thema Sanktionen: Für 34 Prozent der europäischen Unternehmen zählen sie zu den wichtigsten regulatorischen Themen. Insgesamt werden sie von europäischen General Counsel als zweitwichtigstes Bedrohungsfeld für ihre Unternehmen nach industriespezifischer Regulierung (61 Prozent) bewertet. Weltweit hingegen nennen nur 13 Prozent Sanktionen als prioritäres Thema. Beim Umgang mit Zöllen herrscht größere Einigkeit: 30 Prozent (global) und 29 Prozent (Europa) sehen hier eine zentrale Herausforderung.
„Europäische Unternehmen bewegen sich in einem hochkomplexen Sanktionsumfeld. Der Krieg in der Ukraine hat diese Dynamik nochmals verschärft“, sagt Stefan Heissner. „Investitionsentscheidungen, Lieferketten oder Finanzierungsstrukturen können innerhalb kurzer Zeit regulatorisch neu bewertet werden. Das zwingt Unternehmen dazu, geopolitische Entwicklungen kontinuierlich in ihre Entscheidungsprozesse zu integrieren. Die Rechtsabteilung wird damit zu einer zentralen Instanz für Risikotransparenz.“
Zugleich zeigt die Studie, dass regulatorische Anforderungen weltweit insgesamt zunehmen. Entscheidungen müssen immer häufiger unter Berücksichtigung mehrerer, teilweise widersprüchlicher Rechtsräume getroffen werden.
„Es geht nicht nur darum, Sanktionen oder Bußgelder zu vermeiden“, sagt Stefan Heissner. „Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle so strukturieren, dass sie regulatorische Volatilität aushalten. Das erfordert juristische Szenarioanalysen – und eine enge Abstimmung mit Vorstand und operativen Einheiten.“
KI-Investitionen sind strukturelle Antwort auf steigende Anforderungen
Parallel zu den steigenden regulatorischen Anforderungen investieren Rechtsabteilungen massiv in Technologie. 69 Prozent der befragten General Counsel weltweit geben an, dass ihre Unternehmen in den kommenden 24 Monaten verstärkt in Generative Künstliche Intelligenz investieren werden. In Europa liegt dieser Wert mit 77 Prozent noch höher.
Damit ist KI mit deutlichem Abstand die wichtigste technologische Investition im Rechtsbereich – vor Software für Vertragsmanagement (55 Prozent) und Dokumentenmanagement (24 Prozent). 36 Prozent testen KI-Anwendungen bereits in einzelnen Fällen. In Europa berichten 24 Prozent der Befragten, mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden zu sein – im globalen Vergleich (14 Prozent) ein deutlich höherer Wert.
Gleichzeitig erwarten die wenigsten eine Verkleinerung ihrer Abteilungen: Nur neun Prozent weltweit rechnen mit Personalabbau, 63 Prozent gehen von stabilen Strukturen aus, vier Prozent sogar von einem Stellenaufbau. 23 Prozent halten eine belastbare Prognose derzeit noch für verfrüht.
„Die Investitionen in KI sind keine kurzfristige Effizienzmaßnahme, sondern eine strukturelle Anpassung an dauerhaft steigende Anforderungen“, sagt Renato Fazzone, Co-Leiter des Technologie-Segments bei FTI Consulting in Europa (EMEA). „Rechtsabteilungen müssen heute große Datenmengen aus internen Systemen, E-Mails, Verträgen und externen Quellen analysieren und bewerten. Ohne technologische Unterstützung ist das in angemessener Zeit kaum noch möglich.“
Zugleich entstehen durch den Einsatz von KI neue Fragestellungen. „Unternehmen müssen nachvollziehen können, wie KI-gestützte Entscheidungen zustande kommen, welche Daten verwendet werden und welche Risiken daraus entstehen“, sagt Renato Fazzone. „Für die forensische Praxis wird es künftig entscheidend sein, Interaktionen zwischen Mensch und KI nachvollziehbar zu analysieren. Das ist ein neues Prüf- und Bewertungsfeld, auf das sich Rechtsabteilungen frühzeitig einstellen sollten.“
Über die Studie:
Der Chief Legal Officer (CLO) Survey 2026 ist eine jährlich erscheinende internationale Erhebung der Association of Corporate Counsel (ACC), die in Kooperation mit FTI Consulting erstellt wurde. In der aktuellen Ausgabe wurden 1.049 General Counsel und Chief Legal Officers aus 43 Ländern und 20 Branchen befragt. Die Studie untersucht zentrale Trends in der Rolle der Rechtsabteilungen, ihre Einbindung in Vorstand und Geschäftsleitung, regulatorische Herausforderungen sowie technologische und personelle Entwicklungen. Neben dem globalen Gesamtbericht liegen regionale Sonderauswertungen, unter anderem für Europa, vor.
Die vollständige Untersuchung erhalten Sie hier:
https://www.ftitechnology.com/resources/white-papers/2026-acc-chief-legal-officers-survey
Über FTI Consulting
FTI Consulting, Inc. ist eine weltweit führende Beratung für Unternehmen in Krisen und Transformationen mit mehr als 8.100 Expertinnen und Experten in 32 Ländern und Territorien zum 31. Dezember 2025. In bestimmten Ländern werden die Dienstleistungen von FTI Consulting durch eigenständige juristische Einheiten erbracht, die separat kapitalisiert und unabhängig verwaltet werden. FTI Consulting erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 3,8 Milliarden US-Dollar. Weitere Informationen unter www.fticonsulting.com
FTI Consulting Deutschland GmbH
Taunusanlage 9-10 | Marienturm
60329 Frankfurt
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