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Schwarzer: Schröder-Köpfs Äußerungen über Merkel "geschmacklos und rückschrittlich"
"Heute können wir als Frau entscheiden, einen Kanzler zu heiraten, oder selbst Kanzlerin werden zu wollen"

    Bonn (ots) - "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer hat ihre heftige Kritik an den Äußerungen von Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf über Angela Merkel bekräftigt. In der PHOENIX-Sendung "Im Dialog" (Ausstrahlung Freitag, 21 Uhr) sagte Schwarzer: "Es steht der Kanzlergattin natürlich nicht zu, im Wahlkampf, wenn sie zwei Wochen vor den Wahlen interviewt wird - und zwar nicht als Privatperson, sondern als die Frau an der Seite des Kanz-lers - die Kanzlerkandidatin wegen Kinderlosigkeit zu rügen. Das ist nicht nur eine Geschmacklosigkeit, sondern dermaßen rückschrittlich - das ist pures 19. Jahrhundert." Die Frau des Kanzlers solle sich abgewöhnen, im Namen aller Mütter zu sprechen, fordert Schwarzer. Es gebe nämlich Mütter, die anders dächten als sie. Wörtlich sagte Schwarzer: "Wir schreiben das Jahr 2005 und wir Frauen sind - nicht zuletzt dank Frau Merkel - auch in Deutschland an der Stelle angekommen, wo wir entweder einen Kanzler heiraten können, oder selber Kanzlerin werden können." Es sei eine spannende Sache, einen Kanzler zu heiraten. "Ich finde es na-türlich sehr sympathisch, sehr ermutigend und sehr modern, Kanzlerin werden zu wollen", so die Emma-Herausgeberin. Der Kanzler wäre gut beraten gewesen, seiner Frau ein wenig Zurückhaltung aufzuerlegen. "Ich habe mich sehr gewundert, dass er im TV-Duell nicht die Chance genutzt hat, sich auf taktvolle Weise bei Frau Merkel zu entschuldigen." Mit Blick auf die Rolle von Doris Schröder-Köpf sagte Schwarzer: "Ich kann mir auch vorstellen, wenn man mit einem Kanzler verheiratet ist und man hat zwei kleine Kinder, dann ist man zuhause ganz gut aufgehoben - vor allem, wenn man eine solche 24-Stunden-Mutter ist wie Frau Schröder-Köpf, die sich ja sehr viel damit beschäftigt." Ob "diese permanente Projektion" den Kindern immer gut tue, sei eine allgemeine Debatte. "Ich glaube, da gibt es in Deutschland manchmal ein bisschen Mütterlichkeit im Überschwang", sagte Schwarzer. Über sich selber sagte die Journalistin, sie sei keine Stammwählerin: "Ich wähle nicht irgendeine Partei um jeden Preis(...), ich erlaube mir, jedes Mal abzuwägen." Die Kandidatur Angela Merkels sei für ihre Wahlentscheidung "natürlich ein sehr, sehr ernst zu nehmender Faktor für eine Frau wie mich. Das wäre wirklich ein ungeheuerer Einschnitt und eine Ermutigung für alle Frauen." Seit 1972 hätten fortschrittliche Frauen "der SPD in den Sattel geholfen" und seit Anfang der 80er Jahre auch überwiegend die Grünen gewählt. "Sie müssen aber feststellen - bei allem Wohlwollen und aller Sympathie -, dass zwischen den Worten und den Taten von SPD und Grünen eine große Kluft ist." Das Programm von Rot-Grün sehe prächtig aus, "nur, da stehen auch viele Dinge, die hätten sie in den letzten sieben Jahren tun können - sie haben sie nicht getan", sagte Schwarzer. Im Fernsehduell mit Kanzler Schröder habe ihr Merkel "ganz ausgezeichnet" gefallen. "Sie war noch besser, als ich erwartet hatte: Sie ist in die Offensive gegangen und war sehr sachkun-dig." Allerdings habe sie auch Schröder "sehr gut gefunden". Er habe es verstanden, "nicht arrogant und herablassend zu sein." In der ersten Hälfte des Duells habe man aber gemerkt, dass "er die Auseinandersetzung mit einer Frau auf Augenhöhe nicht gewöhnt ist - er hat nach seiner Rolle gesucht."

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