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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT zur Elbphilharmonie Hamburg

Bielefeld (ots) - Ist das Tadsch Mahal schön? Wunderschön. Und was beherbergt es? Den Schemen einer toten Frau. Ist Neuschwanstein schön? Traumhaft schön. Darinnen: Schatten eines toten Königs.

»Schön« ist nur ein anderes Wort für »nutzlos«, aber die Hamburger wollen das nicht wahrhaben. Zwar gedachten sie sich endlich auch einmal etwas Schönes zu leisten, aber es durfte nicht unnütz sein. Was also ist die Elbphilharmonie? Ein Konzerthaus? Na ja, auch. Ein Hotel? Schon eher. Lauter Luxuswohnungen? Natürlich. Vor allem aber ein Big Point im Stadt-Marketing, ein Landmark-Building für die HafenCity, ein Werbeträger, so profan, dass ihn die Pfeffersäcke hinter Anglizismen verbergen.

Es gibt ein Bild von Caspar David Friedrich, den »Wanderer über dem Nebelmeer«. Ein ehemaliger Chefmanager der Elbphilharmonie (der zweite) hat gesagt, so wie der Wanderer stehe auch das Topmanagement auf dem Hügel und blicke ins nebelverhangene Tal. Wichtig sei dem Topmanagement nur das, was aus dem Nebel rage. Dafür aber, dass überhaupt etwas herausrage, sei nicht der Topmanager verantwortlich. Aus dem Nebel an der Elbe ragen lediglich die Kosten: 500 Millionen Euro. Anfangs sollten es nur 187 Millionen sein, und dem dritten Topmanager steht die Panik ins Gesicht geschrieben.

Was die Hamburger da bauen, wird ein architektonisches Weltwunder, aber hinter der ästhetischen Verführung steckt Kalkül: Die Elbphilharmonie muss Geld bringen. Geld aus dem Verkauf von Konzertkarten? Mitnichten. In der Elbphilharmonie fänden 2150 Musikfreunde Platz, aber schon die Laeiszhalle ist kaum je ausverkauft. Nein, Touristen aus aller Welt sollen ihr Geld an die Elbe tragen, Unternehmen sollen sich dort ansiedeln. Hamburgs ehemaliger Bürgermeister sagt, so ein schöner Bau sorge vor allem für das Zutrauen der Investoren.

2001, als die Elbphilharmonie noch nicht mehr als eine traumhaft schöne Idee war, hatte derselbe Ole von Beust behauptet, Hamburgs Ziel sei es, mit dem neuen Konzerthaus zu den besten Häusern der Welt aufzuschließen. Warum investiert die Stadt dann nicht in erstklassige Musiker? Die Staatsoper genießt ja, sagen wir: nicht eben Weltruf . . .

Wo jedoch die Ökonomen das Wort führen, sind kulturelle Belange nur Erdnüsse. Die Luxuswohnungen und Hotelzimmer und Kongresshallen und die übrigen Kuckuckskinder, die unter der Wellenfrisur des Daches nisten, sind fertig. Der Konzertsaal aber macht Probleme. Das Herz der Elbphilharmonie schlägt nicht. Schlimm? Peanuts.

Hauptsache, die Touristen kommen und machen ihre Fotos. Die Frage, wieviel Geld dem Bürger die Kultur wert ist, stellt sich nicht. Sie lautet, wieviel Geld ihm die Kultur bringt. Frank Gehry hat Bilbao ein Guggenheim-Museum hingestellt und den Herfordern das schöne MARTa. Reich sind sie dadurch nicht geworden. Den Hamburgern steht diese Erkenntnis noch bevor.

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