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17.12.2008 – 19:55

Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) kommentiert:

Bielefeld (ots)

Gerne zeigt der brave Deutsche auf die
erwischten gedopten Sportler oder die knapp 200 000 Drogenabhängigen,
die sich ihren Stoff meist durch kriminelles Handeln verdienen 
müssen. Doch wie heuchlerisch dieses Denken (Da die Bösen, wir die 
Guten) ist, beweisen Zahlen des alltäglichen Drogengebrauchs. Fast 
vier Millionen Deutsche sind abhängig von Medikamenten oder 
gefährdet. Dazu kommt noch die Zahl von etwa zwei Millionen 
Alkoholikern.
Die Sucht soll meist dabei helfen, die Sucht nach Perfektion zu 
befriedigen. Höher, schneller, weiter, wer Zweiter wird, ist der 
erste Verlierer - dieses Denken gibt es längst nicht mehr nur im 
Sport. Dass Weniger manchmal mehr ist, dass Grenzen zu akzeptieren 
sind, dass Anstrengung zum Erreichen von Zielen meist nicht 
unumgänglich ist, damit setzen sich auch Normalbürger nicht gerne 
auseinander.
Dabei kommt es mittlerweile auch in Deutschland schon zu perversen 
Auswüchsen. Auch die Marotte, seinen Kindern statt eines Autos eine 
Schönheitsoperation zum 18. Geburtstag zu schenken, schwappte aus dem
Land der unbegrenzten OP-Möglichkeiten nach Deutschland. Was nicht 
perfekt ist, wird eben schnell perfekt gemacht.
Dem Schein wird das Sein geopfert. Die Folgen tragen die Süchtigen 
(Abhängigkeit/Entzug) und die Gesellschaft (Arbeitsausfälle, die in 
Milliarden-Verlusten zu beziffern sind). Schluss mit der Heuchelei. 
Die schadet allen.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

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