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10.03.2019 – 12:58

Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadt-Anzeiger: Präsident des Evangelischen Kirchentags verlangt von katholischer Kirche verstärkte Anstrengungen zur Aufklärung des Missbrauchsskandals

Köln (ots)

Präsident des Evangelischen Kirchentags verlangt von katholischer Kirche verstärkte Anstrengungen zur Aufklärung des Missbrauchsskandals/Hans Leyendecker: Der Mühlstein wird immer schwerer/Ausschluss von AfD-Vertretern auf dem Dortmunder Kirchentag verteidigt: "Wir wollen keine rassistische Hetze à la Gauland, Weidel und Höcke" Köln. Unmittelbar vor der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema Missbrauch hat der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT), Hans Leyendecker, den Stand der Aufklärung im Bereich der katholischen Kirche kritisiert. Die "immer noch nicht erfolgte Öffnung der Archive oder die mangelnde Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft ist mir schleierhaft", sagte Leyendecker dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag-Ausgabe). "In ökumenischer Solidarität haben wir ein großes Interesse daran, dass die Verbrechen in den Kirchen aufgeklärt werden." In dramatischen Worten charakterisierte der frühere Leitende Redakteur der Süddeutschen Zeitung die Lage beider Kirchen unter dem Eindruck der Missbrauchskrise. "Wir spüren, dass der Mühlstein immer schwerer wird. Einer Kirche, die sich auf Jesus Christus beruft, zieht Missbrauch den Boden weg." Wenn sich nichts ändere, "verstärkt das nur die Wahrnehmung, dass die Kirche zu nichts Gutem mehr taugt." Missbrauch sei nicht allein ein katholisches Problem, stellte der DEKT-Präsident klar. "Aber Verlauf und Ausgang des Krisengipfels in Rom fand ich schon sehr enttäuschend. Wie sich die Bischöfe treffen und die Opfer vor der Tür stehen lassen konnten, ist mir schleierhaft." Der Kirchentag werde sich dem Thema stellen, kündigte Leyendecker vor einer Pressekonferenz an diesem Montag (11.03.) zur Präsentation des Programms für den 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni an. Dem Kirchentag gegenüber nehme er keine Negativstimmung wahr, sagte Leyendecker. "Aber für die Kirchen gilt, was ich seit langem sage: Wir gewinnen und verlieren nur gemeinsam. Nur gibt es gerade wenig zu gewinnen, angesichts von Missbrauchsskandal und Kommunionstreit." In der umstrittenen Frage des gemeinsamen Abendmahls, das von katholischer Seite offiziell abgelehnt wird, bekundete Leyendecker bleibende Hoffnung. "Die katholische Basis ist da viel weiter als mancher katholische Bischof." Vehement verteidigte Leyendecker die Entscheidung des DEKT-Präsidiums, keine AfD-Vertreter zu Veranstaltungen des Kirchentags einzuladen. Es sei ein "politisches Zeichen", Rechtsradikalen keinen Raum zu geben. "Wir wollen auf den Podien keine rassistische Hetze à la Alexander Gauland, Alice Weidel oder Björn Höcke. Einige von ihnen sind Systemveränderer, die seit 2017 nicht etwa mäßigend auftreten, sondern immer schärfer und immer radikaler." Sehr wohl werde der Kirchentag das Gespräch mit Wählern und Sympathisanten der AfD suchen. Das Interesse am Thema "AfD auf dem Kirchentag" sieht Leyendecker inzwischen auf die Medien beschränkt: "Wir könnten den lieben Gott persönlich auf ein Podium setzen, und es hieße: "Ja, schön, aber wo ist der Vertreter der AfD?"

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