Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zur Internationalen Tourismusbörse "Reiselust kontra Kriegsfrust" von Reinhard Zweigler

Regensburg (ots) - Wer bucht heutzutage einen Sommerurlaub auf der wunderschönen Krim? Wer geht unbeeindruckt von den islamistischen Anschlägen in Ägypten auf Tauchtour im Roten Meer? Von einem Stadtbummel im umkämpften Damaskus ganz abgesehen. Syrien versinkt in einem blutigen Bürgerkrieg. Und wo es um das nackte Überleben geht, denkt niemand ans Urlaubmachen, an ausländische Gäste gar, die Devisen ins Land bringen, die Sehenswürdigkeiten genießen und sich in exotischer Umgebung erholen wollen. Der Tourismus ist ein Bruder des Friedens und er braucht Sicherheit. Reiselust ist unvereinbar mit Kriegsfrust. Die derzeit in Berlin stattfindende Internationale Tourismusbörse ist deshalb auch ein untrügliches Barometer dafür, wo sich Urlauber sicher fühlen können, wo Reiseveranstalter gute Verträge machen - und wo es im Gegensatz dazu Unsicherheit gibt. Unruhige Gegenden werden in der Regel gemieden. Immer wieder lassen Unruhen auch bislang prosperierende Urlauber-Zentren verwaisen. Dabei sind Touristen wichtig für die friedliche Entwicklung eines Landes. Das ist in Deutschland, das Land, aus dem die Reiseweltmeister kommen, nicht anders als in Thailand, Brasilien oder Tunesien. Die Bundesrepublik bricht regelmäßig Rekorde, was die Zahl der ins Land kommenden ausländischen Gäste betrifft. Sie kommen wegen der herrlichen Natur, der vielfältigen Kultur, der Gastfreundschaft und Lebensart. Im Land zwischen Großem Arber und Zugspitze ist der Tourismus besonders ausgeprägt und ein gewaltiger Wirtschaftszweig obendrein. Bayern ist das Urlaubs-Bundesland in Deutschland. Wie sensibel Urlauber jedoch auf Unsicherheit reagieren, haben einige ostdeutsche Bundesländer erleben müssen, als die Gästezahlen wegen rechtsextremer Übergriffe zurückgingen. Mit dem "arabischen Frühling", der für einige Länder im Mittelmeerraum vor drei Jahren mehr Demokratie und Entwicklung verhieß, war es ähnlich. Zuerst blieben die Urlauber aus, die sich natürlich nicht der Bürgerkriegs-Gefahr aussetzen wollten. Inzwischen legen Länder wie Tunesien aber wieder zu. Auch das krisengeschüttelte Griechenland verbucht ansteigende Gästezahlen. Gut so. Ägypten aber, das weiterhin von islamistischen Attentaten erschüttert wird, verliert immer mehr. Es ist ein Teufelskreis. Gewaltbereite Islamisten und andere Anhänger des Terrors setzen ganz bewusst an der empfindlichen Stelle des Tourismus an. So perfide es ist, das Land in Unruhe zu versetzen oder/und ungeschützte Urlauber zu attackieren, entfaltet eine verheerende Wirkung auf das so eminent wichtige Urlaubsgeschäft. Insofern sind rechtzeitige Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes im Interesse der Sicherheit von Touristen lebensnotwendig. Wer trotz Warnung unbedingt in das unruhige Urlaubsgebiet reist, sollte dann aber auch die Risiken tragen. Das Reisejahr 2014, in dem sich etwa der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal oder der Fall der Mauer zum 25. Mal jähren, bietet zudem Anlass für eine besondere Art des "Gedenktourismus". Zu den einstigen Schlachtfeldern des Krieges, zu den Orten, an denen die schmerzhafte deutsche Teilung sichtbar und spürbar war. Reisen zu solchen "verunsichernden Orten" unserer deutschen und europäischen Geschichte können im besten Sinne "pädagogisch wertvoll" sein. Man sollte sich darauf einlassen, ganz sicher.

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