Friedensgutachten 2026: Machtpolitik verschärft globale Konflikte
Friedensgutachten 2026
Machtpolitik verschärft globale Konflikte
Unbegrenzte Machtpolitik und entfesselte Gewalt erschüttern die internationale Ordnung. Groß- und Mittelmächte wie die USA, Russland und Israel, aber auch Pakistan, Äthiopien oder die Golfmonarchien betreiben Politik mit militärischen Mitteln und verschärfen dadurch globale Konflikte. Das Friedensgutachten 2026 zeigt, was gegen den fortschreitenden Zerfall der Weltordnung getan werden kann. Die führenden deutschen Friedensforschungsinstitute, darunter das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen, haben die Analyse heute (8. Juni) auf der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt.
In der globalen Politik bleibt das Völkerrecht zunehmend auf der Strecke. Die Friedensforscher:innen konstatieren, dass Staatschefs wie Donald Trump oder Wladimir Putin als neue Warlords agieren, die internationale Regelwerke missachten und zur Durchsetzung persönlicher Interessen Krieg führen. Dadurch werden Gewaltdynamiken entfesselt, für die etwa der anhaltende russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die amerikanischisraelische IranIntervention stehen.
Die vier Friedensforschungsinstitute sprechen sich in Anbetracht dieser alarmierenden Lage dafür aus, die Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen zu sichern. Die Bundesregierung und ihre europäischen Partner müssten Gegenstrukturen wie Trumps „Board of Peace“ entschieden ablehnen und Völkerrechtsbrüche konsequent verurteilen – auch wenn diese von Verbündeten wie den USA begangen werden.
Die internationale Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und die humanitäre Hilfe verzeichnen drastische Mittelkürzungen. Die Folgen thematisiert das vom INEF koordinierte Kapitel „Nachhaltiger Frieden“. „So lässt sich etwa feststellen, dass die weitgehende Abwicklung der US-amerikanischen Entwicklungsorganisation USAID im Jahr 2025 den globalen Kampf gegen Krankheiten wie HIV-Aids, Polio oder Malaria erheblich zurückgeworfen hat“, erklärt Prof. Dr. Tobias Debiel, stellvertretender Direktor des INEF. Gleichzeitig beobachten die Forscher:innen, dass die weltweite EZ bereits vor der zweiten Amtszeit Donald Trumps in die Krise geraten ist. Für die strategische Neuausrichtung der deutschen und europäischen EZ empfehlen sie unter anderem, finanzielle Ressourcen und Expertise auf EU-Ebene stärker zu bündeln.
Das Kapitel „Nachhaltiger Frieden“ hebt auch die friedensfördernde Rolle der Entwicklungszusammenarbeit hervor, weil sie Versöhnungsprozesse unterstützt und zum Wiederaufbau beiträgt. Zugleich bemängeln die Friedensforscher:innen, dass Konfliktprävention gegenwärtig nicht ausreichend berücksichtigt wird. Die Bundesregierung fordern sie auf, friedensorientierte EZ zu stärken und die humanitäre Hilfe finanziell abzusichern. „Die Entwicklungszusammenarbeit kann einen wirksamen Gegenpol zur grassierenden Machtpolitik bilden, wenn sie konsequent auf Inklusivität, Menschenrechte und Friedensförderung setzt“, so Prof. Debiel.
*Das Friedensgutachten ist ein gemeinsames jährliches Gutachten der vier führenden deutschen Institute für Friedens- und Konfliktforschung: dem Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC), dem Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Uni Duisburg-Essen, dem Peace Research Institute Frankfurt – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF), und dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). Es analysiert aktuelle Gewaltkonflikte, zeigt Trends der internationalen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik auf und gibt Empfehlungen für die Politik.
Im Bild: Die Herausgeber:innen des Friedensgutachtens v.l.n.r.: Prof. Dr. Ursula Schröder, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH), Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Prof. Dr. Conrad Schetter, Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc), Prof. Dr. Tobias Debiel, Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen
Weitere Informationen:
https://www.friedensgutachten.de/
Prof. Dr. Tobias Debiel, Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), Tel. 0203/37 9-2021, tobias.debiel@uni-due.de
Redaktion: Dr. Jannis Saalfeld, INEF, jannis.saalfeld@uni-due.de
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