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06.01.2010 – 19:07

Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Google-Handy

Bielefeld (ots)

Der Wow-Effekt, das große Aaah und Oooh, ist
ausgeblieben. Google hat das Mobiltelefon nicht neu erfunden. Die von
manchen erwartete Handy-Revolution findet nicht statt. Das neue Nexus
One verbessert in vieler Hinsicht »nur« die technischen Standards, 
über die auch andere Geräte, allen voran das i-Phone von Apple, schon
jetzt verfügen.
Google wird dennoch seine Freude an Nexus One haben. Zwar ist der 
Eintritt in einen neuen Markt für jedes Unternehmen ein Risiko. 
Offensichtlich aber zieht der Name Google auch in Bereichen, die 
außerhalb der Kernkompetenz des Internet-Suchdienstes angesiedelt 
sind. Keine andere der 350 Handys und Smartphones, die derzeit pro 
Jahr auf den Weltmarkt drängen, hat seit Apple ein solches Bohei 
ausgelöst.
Die digitale Welt hat ihre Lieblinge und ihre Hassobjekte. 
Oberflächlich gesehen geht es beim Computer nur um Technik. Dennoch 
provozieren einige Namen leidenschaftliche Gefühle. Lange zog vor 
allem Microsoft die Abneigung der Computer- und Internet-Nutzer auf 
sich. Davon hat außer Linux und Apple auch die hippe und coole, 
weltoffene und sympathische Firma im kalifornischen Mountain View 
profitiert: Google erschien im Vergleich zu dem Goliath Microsoft 
nicht nur lange als der kleine David, sondern erfreut die Nutzer auch
bis heute dadurch, dass es keine Gebühren kassiert. Das taten zwar 
auch anfängliche Konkurrenten wie Altavista, MAN, Yahoo und Lycos. 
Doch Google war und ist eben schneller und in vieler Hinsicht 
komfortabler.
Kostenlos ist es entgegen dem äußerlichen Anschein nicht. Die Nutzer 
zahlen nicht in Cent und Euro, sondern in der Preisgabe ihrer Daten. 
Zudem erhalten sie, passend zum Suchbegriff, einen schnellen Zugriff 
auf Werbung.
 Fans nehmen das achselzuckend zur Kenntnis: »Hauptsache, mein 
Portemonnaie bleibt gefüllt.« User, die im Netz freiwillig ihr Leben 
und ihre Gefühlswelt offen und unwiderrufbar nach außen kehren, 
lassen sich durch Datenspuren nicht abschrecken, die sie bei ihren 
Google-Recherchen legen und die, gezielt zusammengefügt, alles 
enthüllen, wofür sie sich interessieren.
Kritiker dagegen sehen in Google die Krake oder Spinne, die alle 
Datenflüsse an sich zieht. Dass das Unternehmen keineswegs so harmlos
und weltbeglückend ist, wie viele User glauben, beweist sein 
willfähriges Auftreten gegenüber Diktaturen wie dem Pekinger Regime, 
auf dessen Wunsch der Suchdienst Links zu Kritikern und 
Menschenrechtsorganisationen einfach gekappt hat.
 Die Ausweitung der Geschäfte auf den Handy-Sektor, die beim Handy G1
und der damit einhergehenden Kooperation mit T-Mobile begann und nun 
mit Nexus One offenkundig wird, könnte die Datenvielfalt noch 
vergrößern - zumal, wenn die Handy-Nutzer auf das damit verbundene 
vereinfachte Angebot eingehen und ihre elektronische Post mit 
Google-Mail versenden. Dazu ist niemand gezwungen. Doch die Erfahrung
lehrt: Was in der digitalen Welt einfach ist, wird - Datenschutz hin 
oder her - auch genutzt.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

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