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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Fall Mirco

Bielefeld (ots) - »Ich weiß, dass Mirco etwas zugestoßen ist. Das fühlt eine Mutter. Falls das Schlimmste eingetroffen ist, müssen wir Abschied nehmen und irgendwie weiter leben.« Mit diesen Worten hat sich Mircos Mutter am 25. September 2010 - sieben Tage nach dem elften Geburtstag ihres Sohnes - an die Öffentlichkeit gewandt. Seit gestern ist ihre Vermutung traurige Gewissheit. Der kleine Mirco aus Grefrath ist tot. Kaum einer kann nachempfinden, was es für die Eltern bedeuten muss, ihren geliebten Sohn nie wieder in die Arme schließen zu können. Mircos Eltern haben ihren Jungen als einen Sonnenschein beschrieben. Beliebt bei seinen Freunden, freundlich und sogar schon richtig cool, denn er hat sich manchmal vor dem Spiegel die Haare gegelt. Wenn er gelacht hat, waren alle Sorgen vergessen, sagt seine Mutter. Fast vier Monate nach seinem Verschwinden sind die Eltern noch einmal mit allen Details konfrontiert. Sie werden sich erneut erinnern an den Abend des 3. September, als sich Mirco gegen 21 Uhr auf dem Heimweg von einer Skateranlage befand, aber nie zu Hause ankam. »Gib uns unser Kind zurück oder sage, wo wir Mirco finden können!« Nicht nur die tage-, wochen und monatelange, quälende Suche nach Mirco blieb erfolglos, sondern auch dieser flehende Appell der Eltern im Fernsehen. Derzeit sieht es ganz danach aus, als habe die Polizei tatsächlich den Mann gefasst, der für Mircos Tod verantwortlich sein soll. Es ist unerträglich, dass es sich bei dem Verdächtigen ausgerechnet um einen Familienvater handeln soll, der selbst zwei Kinder hat. Das macht den Fall noch grausamer, als er ohnehin schon ist - das macht viele Menschen, die mit den Eltern mitfühlen, noch trauriger und fassungsloser. Wie schon bei so vielen anderen Verbrechen, bei denen Kinder getötet wurden, soll es sich um einen Täter handeln, der als freundlich, unauffällig und hilfsbereit galt. Der nette Mann von nebenan also. Irgendwie kommt uns das doch bekannt vor. Immer wieder werden Täter so beschrieben. Nur die Namen der Kinder, die zu Opfern wurden, sind neu. Das macht Eltern zusätzlich macht- und hilflos. Es macht Angst. Der Dank gilt der Polizei. Unermüdlich waren die Fahnder im Einsatz. Auch als eigentlich keine Hoffnung mehr bestand, haben sie die Suche nach Mirco fortgesetz, die Akten nie geschlossen. Der Fahndungserfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis akribischer Ermittlungsarbeit, die sich sehen lassen kann. Für Mircos Familie ist das in diesen schweren Stunden nur ein ganz schwacher Trost. Wir alle fühlen mit den Eltern und den drei Geschwistern. Es ist ein Gefühl von Trauer, von Leere, von Betroffenheit - und von Wut und Hass, aber auch von Erleichterung, den Täter hoffentlich gefunden zu haben und den Eltern die Möglichkeit zu geben, Abschied nehmen zu können.

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