Bis zu 120 Milliarden Euro Produktivitätsverlust in 2030: Psychische Erkrankungen belasten Deutschlands Wirtschaft
Zurich Bericht zum Wert mentaler Gesundheit: Verringerte Erwerbsbeteiligung ist der zentrale Kostentreiber – frühe Unterstützung gewinnt an wirtschaftlicher Bedeutung.
Köln, 29. April 2026: Psychische Erkrankungen entwickeln sich in Deutschland zunehmend zu einem Belastungsfaktor für Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Das zeigt der aktuelle Bericht «The Value of Mental Health» (Der Wert mentaler Gesundheit) der Zurich Insurance Group. Danach steigen die jährlichen Produktivitätsverluste infolge psychischer Erkrankungen bis 2030 auf bis zu 120 Milliarden Euro. Der größte Teil dieser Verluste entsteht nicht durch kurzfristige Fehlzeiten, sondern durch dauerhaft verringerte Erwerbsbeteiligung.
Bereits heute ist die Beschäftigungslücke deutlich: Während 78 Prozent der Menschen ohne psychische Erkrankung erwerbstätig sind, liegt die Quote bei Betroffenen bei 61 Prozent. Rund 80 Prozent der wirtschaftlichen Verluste gehen auf diese reduzierte Teilhabe am Arbeitsmarkt zurück und belaufen sich bereits im Jahr 2026 auf 87 Milliarden Euro – das entspricht 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
„Mentale Gesundheit entscheidet darüber, ob Menschen langfristig am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilhaben können – oder den Anschluss verlieren. Inzwischen leben nahezu 13 Millionen Menschen, etwa 16 Prozent der Bevölkerung, mit einer psychischen Erkrankung“, sagt Heike Hommel, Chief Underwriting Officer Individual Life. „Frühzeitige Unterstützung der betroffenen Menschen kommt nicht nur den Einzelnen zugute, sondern ihrem Umfeld, der Gesellschaft und der Wirtschaft insgesamt – sie ist damit eine Investition in nachhaltige Leistungsfähigkeit.“
Fehlzeiten sichtbar
Psychisch bedingte Fehlzeiten bleiben ein relevanter Faktor für Unternehmen. Beschäftigte in Deutschland nehmen durchschnittlich 2,5 zusätzliche Krankheitstage pro Jahr aufgrund psychischer Erkrankungen in Anspruch. Das entspricht im Jahr 2026 rund 98 Millionen krankheitsbedingten Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen und verursacht einen Produktionsausfall von mehr als 22 Milliarden Euro (0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts). Bis 2030 dürfte dieser Wert auf 23 Milliarden Euro steigen.
Nicht berücksichtigt ist dabei der sogenannte Präsentismus - also reduzierte Leistungsfähigkeit trotz Anwesenheit am Arbeitsplatz, sodass die tatsächlichen Produktivitätsverluste für Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt unterschätz werden. Unterstützung und Absicherung sind dann am wirksamsten, wenn die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt.
Hohe individuelle Belastung verstärkt langfristige Effekte
Neben den volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind die individuellen Folgen erheblich. Für eine durchschnittliche betroffene Person in Deutschland werden bis 2030 rund 67 Tage gesunden Lebens pro Jahr erwartet, die durch psychische Erkrankung verloren gehen – der höchste Wert unter den im Bericht untersuchten Ländern. Anhaltende gesundheitliche Beeinträchtigungen erhöhen das Risiko, dauerhaft aus dem Arbeitsleben auszuscheiden.
Zudem zeigen sich wie in anderen Ländern auch in Deutschland ein deutliches geschlechtsspezifisches Muster. Frauen stellen 56 Prozent aller Fälle psychischer Erkrankungen, verglichen mit 45 Prozent bei Männern. Männer hingegen sind überproportional von vorzeitiger Sterblichkeit betroffen und machen 72 Prozent aller Todesfälle infolge von Suizid aus.
Starkes Versorgungssystem mit zunehmendem Druck
Deutschland verfügt über ein im internationalen Vergleich leistungsfähiges System der psychischen Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig zeigen sich wachsende Belastungen, insbesondere im ambulanten Bereich. Verzögerungen beim Zugang zur Unterstützung erhöhen das Risiko, dass kurzfristige Belastungen zu langfristigen Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit werden.
„Je länger Menschen ohne passende Unterstützung bleiben, desto größer wird das Risiko eines dauerhaften Rückzugs aus dem Arbeitsleben“, so Hommel. „Genau hier kommt es darauf an, früh zu begleiten und Übergänge in neue Lebens‑ und Arbeitsphasen zu schaffen.“
Frühe Unterstützung als wirtschaftlicher Hebel
Der Bericht macht deutlich: Stärkung der persönlichen Resilienz, früher Zugang zu wirksamer Unterstützung, eine bessere Verzahnung von Gesundheitsversorgung und Arbeitswelt sowie strukturierte Wiedereinstiegs‑ und Begleitmodelle sind zentrale Hebel, um Produktivitätsverluste zu begrenzen.
„Als Versicherer unterstützen wir Menschen im Leistungsfall unter anderem durch unser internes Case Management – mit individueller Beratung und begleitenden Gesundheitsangeboten“, sagt Hommel. „Unser Ziel ist es, zu helfen, den Übergang in einen neuen Alltag zu erleichtern und Teilhabe möglichst lange zu sichern.“
Über den Bericht
In dem Bericht «The Value of Mental Health» werden die aktuellen und künftigen Auswirkungen psychischer Erkrankungen in Australien, Chile, Deutschland, Malaysia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Vereinigten Königreich anhand einer Analyse öffentlicher Daten bewertet. In der Studie sind somit sowohl Schwellenländer als auch entwickelte Märkte vertreten. Der Bericht misst die Auswirkungen auf Menschen, Produktivität und Schutzsysteme bis zum Jahr 2030 anhand von Kennzahlen wie verlorene gesunde Lebensjahre, Lücken in der Erwerbsbeteiligung sowie Kosten auf Systemebene.
Zur Pressemitteilung der Zurich Insurance Group:
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Die Zurich Gruppe Deutschland wurde 1875 in Berlin gegründet und gehört zur weltweit tätigen Zurich Insurance Group. Mit Beitragseinnahmen (2025) von über 6,2 Milliarden Euro, Kapitalanlagen von mehr als
52 Milliarden EUR und rund 5.300 Mitarbeitenden zählt Zurich zu den führenden Versicherungen in Deutschland. Im Einklang mit dem Ziel „gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten“, bietet Zurich Präventionsdienstleistungen an, die über traditionelle Versicherungsprodukte hinausgehen, um Kunden dabei zu unterstützen, Resilienz aufzubauen.

