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"phoenix persönlich": Prof. Karl Schlögel zu Gast bei Theo Koll - Samstag, 7. März, 00:00Uhr

Bonn (ots)

In der aktuellen Ausgabe von "phoenix persönlich" spricht Theo Koll mit dem Historiker und Osteuropa-Experten Prof. Karl Schlögel über die strategischen Ziele Wladimir Putins, die Widerstandskraft der Ukraine sowie über die Verantwortung Europas.

"Es geht Putin nicht um ein paar Quadratkilometer des Donbass, sondern um eine Auseinandersetzung zwischen der russischen Zivilisation und dem Westen und Europa, das er für dekadent hält", sagt der Historiker und Publizist Prof. Karl Schlögel im Gespräch mit Theo Koll und beschreibt einen umfassenden medialen Feldzug des Kreml: In Russland tobe "ein Propagandakrieg - mit Bildern, mit Hetzreden, mit der Verhöhnung des Westens". Der Angriff auf die Ukraine sei weit mehr als ein territorialer Konflikt. Die Ursache sieht Schlögel in einer historischen Weigerung, das Ende des sowjetischen Imperiums anzuerkennen. Die russische Führung habe nach 1991 "kapituliert vor der Aufgabe, ein postimperiales, modernes Russland zu schaffen". Stattdessen setze der Kreml auf Aggression nach außen.

Eindrucksvoll schildert Schlögel, der zuletzt im Herbst 2025 in der Ukraine war, die Resilienz der ukrainischen Gesellschaft: "Es ist eigentlich unbegreiflich, was Menschen unter diesen Bedingungen ertragen und aushalten können." Trotz massiver Angriffe funktioniere vielerorts der Alltag weiter. Die Ukraine werde sich nicht unterwerfen. "Sie weiß, was in den besetzten Gebieten geschieht", so Schlögel. Sein Fazit: "Meiner Auffassung nach wird sie standhalten."

Auch die Verteidigung Europas werde von den ukrainischen Streitkräften und der Gesellschaft getragen. Sollte die Ukraine fallen, wäre Europa darauf bisher überhaupt nicht gerüstet, glaubt der Historiker. Dafür gebe es genügend Indizien.

Der Krieg sei eine Zäsur. Man befinde sich im "Dunkel des gelebten Augenblicks", zitiert Schlögel, der im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, den Philosophen Ernst Bloch. In einer historischen Situation, in der alte Gewissheiten nicht mehr tragen würden und politische Orientierung neu erarbeitet werden müsse. Putins Formulierung, die "russische Welt" kenne keine Grenzen, sei als klare Kampfansage zu verstehen. Europa müsse erkennen, dass es sich um eine fundamentale Auseinandersetzung unterschiedlicher politischer Ordnungen handle.

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