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Neue Westfälische: Arcandor, Karstadt und Quelle sind insolvent Ausgelutscht MARTIN KRAUSE

    Bielefeld (ots) - Arcandor ist bankrott. Die Verantwortlichen haben prominente Namen. Madeleine Schickedanz und die Luxemburger Privatbank Oppenheim gehören als Großaktionäre unzweifelhaft dazu. Thomas Middelhoff trägt als Ex-Topmanager des Konzerns Verantwortung, wobei ihm nicht allein vorzuwerfen ist, dass seine lebhaften Visionen einer Sanierung nur leere Versprechungen blieben. Middelhoff hat durch seine private Beteiligung an einem Immobilienfonds offenbar von überhöhten Mietforderungen zu Lasten von Karstadt profitiert. Zwar erfolgte die Beteiligung schon vor seinem Engagement im Management. Die bloße Existenz dieses dubiosen Fonds aber kennzeichnet die Mentalität bestimmter Finanzanleger. "Nimm, was du kriegen kannst", ohne Rücksicht auf Firmen und ihre Mitarbeiter. Aber schon Walter Deuss erlebte im Jahr 2000 einen bitteren Abgang als Vorstandschef. Deuss hatte Neckermann, Hertie und Quelle mit Karstadt fusioniert, doch die Gewinne sprudelten nicht wie erhofft. Die Aktionäre murrten, und Wolfgang Urban sollte es besser machen. Sparkurs und Stellenabbau folgten, fällige Investitionen blieben aus, das traurige Ergebnis ist in den Läden von Karstadt, Hertie und Quelle zu besichtigen. Und mit sinkenden Mitarbeiterzahlen verschlechterte sich auch der Service. Das ließen sich immer mehr Kunden nicht gefallen. Die Manager haben Karstadt und Quelle aus dem Markt gegeizt. Das einst blühende Unternehmen wurde nach Strich und Faden ausgelutscht. Eine Eigenkapitalquote von nur noch 5,5 Prozent Ende 2008 spricht Bände. Und wie zum Hohn für zehntausende engagierte Mitarbeiter verweigern die reichen Eigentümer jetzt weitere Verantwortlichkeit. Aber eine Insolvenz ist heute nicht mehr unbedingt das Ende. Daran erinnerte gestern der Insolvenzverwalter. Viele Kunden mögen Karstadt und Quelle bis heute. Sie dürfen mit den Mitarbeitern auf einen Neuanfang hoffen.

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