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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Debatte in SPD um Sinn eines Kanzlerkandidaten Jede Partei braucht ein Gesicht Martin Fröhlich

Bielefeld (ots) - Es klang nach Sommertheater, was Ministerpräsident Torsten Albig da äußerte. Doch der Gedanke, die SPD könne aufgrund der Übermächtigkeit von Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2017 ohne Kanzlerkandidaten antreten, hat ein gewaltiges Echo hervorgerufen. Spott bei der CDU, die den Gegner und zugleich Koalitionspartner schon geschlagen sieht. Streit in der SPD, weil viele Genossen anderer Meinung sind. Dabei ist Albigs sachliche Einschätzung der Lage zutreffend. Die Stimmung in Deutschland riecht nicht nach Wechsel. Merkel hat herausragende Umfragewerte - mitten in der Griechenkrise. Der SPD fehlt schlichtweg ein Name, ein Gesicht, das es auch nur annähernd mit der "Mutter der Nation" aufnehmen könnte. Alles Bemühen wäre vergebens, oder? So richtig Albig die Lage einschätzt, so falsch ist seine Schlussfolgerung. Die zweitstärkste Partei des Landes muss nicht nur dann einen Kanzlerkandidaten aufbieten, wenn sie eine Siegchance hat. Das ist nicht der Sinn von Demokratie. Bei Wahlen geht es auch darum, die Arbeit der Regierung herauszufordern, vom Bürger überprüfen zu lassen, ein Gegenmodell anzubieten. Und sei es - angesichts der sicheren merkelschen Hand am Ruder - auch nur in einigen Themen. Politik ist eine Frage von Inhalten, aber auch von Köpfen. Der Kanzlerkandidat ist das Gesicht einer Partei. Er soll Stimmen holen, wo Inhalte nicht greifen. Nun könnte es sein, dass Albig mit seiner Provokation im Sinne hatte, die Debatte um Sigmar Gabriel an der Parteispitze zu beenden. Vielleicht wollte er sagen: Die SPD muss sich hinter ihren Chef stellen und ihn zum Kandidaten machen. Wenn das die Botschaft war, dann hat sie wohl niemand verstanden.

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