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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Loveparade Zu wenig Unterstützung für die Opfer Tobias Schreiner

Bielefeld (ots) - Duisburg ist nach der Loveparade 2010 nicht mehr das, was es einst war. Das Unglück hat eine tiefe Wunde gerissen in die Seele der Stadt zwischen Niederrhein und Ruhrgebiet. Ein Highlight wie die Loveparade hatte Duisburg seit Ewigkeiten nicht gesehen. Ganz Deutschland blickte am 24. Juli 2010 auf die Stadt am Rhein - und sah eine Katastrophe. Britta K. (Name von der Redaktion geändert) war heute vor fünf Jahren im Todestunnel. Sie spricht nicht gern über die Dinge, die sie dort erlebt hat. Die Enge. Die Hitze. Die Panik. Die toten Körper, die sie noch heute in ihren Träumen reglos auf der Straße liegen sieht. Geholfen haben ihr weder Stadt noch Land - weil sie nicht körperlich verletzt wurde, weil sie keinen Angehörigen im Tunnel verloren hat. Der Schmerz in ihrer Seele ist nicht zu ermessen. Fünf Jahre später sind die Schuldigen immer noch nicht ausgemacht. Ganz Duisburg strömte 2011 in die Wahllokale, um den damaligen Oberbürgermeister abzuwählen. Adolf Sauerland war für alle der Hauptverantwortliche. Er hatte doch erst mit seiner Unterschrift ermöglicht, dass das Festival zu genau dieser Zeit an genau diesem Ort stattfinden sollte. Und was hat sich seitdem verändert? Auf der Anklagebank werden weder Sauerland noch Loveparade-Chef Rainer Schaller sitzen. Noch immer suchen viele nach den Schuldigen, die das Unglück zu verantworten haben. Aber wem nützt das eigentlich? Die strafrechtliche Aufarbeitung gleicht einem Mammutprojekt und wird noch Jahre dauern. Mit der Opferhilfe schlampten das Land NRW und die Stadt gleichermaßen. Stattdessen verschärften sie die Sicherheitsauflagen für öffentliche Veranstaltungen massiv. Viele Aktivitäten wurden im Folgejahr abgesagt. Es wäre schön, wenn Land und Stadt den Opfern ebenso inbrünstig helfen würden, wie sie ihre neuen Sicherheitsregelungen kontrollieren. In Duisburgs Seele klafft ein Loch. Kein Richterspruch kann dieses Loch schließen. Nur aktive Hilfe für die Opfer. Vielleicht hat Duisburg dann eine Chance auf einen Neuanfang.

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