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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Bundeskanzlerin Merkel

Bielefeld (ots) - »Frohe Weihnachten, Angela Merkel!« In wenigen Tagen kann die wiedergewählte Bundeskanzlerin ihre verdienten Festtage genießen. Hinter dem Spitzenpersonal von Union und SPD liegen extrem arbeitsreiche Monate. Gestern wurde der Schlusspunkt unter ein letztlich erfolgreiches und politisch tadellos umgesetztes Kapitel gesetzt, das die Überschrift trägt: Einholung, Herbeiführung und Umsetzung demokratischer Beteiligung eines 80-Millionen-Volkes.

Es hat bei der Kanzlerinnenwahl im Bundestag mindestens 39 Gegenstimmen aus den eigenen Reihen gegeben. Widerstreben sieht anders aus. Merkel wurde mit der höchsten Zustimmungsquote unter allen Bundeskanzlern gewählt. Und sie hat die Union am 22. September mit 41,5 Prozent wieder zur Volkspartei gemacht - ein Phänomen, das längst für ausgestorben erklärt worden war.

Wochenlang hat Merkel geschwiegen und den vermeintlichen Alphatieren Sigmar Gabriel und Horst Seehofer das Feld vor den Mikrophonen überlassen. Die große Gelassene ließ ihre Männer gewähren. Seit gestern ist das wieder anders. Einzig und allein steht die Frage im Raum: Was macht Merkels Macht aus?

Weder ihr langsam erwachender Mutti-Witz noch die dröhnende Gerd-Show oder jene alles plattmachende Kohl-Walze aus politischen Vorzeiten bieten einen Erklärungsansatz. Merkels Muster der Macht beruht auf Selbstbescheidung, Zurücknahme, stillem Studium der anderen und souveränem Zugriff, wenn es wirklich darauf ankommt. Wir beobachten Angela Merkel seit 22 Jahren auf dem Weg nach oben.

Sie selbst hat zuvor drei Jahrzehnte aus der Ferne nur bruchstückhaft verfolgt, wie Demokratie geht. Und dennoch hat sie nach 1989 allen Deutschen, hüben wie drüben, gezeigt wie Demut und Durchsetzungsfähigkeit zusammengehen. Journalisten, die in Merkels Biografie stöbern, stellen fest: Abwarten und Vorsicht walten lassen aber bei den Leistungen besser als andere sein - das ist ihre Konstante. Diese Haltung führte Merkel auf dem Weg aus dem uckermärkischen Pfarrhaus, durch die staatsdirigistische FDJ/SED-Welt und machte sie zur begierig Lernenden und konsequent Handelnden beim gesamtdeutschen Neustart seit 1990.

Merkel zeigt kaum Gefühle, dürfte sich jüngst aber klammheimliche Freude über ihren Coup mit Ursula von der Leyen gegönnt haben. Niemand, nicht einmal Seehofer hatte bis Freitagabend die Rochade de Maizière (zurück ins Innenressort) gegen von der Leyen (ins Haifischbecken Bundeswehr) auf dem Zettel. Der Bayer stand auf einmal mit drei schwachen Ressorts - seinem Wahlsieganteil durchaus angemessen - da, die angeblich gut informierten Kreise lagen einmal mehr daneben und Rivalin von der Leyen wurde eine neuerliche Prüfung auferlegt.

Typisch Merkel - allen voraus, für weitere vier Jahre und noch mehr Überraschungen gut.

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